Kopfläuse Wie wird man sie wieder los?

Von Andrea Wyrwoll 

Einer fängt an und alle anderen machen mit: So ähnlich läuft es, wenn ein Kind Läuse hat. Wie man die Krabbeltiere bekämpft und wann die Kinder zurück in Schule oder Kindergarten dürfen.

Mit Nissenkamm und Läusemittel aus der Apotheke wird man Kopfläuse zuverlässig wieder los. Foto: dpa
Mit Nissenkamm und Läusemittel aus der Apotheke wird man Kopfläuse zuverlässig wieder los. Foto: dpa

Stuttgart - Geplagte Eltern können ein Lied davon singen: Tauchen im Kindergarten oder der Schule Kopfläuse auf, dauert es nicht lange und auch das eigene Kind ist betroffen. Kein Grund in Panik zu verfallen: Läuse sind keine Folge von mangelnder Hygiene - und mit etwas Einsatz gut zu bekämpfen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was sind Kopfläuse?

Die Insekten werden zwei bis drei Millimeter groß und können weder springen noch fliegen. Sie kommen ausschließlich auf der Kopfhaut des Menschen vor, und hier bevorzugen sie die Bereiche um die Schläfen, den Nacken und die Ohren. Damit der Parasit an den Haaren entlang klettern kann, hat das Insekt Beine, mit denen es sich festklammern kann. Der Körper des Insekts ist sehr druckfest: Er übersteht eine Belastung von bis zu einem Kilogramm.

Kopfläuse sind grau-weiß, grau-gelb oder braun-grau. Nach der Blutaufnahme wird der Körper rot oder rot-braun. Zwei- bis dreimal am Tag saugt die Laus mit ihrem Stechrüssel Blut aus der Kopfhaut. Das Weibchen legt pro Tag bis zu vier Eier, die sogenannten Nissen. Bei einer Lebenszeit von 30 bis 35 Tagen können es bis 140 Eier werden. Die Nissen treten meist perlschnurartig auf. Sie kleben an der Haarbasis fest, weil sie mit einem Klebesekret ­überzogen sind.

Wie werden sie übertragen?

Der Befall mit Kopfläusen hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Auch regelmäßiges Haarewaschen schützt nicht. Die Läuse fühlen sich auf einem gepflegten Kopf besonders wohl. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch, wenn Kinder zusammen spielen und toben. „Es ist müßig, sich Gedanken zu machen, woher die Läuse kommen“, sagt Uwe Petersen von der Verbraucherzentrale. Von irgendwoher würden sie eingeschleppt.

Wie australische Forscher herausgefunden haben, werden die Läuse in der Regel nicht über gemeinsam genutzte Kopfkissen, Handtücher, Kämme oder Bürsten übertragen. Der Lieblingsbär muss also eigentlich nicht unbedingt in Quarantäne - vielen Eltern ist es aber lieber so.

Bettwäsche und Handtücher sollte man im 60-Grad-Programm waschen. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, saugt das Sofa gründlich ab und stellt Kuschelkissen und Stofftiere für zwei Tage auf den Balkon.

Wie äußert sich ein Lausbefall?

Aufmerksam auf die Kopfläuse werden Eltern, Lehrer oder Erzieher meist, wenn das Kind sich ständig am Kopf kratzt. Der heftige Juckreiz wird durch den Speichel der Laus verursacht, der beim Blutsaugen in die Kopfhaut gelangt. Das starke Kratzen kann zu Wunden führen, die sich entzünden und zu eitrigen Hautausschlägen mit Schwellung der Lymphknoten führen können.

Wie kann man Kopfläuse bekämpfen?

Es gibt drei Arten, um Kopfläuse zu bekämpfen: mit giftigen Insektiziden als Arzneimittel, Medizinprodukten und mit Gesundheits- und umweltverträglichen Hausmitteln.

Die Verbraucherzentrale sieht den Einsatz von Insektenmitteln kritisch, denn sie können folgende Nebenwirkungen haben: Übelkeit, Herzrasen oder Brennen und Kribbeln der Kopfhaut. „Es gibt keinen Grund, Kindern Chemie auf den Kopf zu geben“, sagt der Verbraucherschützer. Andere Mittel seien gleichwertig.

Medizinprodukte haben weniger Nebenwirkungen. Silikonöle beispielsweise werden als ungiftiger Wirkstoff eingesetzt. Sie töten sowohl die Läuse als auch die Nissen. Nach sieben bis zehn Tagen ist bei den meisten Produkten ein zweiter Waschgang fällig.

Verbraucherschützer empfehlen Schwangeren, Stillenden, Allergikern oder bei Säuglingen, zu Hausmitteln zu greifen. Haare schneiden ist die wirksamste und schnellste Variante. So nimmt man den Läusen und Nissen die Möglichkeit, sich an den Haaren festzuhalten.

Mit einem Nissenkamm kann man aber auch Strähne für Strähne sorgfältig durchkämmen. Dazu zieht man den Kamm von der Kopfhaut bis zu den Haarspitzen und streicht ihn danach auf einem hellen Tuch oder Küchenpapier aus. Etwas Babyöl oder eine Haarspülung aus einem Liter Essig mit drei Esslöffeln Haushaltsessig erleichtert das Kämmen. In den ersten acht Tagen muss die Kopfhaut jeden Tag kontrolliert werden. Bevor man die Haare auskämmt, kann man eine Mischung aus fünfprozentigem Essig mit Wasser im Verhältnis 1:1 mischen und auf die Kopfhaut auftragen und lässt das mindestens eine Stunde lang einwirken.

Alternativ lassen sich die Läuse auch mit Rapsöl bekämpfen. Aus 250 Millilitern Rapsöl, 12,5 Millilitern Wasser und 30 Gramm Emulgator (Fluidlecithin) eine Emulsion herstellen. Dann ins Haar einmassieren und einige Stunden einwirken lassen. Anschließend gründlich auswaschen und mit dem Nissenkamm auskämmen. Die Behandlung muss am ersten, dritten und achten Tag erfolgen. „Bei der Behandlung ist Sorgfalt geboten. Wer zu früh aufhört, hat oft erneut mit den Läusen zu kämpfen“, sagt Petersen.     

Wann dürfen die Kinder zurück in die Schule und den Kindergarten? 

Personen, die von Läusen befallen sind, dürfen sich gemäß Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes nicht in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Ferienlagern aufhalten. Erwachsene und Eltern müssen die Einrichtungen daher umgehend über den Läusebefall informieren. Wird der Befall während des Unterrichts oder der Betreuung festgestellt, sollte das betroffene Kind sofort nach Hause geschickt werden. Für die Rückkehr in die Einrichtung ist generell kein Attest „läusefrei“ erforderlich.

Informationen rund um Kopfläuse hat die Verbraucherzentrale Hamburg in einer Broschüre zusammengestellt.

Mehr Infos gibt’s auch auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.kindergesundheit-info.de.