Konzert in Stuttgart So war’s bei Rod Stewart in der Schleyerhalle

Ken und die Barbies? Nein! Rod Stewart eröffnet das Konzert am Mittwoch in der Schleyerhalle mit Robert Palmers „Addicted To Love“ und zitiert mit den Musikerinnen in seiner Band dessen berühmten Videoclip. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die britische Rocklegende Rod Stewart ist am Mittwochabend in Stuttgart aufgetreten. Bilder, Setlist und Kritik von dem Konzert in der Schleyerhalle.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

So viele Hits, so wenig Zeit. 23 Songs packt Rod Stewart in knapp zwei Stunden, gönnt sich und dem Publikum kaum eine Atempause. Wie ein nimmermüder Fließbandarbeiter, der sich in eine Las-Vegas-Show verirrt hat, arbeitet sich Rod Stewart am Mittwochabend vergnügt an all den Klassikern ab, die ihn zu einem der erfolgreichsten Rock- und Popinterpreten Großbritanniens gemacht haben: von „The First Cut Is the Deepest“ bis „Baby Jane“, von „Tonight I’m Yours“ bis „Sailing“, das den Abend als letzte Zugabe beendet. Rod Stewart setzt sich da kurz vor 22 Uhr eine Kapitänsmütze auf und singt zusammen mit den schunkelnden Fans in der gut gefüllten Schleyerhalle diese große Ballade vom Segeln durch stürmisches Meer.

 

Folk, Rock, Disco, Soul und 80s-Pop

Dass dieser Mann schon 79 Jahre alt sein soll und tatsächlich seit den 1960ern im Geschäft ist, will man nicht wirklich glauben, wenn er in Stuttgart im Rahmen seiner „One Last Time“-Tournee über die Bühne stolziert, mit den Hüften wackelt, Luftgitarre spielt und wenn man seine immer noch grandiose Reibeisenstimme hört. Dass er aber bereits seit Ewigkeiten eine Instanz im Rock’n’Roll-Geschäft ist, erkennt man zum Beispiel an den unzähligen Musikstilen, die Stewart ganz selbstverständlich in sein Repertoire packt: Da trifft Folkrock („Maggie May“) auf Disco („Da Ya Think I’m Sexy?“), Soul („People Get Ready“) oder 80s-Pop („Young Turks“) – und natürlich gibt es auch Platz für perfekt inszenierte Schnulzen („I Don’t Wanna Talk About It“).

Ein Gentleman alter Schule

Rod Stewart umgibt sich auf der glänzend weißen Bühne mit großartigen Musikerinnen und Musikern (darunter zwei Violinistinnen und eine Harfenistin), zitiert mit den Frauen in seiner Band zu Beginn des Konzerts bei dem Song „Addicted to Love“ Robert Palmers berühmten Videoclip aus den 1980er Jahren. Bei „People Get Ready“ ehrt er den Gitarristen Jeff Beck (1944-2023), mit dem er einst den Curtis-Mayfield-Song interpretiert hat. „It Takes Two“ wird zur Hommage für Tina Turner (1939-2023), mit der er das Lied in den 1990ern aufnahm.

Und immer wieder überlässt Stewart seiner Band und den Backgroundsängerinnen freigiebig das Scheinwerferlicht und die Show, lässt sie ohne ihn furiose Versionen der Disconummern „I’m So Exited“ und „Lady Marmalade“ aufführen. Auch sonst erweist sich Stewart an diesem Abend als Gentleman der alten Schule, bedankt sich oft ausgesprochen höflich beim Publikum, aber auch bei all den Songwritern, deren Material ihm Hits beschert hat – etwa Tom Waits („Downtown Train“) oder Van Morrison („Have I Told You Lately“).

Ein Rock’n’Roll-Dienstleister

Zwar hat Rod Stewart Songs aus sechs Jahrzehnten in seinem Programm. Von seinem kürzlich erschienenen Swing-Album „Swing Fever“ spielt er jedoch keine Stücke. „Ich finde, es ist immer wichtig, den Leuten das zu geben, was sie wollen“, hatte er unserer Zeitung vor einigen Wochen im Interview gesagt: „Wenn meine Helden noch am Leben wären, Otis Redding und Sam Cooke, würde ich bei einem Konzert auch die Lieder hören wollen, die sie berühmt gemacht haben.“ Und genau das macht er selbst am Mittwochabend, ist im besten Sinne ein Dienstleister für die Fans.

Lifetime Achievement Award

Auszeichnung kurz vor Konzertbeginn: Rod Stewart mit René Otterbein (in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co.KG) und Michaela Russ (SKS Michael Russ GmbH) Foto: Steffen Schmid

Kurz vor seinem Auftritt in der Schleyerhalle war Rod Stewart mit dem „Lifetime Achievement Award“ geehrt worden, eine Auszeichnung, die erstmals vergeben wurde. Der Auftritt am Mittwoch war sein insgesamt siebtes Gastspiel in der Stuttgarter Schleyerhalle. Sein erstes hatte dort am 13. Juli 1986 stattgefunden. Insgesamt lockte Rod Stewart bei seinen Auftritten bisher mehr als 65 000 Fans in diese Halle.

Bisher? Ja, obwohl die Tournee „One Last Time“ heißt, kann man sich bei diesem Energiebündel nicht wirklich vorstellen, dass Stewart, der 2016 von Prinz William zum Ritter geschlagen wurde und sich nun Sir Roderick nennen darf, nach dem Ende seiner Europatour, seinen Gastspielen im Caesars Palace in Las Vegas und seiner anschließenden Nordamerika-Tour einfach die Füße hochlegt.

Rod Stewart: Setlist vom Auftritt in Stuttgart

Addicted to Love ● You Wear It Well ● Infatuation ● Have You Ever Seen the Rain? ● Tonight I’m Yours ● It’s A Heartache ● Forever Young ● The First Cut Is the Deepest ● I Don’t Want to Talk About It ● Maggie May ● I’d Rather Go Blind ● Young Turks ● Baby Jane ● Downtown Train ● I’m So Exited (ohne Rod Stewart) ● Tonight’s the Night ● People Get Ready ● Have I Told You Lately ● Lady Marmalade (ohne Rod Stewart) ● It Takes Two ● Some Guys Have All the Luck ● Zugaben Da Ya Think I’m Sexy? ● Sailing

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