Konzert Il Gusto Barocco Bach mit spielerischer Eleganz

  Foto: Marco Borggreve
  Foto: Marco Borggreve

Zum Auftakt der Stuttgarter Festwoche Barock begeistern Jörg Halubek und Ensemble Il Gusto Barocco mit ihrer Sicht auf die Musik von Johann Sebastian Bach.

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Stuttgart - Das Bild vom Thomaskantor, stets über liturgisch-musikalische Aspekte brütend, prägt unsere Wahrnehmung. Dabei vergisst man, dass Johann Sebastian Bach auch auf anderen musikalischen Gleisen unterwegs war, insbesondere wenn er an den Freitagabenden das Zimmermann’sche Caffe-Hauß in Leipzig aufsuchte, wo er die Tradition seines Amtsvorgängers Telemann fortsetzte und mit dem Collegium Musicum Kammermusik und Orchesterwerke aufführte. Zum Auftakt der Festwoche Barock rückte nun Jörg Halubek mit seinem Ensemble Il Gusto Barocco dieses Bild zurecht.

Halubek hat sich mit seinem handverlesenen Spezialisten-Ensemble in den letzten Jahren einen herausragenden Ruf als Interpret Alter Musik erarbeitet. Das Konzert im locker besetzten Mozartsaal unterstrich das auf eindrucksvolle Weise. Vom Cembalo aus steuert Jörg Halubek dezent das Geschehen, wobei man jederzeit spürt, dass ein sehr kommunikativer Musizierstil von gleichberechtigten Virtuosen gepflegt wird. Selbst wenn eines der Instrumente in der Komposition so markant in den Vordergrund gerückt wird wie im technisch äußerst anspruchsvollen Cembalokonzert A-Dur BWV 1055 ist diese Stimme immer nur eine unter mehreren. Im solistisch besetzten Ensemble wird auf Augenhöhe dialogisiert, womit ein großes Ganzes entsteht, das den Zuhörer von den ersten Tönen an fesselt und begeistert.

Drei Soloinstrumente im Wettstreit

Wie perfekt alle Mitwirkenden aufeinander eingestellt sind, zeigt sich im anschließenden Concerto a-Moll BWV 1044, in dem drei Soloinstrumente miteinander wetteifern und in immer neuen Konstellationen dem Tutti gegenübergestellt werden. Bach setzte sich hier mit der aus Italien übernommenen Konzert-Form mit ihrer kleinteiligen Gestaltung auseinander. Il Gusto Barocco legt mit seiner transparenten Spielweise diese Struktur offen, ohne den musikantischen Gestus aufzugeben. Dem Ganzen haftet Leichtigkeit und spielerische Eleganz an.

Diese Haltung führt dazu, dass auch ein Stück wie die Ouvertüre h-Moll BWV 1067 mit der Badinerie erfrischend wirkt. Die grandiose Flötistin Claire Genewein ist prima inter pares fügt sich als virtuose Führungsstimme in eine homogenes Ganzes ein. Das passt perfekt zur Anlage dieses Abends, an dem die Suite BWV 1013 für Traversflöte Solo den Rahmen bildet, in den sich die orchestralen Werke nahtlos einfügen.

Stuttgarter Festwoche Barock

Abschlusskonzert
Die Stuttgarter Festwoche Barock endet mit der Opernentdeckung „Muzio Scevola“, einer spannenden Patchwork-Oper aus der Händelzeit. Die Musik stammt von Filippo Amadei, Giovanni Bononcini, Georg Friedrich Händel und Thomas Leininger. Aufführung am Sonntag, 12. September, 17.00 Uhr im Mozartsaal.

Online
Weitere Informationen zum Programm unter: https://www.halubek.com/ilgustobarocco/2021/07/15/stuttgarter-festwoche-barock-2021/




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