Konzert in Stuttgart Wie viel kostet ein Liebeslied? So war’s bei Maeckes im Wizemann

Maeckes am Montagabend im Wizemann. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Maeckes vermengt beim Heimspiel in Stuttgart Rap und Songwriting und ist käuflich. Kritik und Bilder vom Auftritt am Montag im Wizemann.

Ohne Gitarre ist dieser Rapper nicht mehr zu haben, so möchte man meinen. Scheinbar gibt es ihn auch nicht mehr ohne seinen Schatten. Dass Maeckes diesmal, um kurz vor neun, selbst als eben jener im schwarzen Ganzkörperanzug auf die Bühne tanzt, dürfte Eingeweihte am Montagabend im Wizemann wohl nicht mehr überrascht haben. Sein Alter Ego, Profi-Gitarrist Bertram Burkert, der den Rapper bei seinen Gitarrenkonzerten begleitet, ist dafür konsequenterweise unverhüllt, bis der Rapper nach dem ersten Stück die Maske fallen lässt, als wäre er nun selbst aus dem Schatten getreten.

 

Burkert übernimmt vor allem die feinfingrigen Gitarrensoli, die auch mal in einem Santana-Moment enden, die der Rapper selbst so immer noch nicht hinbekommt – und als Teil seines Bühnenkonzepts pflegt Maeckes damit wohldosiert zu kokettieren, sodass man das getrost auch sagen darf. Das macht er so charmant und sympathisch, dass es schwer ist, sich der daraus entstehenden Nahbarkeit zu dem Orsons-Mann zu entziehen.

Zwei Versionen von „Bucketlist“

Auf seiner 2024-Tour spielt der gebürtige Kornwestheimer ein Best-of der letzten zehn Jahre, und einiges aus dem im April erschienenen „Gitarren Album“. Darauf ist Maeckes vor allem Liedermacher und weniger Rapper, wenngleich ihm Letzteres doch immer noch besser steht. Die rund 900 Gäste feiern verständlicherweise beides. Vielleicht verteilen sich auch deshalb die vielen Stühle auf der Bühne, als stünde Maeckes irgendwo dazwischen. Im Verlauf der 90-minütigen Show werden sie schließlich aufgeräumt, gestapelt, Platz gemacht. „Der Brand nach dem Feuerwehrfest“ wird angespielt, gefolgt von der „Bucketlist“ in zwei Versionen, und dem sogenannten kapitalistischen Liebeslied „Dein Name“, das immer zum Song der meistbietenden Person wird.

Poetisch und dabei ehrlich, das kann der 42-Jährige gut und wenn es wieder mit dem Rap beginnt, mehr Hip-Hop als Singer-Songwriting passiert, wird deutlich, dass Maeckes von der alten Schule ist, sein Handwerk grandios beherrscht, die Gitarre eher Randerscheinung wird. Inhaltlich wird es dann auch ernster. Er spielt „Kneipenschlägerei“, ein Feature mit der Antilopen Gang, und in seinen Rap-Texten finden sich Zeilen gegen Faschismus und Rechtsextremismus. Zur Konzertmitte hin begleitet ihn Jungrapper Boi Eden aus dem Vorprogramm. Ein Song der Orsons darf auch nicht fehlen. Die „Partykirche“ zählt zum Standardrepertoire, und wenn Maeckes doch einmal den Text vergisst, weiß immer noch das Publikum, wie er geht.

Glaubwürdigkeit und Energie

Die letzte Zugabe heißt „Liebesbrief von der f“, gemeint ist die Front, eine Ballade über den Krieg: „Ich hoffe, diese Briefe erreichen dich! Oder ich hoffe nicht, weil du bereits geflüchtet bist“ - nun wieder die bitterschwere Traurigkeit eines Liedermachers.

Machen, so hat es Maeckes mal gesagt, das sei die beste Medizin. Der für den Rap so wichtigen Glaubwürdigkeit erweist er damit alle Ehre und die Energie, die dabei entsteht, die darf in nächster Zeit auch gerne wieder mehr sein, vielleicht dann auch mal wieder ohne Gitarre.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Maeckes Konzert Stuttgart kritik