Max Brauns erstes Album als Solokünstler Mit einem Stuttgarter Künstler auf musikalischen Traumreisen

Der Stuttgarter Musiker Max Braun Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seine Songs entführen in das Reich zwischen Wachen und Schlafen: Der Stuttgarter Musiker Max Braun hat im Theater Rampe sein erstes Album als Solokünstler vorgestellt.

Es beginnt mit leise schwebenden Klängen. Wie die Erinnerung an einen Traum hängt eine bruchstückhafte, noch formlose Musik für Minuten im Raum. Dann setzt das Schlagzeug ein, und Max Braun beginnt, zu singen: „Early morning bird tell me what you sing“ – der Tag beginnt. Im Theater Rampe in Stuttgart freilich ist nicht früher Morgen, es ist später Abend, als Max Braun dort am Freitag sein erstes Solo-Album vorstellt. Der Clubraum der Theaterbar Rakete ist abgehängt, in rotes Licht getaucht; Max Braun und seine Band spielen, auf Augenhöhe mit ihrem Publikum, „Till Morning Comes“.

 

Nur sein Gesang trägt die Musik

Begleitet wird Max Braun von den Musikern, die auch auf seinem neuen Album zu hören sind – von Jo Ambros an der Gitarre, Fabian Wendt am E-Bass, Matteo Scrimali an Schlagzeug und Percussion. Hinzu kommen an diesem Abend auch Carsten Netz an Saxofon, Flöte, Klarinette, und Magnus Sauer am Synthesizer.

Max Braun wurde 1979 in Stuttgart geboren, schrieb Musik für Inszenierungen des Stuttgarter Staatstheaters, veröffentlichte gemeinsam mit seiner Schwester Laura Braun drei Alben mit überaus schönen, sorgfältig und zurückhaltend arrangierten Songs. „Till Morning Comes“ ist sein erstes Album als Solokünstler, das erste auch, bei dem die Musik nur von seinem Gesang getragen wird.

Hypnotische Exkursionen

Das Album umkreist ein Thema: Es geht um den Bereich zwischen Wachen und Schlafen, in dem die Gedanken kreisen, fliehen, Hoffnungen, Ahnungen, Ängste auftreten. Ein Zwischenreich, in dem das Denken sich weitet, ehe es sich im Schlaf verliert. Dorthin führt das einzige Stück des Albums, dessen Text nicht von Max Braun, Laura Braun oder der Musikerin Nadja Höhfeld stammt: „My River“ ist die Vertonung eines Gedichtes von Emily Dickinson; das träumende Ich, ein kleiner Fluss, geht auf im Meer. Melodien, die leise in den Schlaf wiegen, verwandeln sich in hypnotische Exkursionen, werden von motorischen Rhythmen davon getragen. Dann wieder folgt ein Stück, dass die Zuhörer aus ihrer Trance löst, zurückholt in die Gegenwart. Zum klassischen, melodiebetonten Songwriting kommt ein Flirt mit dem Krautrock der 70er Jahre hinzu, ein minimalistischer Ansatz, der mit dem schlichten, eindringlichen Charakter der Musik hervorragend harmoniert. Braun hat sein Album selbst produziert – wie seine Musik im Konzert noch wächst, an Ausdruck gewinnt, wie er mit seinen vorzüglichen Begleitern das Gewebe aus Wachen und Träumen zu einem ganz organischen, pulsierenden Leben erweckt – das ist erstaunlich.

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