Konzertreihe in Sindelfingen IG Kultur bietet eine Bühne für die lokale Musikszene

Die IG Kultur bietet lokalen Bands im Pavillon eine Plattform. Am Samstag bescherte die Leonberger Formation Keine Schönheit dem Publikum schöne Stunden. Foto: Achim Mantei

Die IG Kultur Sindelfingen bietet Bands aus Kreis und Region eine Plattform im Pavillon. Das kommt beim Publikum sehr gut an.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Ein AC/DC-Solo auf der Elektrogeige? Das hört man auch nicht jeden Tag. Im Sindelfinger Pavillon gab es das und noch viel mehr am Samstagabend in ungewöhnlichem Klangformat zu hören. Keine Schönheit heißt die Formation aus Leonberg und Umgebung, deren Mitglieder entgegen dem Bandnamen allesamt doch ganz nett anzuschauen sind – und die mit viel Spielfreude und sympathischer Bühnenpräsenz dem Publikum gute Unterhaltung bieten.

 

Rücksicht auf die Nachbarschaft

Müsste die IG Kultur nicht aus Rücksicht auf die Nachbarschaft pünktlich um 22.30 Uhr Schluss machen, hätte die Band wohl gerne die AC/DC-Textzeile „You shook me all night long“ beim Wort genommen und noch ein paar Liedchen drangehängt. Schon vor der Pause war die Gruppe um Frontmann Steffen Kindlein und Sängerin Sandra Wagner kaum zu bremsen – was wohl auch daran lag, dass im Pavillon die Auflage gilt, nach 22 Uhr keine laute Musik mehr zu spielen.

Da Keine Schönheit auf Akustikversionen bekannter Pop- und Rocksongs spezialisiert ist, ließ sich dies auf der Bühne problemlos einrichten – zumal einige Stücke dank Geiger Tobias Stumber eine leise-verspielte Note bekommen. Für die Lautstärke war ab diesem Punkt eher das Publikum verantwortlich, weil hier bis zum Schluss begeistert mitgesungen und mitgeklatscht wurde.

Sammelbüchse statt Eintritt

„Das hat wirklich sehr gut funktioniert“, lautete Ingo Liedtkes Fazit nach diesem Konzert, das im Grunde nur durch eine spontane Terminverschiebung und über den Umstand, dass die Bassistin Nicole Wahl IG-Kultur-Mitglied ist, zustande gekommen war. Ingo Liedtke ist Vorsitzender des Sindelfinger Kulturvereins, der von Jazz bis Kleinkunst ein großes Veranstaltungsspektrum bietet. Die IG Kultur will im Rahmen einer Reihe immer wieder solche Auftritte für Bands aus dem Landkreis und der Region anbieten. Das Publikum zahlt dabei keinen Eintritt, stattdessen geht eine Sammelbüchse herum.

Alleine im Mai und Juni sind in diesem Rahmen vier Konzerte im Pavillon am Calwer Bogen am Westrand von Sindelfingen geplant: Am 17. Mai spielen Sonic Mission und Reset Code, am 27. Mai sind Pulverdingen 9 und Groove 4 Friends am Start, am 7. Juni kommen Suitcase Memory und The Cube, für den 10. Juni haben sich Remedy und Souled out angemeldet.

„Lokale Bands fördern, ist unser Ding.“

„Lokale Bands fördern, ist unser Ding“, sagt Ingo Liedtke. Man wolle Räume für Musikgruppen schaffen, weil diese immer weniger Auftrittsmöglichkeiten bekämen. Das gelte gerade für junge Bands, sagt der Vereinschef, der hier vor allem auch die Jugendhäuser in der Pflicht sieht.

Ein ähnliches Ziel wie mit der Konzertreihe für lokale Bands verfolgt der Sindelfinger Kulturverein mit den Wednesday Sessions. An jedem zweiten Mittwoch im Monat rocken hier Profis und Hobbymusiker zusammen. Wie sehr dieses Angebot geschätzt wird, zeige sich daran, wie die Teilnehmenden sich gerade ganz eigenständig organisieren, weil Session-Leiter Matthias Ostertag derzeit krankheitsbedingt ausfällt.

„Wir würden gerne noch viel mehr in diese Richtung machen“, sagt Liedtke. Allerdings teilt man sich den Pavillon mit der Stadtkapelle Sindelfingen und der STB Bigband. Das grenzt den Spielraum ein. Hinzu kommt das Problem mit dem Lärmschutz, weswegen man beispielsweise zuletzt im Dezember 2022 beim traditionellen Doppelkonzert der AC/DC-Tribute-Band Big Balls ins Jugendhaus „Süd“ ausweichen musste.

Warten auf schalldichte Fenster

„Die Stadt hat uns schon vor bald zwei Jahren versprochen, dass wir schalldichte Fenster bekommen“, sagt Liedtke. Bisher sei aber nichts passiert. Der Posten sei zwar im Haushalt eingestellt, aber hier gibt es noch keinen Beschluss vom Gemeinderat. Jetzt hofft der Verein, dass sich in der Sommerpause oder im Herbst etwas tut.

Und bis dahin heißt es weiterhin: Ab 22 Uhr bitte leise rocken im Pavillon.

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