Koppentalbrunnen am Katharinenhospital Im Krieg hat der Brunnen Leben gerettet

Von Petra Mostbacher-Dix 

Der historische Koppentalbrunnen hinter dem Katharinenhospital ist mit einer Feier wieder in Betrieb genommen worden. An der Umgebung wird indes noch gedoktert.

Vor dem Brunnen stehen Jürgen Mutz, Ralf-Michael Schmitz, Werner Wölfle, der Wasser schöpft, sowie rechts Veronika Kienzle und Sabine Mezger. Foto: Lichtgut/Horst Rudel
Vor dem Brunnen stehen Jürgen Mutz, Ralf-Michael Schmitz, Werner Wölfle, der Wasser schöpft, sowie rechts Veronika Kienzle und Sabine Mezger. Foto: Lichtgut/Horst Rudel

S-Mitte - Engelsgleich wirkt sie, die blonde Frau in der Tunika. Sie steht für die Kraft des Lebenselixiers Wasser und dessen heilende Wirkung: Mit salbungsvoll ausgestreckten Armen versorgt sie einen knienden Mann mit dem kühlen Nass. Das Glasmosaik mit dem antikisierenden Motiv, das einst der Künstler Eugen Hemann schuf, schmückt den Stuttgarter Koppentalbrunnen, der wie eine Wegmarke an der Mündung von See- und Sattlerstraße in die steile Panoramastraße steht. In dem 1926 von dem Architekten Gustav Halmhuber entworfenen Bauwerk fließt es denn auch wieder. „Wasser marsch!“ lautete das Kommando, mit dem Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle den Brunnen wieder in Betrieb genommen hat, gemeinsam mit Ralf-Michael Schmitz, dem Geschäftsführer des Klinikums Stuttgart, sowie Jürgen Mutz vom Tiefbauamt für das Stadtgebiet Mitte/Nord.

Aufwendiger als geplant

Um Schäden durch die enormen Neu- und Umbauten des angrenzenden Klinikums Stuttgart vorzubeugen, war der Koppentalbrunnen im Februar 2007 abgebaut, bei einem Esslinger Steinmetz eingelagert, saniert und im Sommer vergangenen Jahres wieder aufgebaut worden. Danach mussten noch neue Leitungen und der Wasseranschluss verlegt, die zum Brunnen gehörige Treppenanlage, das Geländer sowie die Sitzbänke erneuert werden. Rund 110 000 Euro kostete das, finanziert aus dem Haushalt. Die Auflagen des Denkmalschutzes seien strickt, der Ab- und Aufbau aufwendiger gewesen als geplant, sagte Jürgen Mutz.

„Hinter den Mosaiksteinchen befindet sich ein flacher Hohlraum, der musste zunächst verpresst, also verfüllt werden, damit das Mosaik beim Transport nicht beschädigt wurde.“ Zudem sei es auch nicht einfach gewesen, Ersatz zu finden für jene Stellen, wo die Steinchen durch die eingefüllte Masse fehlten. Alle Arbeiten mussten Werk und Ort angemessen sein. Letzter hat Historie. Gemäß den Stadtchroniken soll es an der Stelle schon im Jahr 1558 einen Brunnen gegeben haben.

Auch vielen Stuttgartern ist der Koppentalbrunnen wichtig. Neben den Bezirksvorsteherinnen für Nord und Mitte, Sabine Mezger und Veronika Kienzle, Stadträten sowie Vertretern der „Stiftung Stuttgarter Brünnele“ kamen auch zahlreiche Anwohner und Bürger zur offiziellen Wiedereinweihung. In vielen wecke der Ort Emotionen und Erinnerungen, so Wölfle. „Eine 93-jährige ehemalige Kinderärztin erzählte mir, dass das Wasser des Brunnens im Krieg für die Stuttgarter lebensrettend war.“ Längst freilich wird dieser nicht mehr von der Koppentalquelle gespeist, die ihm einst seinem Namen gab, sondern vom Trinkwasser des Bodensees und der Landeswasserversorgung.

Entsorgungseinheit wird bald selbst entsorgt

Dass sich dort auch wichtige Wege gabelten, betonte ein Anwohner. Mittlerweile führt wieder vom Brunnen aus ein Weg hinunter Richtung Jäger- und Kriegsbergstraße über das Gelände des Klinikum Stuttgarts – für diesen hatte sich auch der Bezirksbeirat Nord eingesetzt. Die Entsorgungseinheit, die dort wegen der Bauarbeiten steht, soll bald selbst entsorgt werden, damit die Nord-Süd-Achse verbessert wird. Werner Wölfle will sich um den Fußgängerüberweg kümmern, den es früher auf der Sattlerstraße gab und der mit den Baumaßnahmen verschwunden ist.

Sonderthemen