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InterviewKonzerte im Jugendhaus West "Wir haben halt auch Lust auf diese Szene"

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Im Juha West kriegt man Punk-, Hardcore- und Metalkonzerte - normalerweise. Derzeit wird dort umgebaut. Wie es kommendes Jahr weitergehen soll, verrät der Booker Florian Eymer im Interview.

Florian Eymer kümmert sich um die Konzerte im Stuttgarter Juha West - wenn dort nicht, wie derzeit, umgebaut wird. Foto: privat
Florian Eymer kümmert sich um die Konzerte im Stuttgarter Juha West - wenn dort nicht, wie derzeit, umgebaut wird. Foto: privat

Stuttgart - Regelmäßige Leser unserer wöchentlichen Konzerttipps werden sich womöglich gewundert haben, warum das Juha West dort gar nicht mehr auftaucht. Einfache Antwort: das Jugendhaus wird umgebaut, vor allem geht es um Brandschutz. Derzeit ist das Gebäude innen im Rohbau-Zustand, an Konzerte ist also nicht zu denken.

Das ist besonders für die Anhänger von Gitarrenkonzerten ein Problem. Mit denen hat sich das Juha West nämlich einen Namen gemacht. Verantwortlich dafür ist Florian Eymer. Der berichtet uns, dass er im Januar ersatzweise mit einer kleinen Konzertreihe im Goldmark's Unterschlupf findet - und warum er sich mit Konzerten vielleicht etwas leichter tut als andere Veranstalter.

 

Florian, wo gehen die Leute hin, wenn im Juha West keine Punk-, Hardcore- und Metalshows stattfinden? 

"Im Komma in Esslingen ist jetzt ein bisschen mehr. An die Villa Barrock in Ludwigsburg leite ich manchmal Anfragen weiter, im Keller Klub geht auch etwas. Am 10. Januar findet außerdem die erste von mir gebuchte Show im Goldmarks statt. Selbst aus Karlsruhe habe ich Rückmeldungen bekommen, dass da was fehlt in Stuttgart."

Das Musikprogramm im Juha West hast im Wesentlichen du aufgebaut. Erzähl mal.

"2005 habe ich dort als Praktikant angefangen und erst einmal die Arbeit meines Vorgängers fortgeführt. Als ich dann 2006 fest angestellt wurde, habe ich eigene Bookings gemacht. Ich finde, dass gerade die Hardcore und Punkrock-Szene gut in den jugendkulturellen Rahmen passen. Mit der Zeit hatte ich mehr und mehr Kontakte zu Agenturen und Bands, ab und zu kam mal ein größerer Veranstalter dazu. Die meisten Bands fühlen sich eben sehr wohl im Jugendhaus. Es arbeiten auch Jugendliche mit, ehrenamtlich, alle hoch motiviert. Es soll familiär zugehen. Dann spüren die Gäste und die Bands - und kommen gerne wieder."

Füllt das Juha West in Stuttgart damit auch eine Lücke, die andere Veranstalter hinterlassen?

"Die Szene gab es schon länger. Aber es gab weniger Konzerte, das ist mir vor zehn Jahren schon aufgefallen. Solche Konzerte haben mir schlicht auch selber gefehlt. Aber es war auch wichtig, dafür was zu tun, als die Röhre, der Landespavillon und andere Location geschlossen haben."

Dein Programm im Juha West ist sehr fokussiert ...

"Es ist wichtig, dass man weiß: im Juha West bekomme ich Hardcore, Punkrock, Metal. Das war schon immer ein zentraler Fokus. Andere Stuttgarter Jugendhäuser fokussieren unterschiedliche Genres. Im ehemaligen Jugendhaus Anna, jetzt Club Cann, gab es früher viele Metalkonzerte."

Betonung auf "gab". So wie ich es wahrnehme, ist das Juha West das einzige Jugendhaus mit erkennbar definiertem Konzertprogramm.

"Es ist bei uns schon ein wenig anders, weil alles über mich als zentralen Booker läuft. Mir ist eben wichtig, dass das Juha ein Gesicht hat. Wir haben halt auch Lust auf diese Szene und bieten in den Genres ein breit gefächtertes Angebot an."

Lust hätten andere Veranstalter vielleicht auch. Du hast den Vorteil, dass du subventioniert bist, Anlage und Bühne schon vorhanden sind ...

"Ich bin im Jugendhaus angestellt, das ist ein Vorteil. Mein Ansatz ist aber, dass der Konzertbereich sich selbst finanziert. Am Ende des Jahres soll kein Minus rauskommen. Falls wir ein Plus erwirtschaften, fließt das in die Jugendarbeit zurück. Außerdem haben wir die verbesserte Anlage mit Einnahmen aus den Konzerten finanziert. Aber klar, wenn ein Konzert Verlust einspielt, stehen Mittel aus dem Juha-Budget dafür zur Verfügung."

Wenn im Frühjahr 2017 wieder Konzerte im Jugendhaus stattfinden, ...

"... will ich die Konzerte so weiterführen wie bisher. Bis dahin kann man zum Beispiel ins Goldmark's gehen. Das ist auch jetzt meine Anlaufstelle Nummer eins insbesondere für Punkrock und im Januar gibt's dort den ersten Gig unter dem Motto 'Juha West meets Goldmark's'. Das ist aber eines von wenigen Konzerten dort. Ich tue alles dafür, dass die Bands auch nach dem Umbau wieder ins Juha kommen. Das erste Konzert nach dem Umbau soll ein Knaller werden."

Werden sich Konzerte im Juha West dann anders anfühlen?

"Es werden ja vor allem der Brandschutz und Sanitäranlagen verbessert. Der Konzertraum kriegt eine verbesserte Lüftung, aber er wird nicht anders aussehen." 


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