Konzert in Stuttgart So war’s bei Max Herre und Joy Denalane
Max Herre und Joy Denalane haben am Freitagabend vor 5500 Zuschauern in der Porsche-Arena gespielt – ein energiegeladener Abend mit Songs aus jeder Phase ihres Schaffens.
Max Herre und Joy Denalane haben am Freitagabend vor 5500 Zuschauern in der Porsche-Arena gespielt – ein energiegeladener Abend mit Songs aus jeder Phase ihres Schaffens.
Das Licht geht aus. Die ersten Beats erklingen, und eine Stimme schallt aus den Lautsprechern: „Ich liebe an dir, dass du mein Zuhause bist.“ Damit ist das Thema des Abends klar. Dann kommen Max Herre und Joy Denalane auf die Bühne und legen los: „Alles Liebe“. Der Titeltrack ihres ersten gemeinsamen Albums eröffnet das Konzert. Mit auf der Bühne steht die Band sowie eine Backgroundsängerin und ein Backgroundsänger, die im Laufe des Abends ebenfalls große Auftritte bekommen.
25 Jahre ist es her, dass sich Max Herre und Joy Denalane kennengelernt haben. Ein Jahr später ist schon ihr erster Sohn geboren, wenige Jahre später der zweite. Das ungefähr ist auch der Grund, weshalb es bisher zwar einige Alben von Max Herre und Joy Denalane gab, noch keines jedoch, das sie gemeinsam aufgenommen hatten. Die vergangenen Jahre lief es eher so: Einer widmet sich der Musik, der andere den Kindern – immer im Wechsel. Ein Leben zwischen Karriere und Care-Arbeit.
Heute sind sie 51 Jahre alt, die Kinder sind aus dem Haus. Und weil Max Herre und Joy Denalane keine gewöhnlichen Eltern sind, haben sie die Gelegenheit genutzt, um sich voll und ganz der Musik zu widmen: erst das Album, jetzt die Deutschlandtour.
Zweieinhalb Stunden lang singen und rappen sie sich an diesem Freitagabend durch ihr Album. Sie lassen in ihren Songs tief in ihr Innenleben und in das Innenleben ihrer Beziehung blicken – mal deutlicher, mal verklausuliert. In „Blau“ und „Réunion“ verarbeiten sie die Trennungsjahre und das Wiederzueinanderfinden, in„Vor unserer Tür“ führen sie an die Orte ihrer Kindheit, in „Skyline“ träumen sie von einem Jetset- und Lotterleben „in Honeymoonsuiten nach zwei Dekaden Schlafdefiziten“. Von Anfang an versprühen die beiden eine Energie auf der Bühne, die das Publikum mitreißt. Man ahnt, weshalb die beiden sich nach dem Flüggewerden ihrer Kinder fürs Musikmachen statt fürs Füße Hochlegen entschieden haben. Innig wird es auf der Bühne auch: Engtanz, tiefes in die Augen Blicken, Händchenhalten.
Selbstverständlich stehen auch Songs von ihren Solo-Platten auf der Setlist. Dann steht nur Joy Denalane auf der Bühne und singt „I Believe“ oder „Be here in the Morning“ von ihrer Motown-Platte. Dabei und auch bei den übrigen Songs lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie eine der besten Stimmen des Landes ist. Max Herre gibt „Rap ist“ oder den Freundeskreis-Klassiker „Wenn der Vorhang fällt“ zum Besten. Immer wieder wechselt sich das Paar ab. Der Abend ist eine musikalische Werkschau der vergangenen Jahre und zeigt deren Vielfalt – Reggae, Soul, R’n’B, Hip-Hop, Trap. Jede Phase ihres Schaffens hat ihren eigenen Part. Es gibt sicher keinen im Saal, der einen großen Hit vermisst.
Die letzten Lieder werden in einer Art nachgebautem Wohnzimmer gespielt, sodass das Publikum einmal mehr das Gefühl bekommt, ganz nah dran zu sein.
Dann endet das Konzert – man hatte es natürlich geahnt – mit dem großen Hit, mit dem 1999 alles begann: „Mit Dir“. Im Anschluss tanzen Joy Denalane und Max Herre gemeinsam mit den Bandmitgliedern auf der Bühne, eine große Party, bei der das Publikum gerne mit tanzt – weder auf noch vor der Bühne scheint jemand Lust zu haben, schon zu gehen. Dann ist aber doch Schluss, ohne Zugabe, was soll da auch noch kommen.
Setlist: Alles Liebe / Skyline / Esperanto / Nicht Vorbei / Day One / Erste Liebe / Im Ghetto von Soweto / Geh jetzt / Was immer / Athen / Nachts / Dunkles Kapitel / Wolke 7 / Réunion / Blau / Auf Tour / Vor unserer Tür / Mmina Tau / Das Wenigste / Rap ist / FK10 / Wenn der Vorhang fällt / Hideaway / Be here in the morning / I Beline / Anna / Zuhause / Bisschen mehr als Freundschaft / Ohr auf den Schienen der Geschichte / Alles leuchtet / Mit Dir