Konzert SWR Symphonieorchester Martin Grubingers himmlisch gutes Inferno
Der grandiose Perkussionist Martin Grubinger zeigt gemeinsam mit dem SWR Symphonieorchester in Stuttgart, wo der Schlägel hängt.
Der grandiose Perkussionist Martin Grubinger zeigt gemeinsam mit dem SWR Symphonieorchester in Stuttgart, wo der Schlägel hängt.
Unglaublich! Das Wort wird am Donnerstagabend im Stuttgarter Beethovensaal vermutlich vielen im Publikum immer wieder durch den Kopf geschossen sein: Den Perkussionisten Martin Grubinger auf der Bühne zu erleben, wie er an und mit seinem breit gefächerten Instrumentarium agiert, wie er immer neue Schlägel herbeizaubert, um Trommeln, Marimbas oder Pauken die unglaublichsten Klänge zu entlocken, wie er mehrfach das Tempo so steigert, dass er zwischendurch mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn wischen muss – das ist schon ein Konzerterlebnis der besonderen Art.
Wer nun aber vermutet, das jüngste Abokonzert des SWR Symphonieorchesters sei durch den Solisten Grubinger zur artistischen Performance missraten, der irrt: Das Konzert für Schlagzeug und Orchester, das der isländische Komponist Daniel Bjarnason erst vor wenigen Monaten für den Weltklasse-Perkussionisten komponiert hat, fesselt den Zuhörer von der ersten bis zur letzten Minute. „Inferno“ heißt das halbstündige Stück; Grubinger selbst hat es so getauft. Zwei hoch expressive Teile am Anfang und am Ende rahmen eine fast rituell zelebrierte Mitte, in der Grubinger gemeinsam mit zwei Orchestermusikern an den Pauken musikalisch kommuniziert; Minuten tiefster Meditation und Selbstreflexion mit Klängen, die exakt den schmalen Grat zwischen Autonomie und Einsamkeit markieren – phänomenal. Nein, Martin Grubinger geht es nicht um Show; er strebt mit dem Orchester unter Leitung von Dima Slobodeniouk nach dem musikalisch-ästhetischen Gesamterlebnis. Und das Publikum dankt danach mit Ovationen.
Nicht ganz sorglos erwartet man da den zweiten Teil des Abends – kann ein Konzert so viel Spannung noch halten? Tatsächlich dauert es ein wenig, bis das Orchester bei Igor Strawinskys „Feuervogel“-Suite die impressionistisch gereihten Motive den Zuhörern nicht nur vorführt, sondern auch mit einer inneren Dynamik versieht. Aber der russisch-finnische Dirigent Slobodeniouk bringt im Verlauf deutlich mehr Zug ins Spiel – und spätestens in der „Allgemeinen Freude“ zum Finale zeigt das Orchester wieder seine ganze Kraft, seine ganze Präzision. Lang anhaltender Jubel.
SWR Symphonieorchester: Das nächste Konzert mit dem Artist in Residence Martin Grubinger findet am Freitag, 17. Februar, 20 Uhr in der Stuttgarter Liederhalle statt.