Konzert Liederhalle Stuttgart Geigerin Isabelle Faust im Interview: Ein Gastspiel „Zuhause“

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Isabelle Faust stammt gebürtig aus Esslingen. Am 13. November tritt die Geigerin als Solistin mit dem Orchestre des Champs-Élysées in der Stuttgarter Liederhalle auf. Mit ihr steht auch Christian Poltéra als Solist auf der Bühne. Im Interview erzählt sie, wie es sich anfühlt, nach Hause zu kommen.

Isabelle Faust liebt es, auch bekannte Werke immer neu anzugehen und weitere Facetten zu entdecken. Auf das Konzert am 13. November in der Liederhalle mit dem Orchestre des Champs-Élysées und Christian Poltéra in ihrer Heimatregion Stuttgart freut sie sich besonders. Foto: Felix Broede
Isabelle Faust liebt es, auch bekannte Werke immer neu anzugehen und weitere Facetten zu entdecken. Auf das Konzert am 13. November in der Liederhalle mit dem Orchestre des Champs-Élysées und Christian Poltéra in ihrer Heimatregion Stuttgart freut sie sich besonders. Foto: Felix Broede

Frau Faust, wie gehen Sie an ein bekanntes klassisches Werk heran, um es so frisch und neu klingen zu lassen, als wäre es eben erst geschrieben worden?

In diesem Falle wird es nicht schwer, einen frischen Blick auf das Doppelkonzert von Brahms zu gewinnen, denn ich habe ganz außergewöhnliche Partner an meiner Seite. Und mit Philippe Herreweghe zu musizieren, bedeutet auf jeden Fall immer ein Stück neu anzugehen, aus traditionell ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten. Ich habe im Laufe der Jahre sehr viel mit ihm gearbeitet und bin immer wieder erstaunt, welch immer wieder ungeahnte Facetten er aus den bekanntesten Stücken herausarbeitet. Hierbei hilft natürlich das historisch spielende Orchester enorm, viele Dinge ergeben mit diesen Instrumenten einen anderen Sinn und sofort bekommt so ein Stück eine andere Richtung, das ist äußerst spannend!

Was macht die Werke aus, die Sie mit besonders viel Lust und Freude erarbeiten?

Ich liebe es, Werke zu durchforsten, die sehr vielschichtig und immer wieder neu zu entdecken sind. Bei den solistischen Werken sind es oft diejenigen, die sehr mit dem Orchesterpart verschränkt sind.

Isabelle Faust: Viele zu Unrecht selten gespielte Meisterwerke

Was zieht Sie an klassischer Musik an? Was fasziniert Sie an zeitgenössischer?

Mir gefällt jegliche Art von Musik, die meinen Geist und meine Seele gleichermaßen anspricht, das kann Musik aus jeder Epoche sein. Als Geigerin bin ich natürlich sehr verwöhnt, was außergewöhnliches Repertoire angeht. Es gibt fantastisches bekanntes Repertoire und dann auch tatsächlich immer noch zu Unrecht selten gespielte Meisterwerke. Bei der zeitgenössischen Musik kommt dann oft noch der Extra-Bonus dazu, mit dem Komponisten direkt arbeiten zu können.

Was lieben Sie am Spiel von Solopartien in großen Konzerten? Was schätzen Sie an Kammermusik?

Ich mache da eigentlich nicht so sehr viel Unterschied. Sowohl mit großem Orchester als auch in kleiner Kammermusikformation versuche ich stets, einen Dialog aufzubauen und ein Werk gemeinsam entstehen zu lassen. In der kleinen Gruppe ist dieser Kontakt natürlich schneller und teilweise detaillierter hergestellt. Aber auch mit dem richtigen Orchester und Dirigenten kann ein sehr intensives Miteinander auf der Bühne entstehen.

Tief vergrabene Erinnerungen

Was macht für Sie das Doppelkonzert von Johannes Brahms aus?

Meiner Ansicht nach ist dies eines der Stücke von Johannes Brahms, die eine sehr besondere Herangehensweise bei der Interpretation brauchen. Mit meinen Partnern erhoffe ich mir in diesem Falle eine besonders differenzierte und sensible Ausführung, da dieses Werk leicht verzerrt werden kann und es in seiner Schreibweise teilweise in etwas Unübersichtliches und Undurchsichtiges abrutschen könnte. Ich habe es immer als ein sehr intimes, gebrechliches Stück empfunden, bei dem die Gewichtung wohlüberlegt sein will.

Sie sind in Esslingen geboren worden. Wie ist es für Sie, wenn Sie für Konzerte in die Region zurückkehren?

Ich freue mich immer sehr, „nach Hause“ zu kommen, es sind immer viele alte Freunde anwesend, die ich sonst selten zu Gesicht bekomme. Da kommen immer schöne Erinnerungen hoch, die vielleicht auch tief vergraben waren. Es gleicht immer ein bisschen einer Zeitreise! Und in der Liederhalle habe ich als junges Mädchen alle großen Geiger erlebt: Also das ist für mich gewissermaßen heiliges Territorium.

Info: Orchestre des Champs-Élysées mit Philippe Herreweghe, Isabelle Faust und Christian Poltéra; 13. November, 20 Uhr, Liederhalle, 07 11 / 550 660 77 sowie online