Konzert in Stuttgart Zwei Stunden Stillstandverbot – So war’s bei Kraftklub in der Schleyerhalle

Dienstagabend in der ausverkauften Schleyerhalle und alle singen mit. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Moshpit, Konfetti, klare Haltung: Kraftklub aus Chemnitz treten in Stuttgart auf und erinnern an die Röhre: Bilder und Kritik vom Konzert in der ausverkauften Schleyerhalle.

Digital Desk: Katrin Maier-Sohn (kms)

Kraftklub sind eine Liveband, gemacht für große Festivalbühnen und verschwitzte Clubs – oder die Stuttgarter Schleyerhalle. Mit weißen Hosen und Shirts sowie ihrem Markenzeichen, roten Hosenträgern, betreten die fünf Chemnitzer am Dienstagabend die Bühne in Bad Cannstatt.

 

Bereits beim ersten Song „Marlboro Man“, einem zentralen Stück des neuen Albums, ist das Publikum voll da. XL-Ventilatoren blasen Konfetti in die Menge, die ersten Fans schubsen sich im Moshpit. Sänger Felix Kummer zeigt sich überwältigt: Zum ersten Mal sei die Schleyerhalle bei einem ihrer Konzerte ausverkauft. Er erinnert sich noch gut an die Anfänge in Stuttgart, als sie in der Röhre spielten, einem Club, den es schon lange nicht mehr gibt.

Musikalisch bewegen sich die Mittdreißiger zwischen Indie-Rock, Rap und Stadionpop – vorgetragen mit der Energie einer Punkband, aber der selbstreflektierten Haltung einer Generation, die mit Internet-Memes, Deutschrap und Pegida-Demos sozialisiert wurde. Die Riffs sind groß, eingängig, oft fast schon hymnisch, während das Schlagzeug geradlinig marschiert.

Thematisch widmet sich die Band häufig der Topografie ostdeutscher Jugend: Plattenbau, Kleinstadt, Aufbruch, Frust und Eskapismus. Im neuen Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ steht vor allem die eigene Vergänglichkeit im Mittelpunkt. Düster wird es dabei jedoch nicht, sondern gewohnt laut, politisch und eingängig. Ob auf der Bühne oder auf ihrem neuen Album – die Band erfindet sich nicht neu. Doch das ist auch nicht nötig: Ihr Konzept funktioniert noch immer.

Felix Kummer, der Sänger der Band Kraftklub, am Dienstag in der Schleyerhalle Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Viel Energie und eine klare Haltung

Natürlich weiß jeder Kraftklub-Fan, dass es politisch nur eine Richtung gibt – nach links. Für eine Tanzeinlage soll das Publikum dann aber erst nach rechts und anschließend nach links hüpfen, begleitet vom Song „So rechts“. Alle machen mit. Stillstand ist an diesem Abend keine Option, gute zwei Stunden lang.

Mal spielt die Band auf einer kleinen Insel mitten in der Menge, mal läuft Felix Kummer durch die Ränge und verteilt T-Shirts, dann darf ein Fan an einem Miniatur-Glücksrad den nächsten Song bestimmen. Besonders stark sind die Momente, in denen das Publikum gemeinsam mit der Band singt, etwa bei „Schief in jedem Chor“.

Am Ende bleibt ein Konzert, das genau das liefert, was man von Kraftklub erwartet: viel Energie, klare Haltung und ein Publikum, das vom ersten bis zum letzten Song mitgeht.

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