Konzert in Stuttgart „Wir sind aus Feiergründen hier“ – so war’s bei Jan Delay

Jan Delay steht seit 25 Jahren auf der Bühne. Foto: Ferdinando Iannone

Jan Delay bringt sein Publikum in Stuttgart zum Tanzen und blickt zurück auf 25 Jahre Rap, Funk und Soul: Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert.

Um kurz vor 23 Uhr ist Schluss. Jan Delay stimmt das nun wirklich letzte Lied des Abends an: „Auf St. Pauli brennt noch Licht / da ist noch lange noch nicht Schicht“, singt er, während auf der Bühne Flaggen mit dem Wappen der Stadt Hamburg geschwenkt werden, die Band noch einmal alles gibt und die gut 5.000 Menschen im Publikum tun, was sie die vergangenen zwei Stunden schon getan haben: tanzen. Dazu hat Jan Delay immer wieder animiert, auch mal streng, sonst „zack, zack, sind wir weg.“ Man sei schließlich aus Feiergründen hier. Und so wurden Choreografien nachgetanzt, auf Kommando geklatscht und gekreischt. Die meisten im Publikum dürften in Jan Delays Alter sein. Einige haben ihre Kinder mitgebracht, die sie jetzt auf den Schultern tragen.

 

Seit 25 Jahren steht der 48-Jährige nun schon auf der Bühne. Aufgewachsen in einem alternativen Wohnprojekt im Hamburger Stadtteil Eppendorf kam er früh mit Musik und Politik in Berührung. Die Mutter ist Künstlerin, der Vater Filmemacher und Musiker, beide aktivistisch. Und dann wird er berühmt. Zunächst als Teil der Hamburger Rap-Combo Absolute Beginner und später als Solokünstler mit einem tollkühnen Mix aus sämtlichen Genres wie Funk, Reggae, Rock und Soul. Von da an immer mit dabei: Die Band Disko No. 1.

Remmidemmi auf und vor der Bühne

Was für eine große Rolle die Band bei seinen Solo-Projekten spielt, zeigt sich auch am Samstagabend in der Schleyer-Halle. Die Musiker und Background-Sängerinnen manövrieren sich souverän durch alle Musikstile. Jan Delay bezeichnet seine Band als „den besten DJ der Welt“. Alles wird gespielt, auf Knopfdruck. Bei den Medleys treffen Dr. Dre und Eminem auf Missy Elliot und Deichkind. Remmidemmi auf und vor der Bühne.

Regisseur Fatih Akin bezeichnet ihn in der ARD-Dokumentation „Forever Jan: 25 Jahre Jan Delay“ als eine Mischung aus Dean Martin, Prince, Justin Timberlake und alle Beastie Boys. Wen auch immer das Publikum an diesem Abend zu sehen bekommt – keiner der großen Hits fehlt. Bei einer Best-of-Tour, so Jan Delay könne man aus dem Vollen schöpfen und das Beste aus fünf Studioalben in den Abend packen.

Wichtiger Part seiner Solokarriere: die Band Disko No. 1 Foto: Ferdinando Iannone

Außerdem sind auch die großen Nummern aus der Beginner-Ära dabei, für die Bandkollege Denyo als Special Guest auf die Bühne kommt. Auch immer wieder mit dabei ist Das Bo, der unter anderem dank seines 2000er-Klassikers „Türlich, Türlich“ ähnlichen Legendenstatus wie Jan Delay belegt und den Abend in der Schleyer-Halle für ihn eröffnet hat.

Jan Delay liefert während seines Konzerts auch eine Erklärung, weshalb er sich – zumindest vorübergehend – aus dem Rap-Genre verabschiedet hat. Schnell würdigt er noch die Stuttgarter Kollegen wie Max Herre, Afrob und die Massiven Töne. Doch abgesehen davon „kam danach viel schrecklicher Scheiß auf den Markt.“ Hip-Hop sei zum Mainstream geworden und jeder von den Plattenfirmen unter Vertrag genommen, „der eine Cap trug“.

Seine Transformation begann schließlich im Jahr 2000 mit dem Nena-Cover „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ im Reggae-Stil mit einem Rap-Part von Denyo. Daraufhin folgte sein erstes Solo-Album. Welches Lied es aus dieser Ära hören möchte, darf das Publikum in der Schleyer-Halle selbst entscheiden. Beim Song „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“ ist der Jubel am größten. Danach geht’s funkig weiter mit „Disko“ und „Saxophon“, einer Liebeserklärung an seine unkonventionellen Eltern, die trotz fehlender Einbauküche am Ende alles richtig gemacht hätten.

Das sieht sicher auch das Publikum so, das in den zwei Stunden einen umfassenden und energiegeladenen Rückblick in 25 Jahre Jan Delay erleben durfte.

Setlist:

Hallo

Klar

Türlich Türlich

Showgeschäft

Spaß

Hammerhart

Irgendwie, irgendwo, irgendwann

Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt

Disko

Saxophon

Zurück

Für dich

Abschlussball

Sie kann nicht tanzen

Oh Jonny

Ahnma

Eule

St. Pauli

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