Konzert in Stuttgart So war es bei Dendemann im Wizemann

Der Wortakrobat war zuletzt 2019 Im Wizemann zu Gast. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Dendemann ist zurück. Mit Rap-Klassikern und einer neuen Single verzauberte der Hip-Hop-Veteran sein Stuttgarter Publikum.

„Gut seht ihr aus, so junggeblieben!“ Mit solchen bittersüßen Komplimenten eröffnet Dendemann am Samstagabend seine Show im pickepackevollen Wizemann, wo alle jenseits der 40 schon gespannt auf den Rapper aus dem Norden warten. Bevor er loslegt, kommt gleich der nächste liebgemeinte Seitenhieb des 50-jährigen Rappers, der seine Altersgenossen warnt, dass es gleich ein wenig abgehen wird. Sein Stuttgarter Publikum kann es kaum erwarten.

 

Die Hip-Hop-Hoodies wurden aus dem Schrank geholt

Unzählige Hip-Hop-Hoodies und -Shirts fallen an diesem Abend auf: Viermal Kolchose, Fatoni, Wu-Tang, Beastie Boys, KIZ, ja sogar ein Tupac-Shirt wurde aus dem Schrank geholt. Auch auf der Bühne wird nicht mit Querverweisen gespart. Die Beats und Flows sitzen, das Publikum schwebt sofort auf einer Wolke aus Rap-Nostalgie: Dendemann ist endlich wieder in Stuttgart und die Hip-Hop-Hände werden fleißig in die Luft geschwungen.

Die Hip-Hop-Hände gingen hoch! Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Dendemann erzählt, dass ihm jemand auf Instagram in die DMs geslidet sei und gefragt habe, ob er auf der aktuellen Tour denn wohl auch alte Songs performen würde. „Aber ja, natürlich – es gibt ja fast nur alte Songs“, gibt er schmunzelnd zu. „Früher, als es nur Newsletter gab und man Künstler nicht so einfach erreichen konnte, war das Leben einfacher“, sagt er lachend und das Stuttgarter Publikum johlt laut auf.

Dende ist gut auf der Bühne angekommen und verzaubert die Menge sofort mit seinen gewaltigen Reimen, packt Klassiker wie Siebenschläfer, Sensationell, Endlich Freischwimmer und den absolut passenden Banger Zeitumstellung aus.

„Wie geht es den Gedanken, gut?“

Der Wortakrobat war zuletzt 2019 Im Wizemann zu Gast, damals vor Corona. Sein aktuelles Album „Da nich für!“ ist mittlerweile fast sechs Jahre alt. Zuvor vergingen bereits neun Jahre, bis der Nachfolger von „Vom Vintage verweht“ fertiggestellt wurde. Doch Dende hat für seine Tour eine frische Single im Gepäck: „Gedanken, gut“ – ein Titel, der auf das Eins Zwo-Kultalbum „Danke, gut“ (1999) anspielt. Der Song vereint nostalgische Vibes mit dem typischen Dendemann-Stil, für den Refrain von „Gedanken, gut“ kamen Vocal-Samples von Casper und Henning May zum Einsatz.

Der Rapper verzauberte sein Publikum mit Nostalgie und einem neuen Track. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Dende zeigt sich als präziser Beobachter und kluger Zeitgeistanalytiker, dem man die Routine nicht anmerkt. Seit 2003 ist er als Solokünstler unterwegs, mehr als zwei Jahre war er der Haus-Rapper von Jan Böhmermann. Das sieht man auch am Publikum, das an diesem Abend generationenübergreifend zu seinen Beats nickt.

Viele junggebliebene Fans haben ihre Kinder dabei, die textsicher mitrappen. Dende ist sichtlich gerührt, dass die Halle des Wizemann so abgeht und bedankt sich mit seinem Tour-DJ Cutrock aka Kung Fu Cutti bei den Ladies und Gents. „Wir sind hier zu zweit auf der Bühne, haben fünf Geräte, ich hab’ zwei Mikes und wir holen mit dem Minimalsten das Maximum für euch raus!“

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