Konzert in Stuttgart So war’s bei Xatar in der Staatsoper Stuttgart
Funk, Soul und Jazz treffen auf Straßenrap: Am Samstag haben Xatar und die Heavytones in der Staatsoper Stuttgart gespielt.
Funk, Soul und Jazz treffen auf Straßenrap: Am Samstag haben Xatar und die Heavytones in der Staatsoper Stuttgart gespielt.
Die Bühne ist unbeleuchtet, als sich Xatar an den Flügel setzt. Er trägt einen langen braunen Ledermantel mit Fellkragen. Während er spielt, füllt sich die Bühne mit den übrigen Musikern, mit denen er derzeit auf Tour ist: den Heavytones, der einstigen Studioband der Late-Night-Show „TV total“, die schon mit Kylie Minogue, Adele und anderen Weltstars auf der Bühne stand. Gangsterrap trifft auf Jazz, Funk und Soul – und das alles in der Staatsoper Stuttgart. Eine wilde Mischung, oder wie Xatar am Samstag sagt: „Ihr müsst schon Eier haben, diese Nummer hier zu bringen.“ Doch bald wird klar, dass das gut zusammenpasst. Zuvor war die Kombi schon in der Elbphilharmonie in Hamburg und in der Kölner Philharmonie zu hören.
Xatar (42), der mit bürgerlichem Namen Giwar Hajabi heißt, ist als Kind mit seiner Familie aus dem Iran nach Deutschland geflohen und in Bonn aufgewachsen. Seine Mutter ist klassisch ausgebildete Musikerin, sein Vater Komponist und Musikprofessor. Dass Xatar auf den großen Opernbühnen landen würde, war dennoch nicht abzusehen. Was zum einen an seinem Genre liegt, zum anderen an einem filmreifen Goldraub, für den er viele Jahre im Gefängnis saß.
Der Überfall ist es auch, der ihm eine ganz besondere Beziehung zu Stuttgart beschert hat. Xatar spielt an diesem Abend immer wieder darauf an. „Wie weit ist es von hier bis zum Landgericht?“, fragt er. Gelächter im Publikum. Mit seinen Komplizen hatte er 2009 auf der A 81 bei Ludwigsburg einen Goldtransporter überfallen. Er floh über Moskau in den Irak, wurde dort verhaftet, nach Stuttgart überführt und vor Gericht gestellt. Damals habe er gemerkt, dass Schwaben sehr genau seien: „Wirklich sehr genau“, sagt er. „Ihr lasst euch nicht verarschen.“
Xatar kam ins Gefängnis und wurde 2014 vorzeitig aus der Haft entlassen. Das Gold im Wert von rund 1,7 Millionen Euro ist hingegen bis heute nicht aufgetaucht.
Einige der Lieder, die er am Abend rappt, sind im Gefängnis entstanden. Seine Texte handeln von Drogen, dem Leben im Brennpunkt von Bonn und dem Knast, aber auch von seinem neuen Leben und seiner Familie. „Es wird emotional“, sagt er am Anfang des Konzerts – und das wird es vor allem, als er „Schwesterherz“ anstimmt. Darin entschuldigt er sich bei seiner Schwester für die schwere Zeit, die sie durch seine Taten hatte.
Wie die Kombination auf der Bühne, ist auch das Publikum eine bunte Mischung: Kids, die mit ihren Eltern gekommen sind, Rapfans und Abokunden der Staatsoper. „Ich sehe sehr viele Gesellschaftsschichten“, sagt Xatar. Im Publikum wird zum Beat mit dem Kopf genickt, gejubelt und applaudiert, das Konzert kommt gut an.
Xatar wird immer wieder von Sänger und Goldraubkomplize Samy unterstützt. Nach und nach werden außerdem die Mitglieder der Heavytones vorgestellt sowie die Background-Sängerinnen. Xatar zeigt sich immer wieder beeindruckt, steht mit dem Rücken zum Publikum und schaut zur Band. „Ihr habt meine Musik auf ein neues Level gebracht“, sagt er. Für die Setlist war Wolfgang Dalheimer, der Keyboarder und Arrangeur der Heavytones verantwortlich. Er hat sich für eine Mischung aus ruhigen Nummern wie „Mama war der Mann im Haus“ und härteren Songs wie „Interpol.com“ entschieden und so einen runden Abend kreiert.