Konzert in Weissach Große Gefühle in Dur und Moll

Von Doris Alice Caumanns 

Weissach
„SingArt Concordia“ aus Flacht und „Freeline“ Hamburg bringen die Strudelbachhalle zum Swingen.

Performance und Singen – das gehört für die Chöre zusammen. Foto: factum/Granville
Performance und Singen – das gehört für die Chöre zusammen. Foto: factum/Granville

Weissach - Wenn ein Chor trotz Orkan ­„Xavier“ aus Hamburg anreist und sämtliche Widrigkeiten schmäht, um in Weissach mit einem befreundeten Chor aufzutreten, darf das Publikum gespannt sein. Und die hohen Erwartungen sind am Samstag in der Strudelbachhalle übertroffen worden: Der Chor „Freeline“ aus Hamburg unter Leitung von Silke Willmann und „SingArt Concordia“ aus Flacht unter Leitung von Wiebke Huhs haben ein imponierendes Konzert mit ­peppiger Choreografie abgeliefert.

Unter dem Titel „Klangfarben des Lebens“ haben die Sängerinnen und Sänger mit Strahlkraft die Farbpalette der Gefühle nicht nur musikalisch interpretiert, sondern auch fantasievoll szenisch umgesetzt. Sie bewegen sich locker über die Bühne, ballen die Fäuste („Power“) oder stampfen mächtig auf die Bretter der Halle („Sing!“). Dabei folgt der Abend einer feinen Dramaturgie: Vom Dunkel ins Licht.

Die beiden Chorleiterinnen kennen sich aus Studienzeiten, und es sind die großen Gefühle, denen sie nachspüren: Melan­cholie, Trauer, Verzweiflung – aber auch ­Lebensfreude, Zuversicht und Glück.

Es gibt ABBA und Herbert Grönemeyer auf die Ohren

Dass es eine bunte Farbpalette der Gefühle gibt, beweisen die beiden Chöre nicht nur musikalisch: Sie sind ständig in Bewegung. Bei „Sometimes I feel like a motherless child“ läuft eine junge Chorsängerin über die Bühne: „Keiner ist hier, nie ist jemand da – ich bin so allein!“ Dann erklingt das Lied erst im Solo, der Chor fällt ein – und schließlich wird die Einsame in den Kreis der anderen aufgenommen. Im Gospel „He knows my name“ erklingt kraftvoll ein männlicher Solopart, der sich zu einem eindrucksvollen Crescendo steigert.

Die Chöre treten auch mal als zwei Formationen gegenüber stehend auf, gehen aufeinander zu, fassen sich an den Händen und wenden sich schließlich zum Publikum: „Nearer my god to thee“. „Mamma mia“ von ABBA zeigt berührend die Verzweiflung und Wut eines jungen Mädchens, das dann auch türenschlagend aus dem Saal rauscht.

In „Luxus“ von Herbert Grönemeyer ist die Bühne bevölkert mit blasiertem Party-Volk samt Dragqueen in Rosa mit schwarzen Netzstrümpfen und glitzernden Highheels. Aber einer ist ausgeschlossen: „Wir feiern hier ‚ne Party - und du bist nicht ­dabei!“

„Die Zeit, in der die Chöre wie festgenagelt auf der Bühne standen und gesungen haben, ist vorbei“, erläutert eine Sängerin des Weissacher Chors in der Pause. Sie erzählt, die Chorleiterin Wiebke Huhs entwerfe die groben Linien der Choreografie, und das Ensemble gestalte mit und feile, bis die Endfassung steht.

Das Publikum singt sogar im Stehen mit

Die Chöre singen mit Pep und Elan, präsentieren Gefühle in Dur und Moll. In „Adiemus“ halten die Sänger Kerzen in der Hand, eine Blockflöte intoniert eine ­melancholische Melodie.

Die Band mit Klavier (Benjamin Spanic), Cajon (Thomas Doll), Kontrabass (Ralf Zeranski) und Saxophon (Johannes Schöpfer) begleitet mit viel Leidenschaft, wobei das Saxofon-Solo in „Killing me softly“ spritziges Bar-Flair verbreitet, während eine junge Dame aus dem Chor den Musiker umgarnt -- aber unerbittlich von den anderen wieder zurückgeholt wird. Die Chorleiterin Silke Willmann aus Hamburg freut sich über die freundliche Aufnahme im Schwabenland: „Ein fröhliches Völkchen“.

Zum Schluss hält es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen: Stehend singen sie den Michael-Jackson-Ohrwurm „We are the world, we are the children“. Das Publikum ist sich auf jeden Fall einig: Eine stimmungsvolle swingende singende Performance mit Tiefgang!




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