Ticki-Tack-Erfinder aus Korb Generationen von Kindern die Uhr beigebracht

Von Luitgard Schaber 

Das Uhren-Männchen Ticki Tack ist in unzähligen Kinderzimmern zu finden. Wir haben uns mit seinem Erfinder getroffen – und er hat uns seine neuen Ideen gezeigt.

Hans Karl Zeisel  spielt künstlerisch- kindgerecht mit der Uhrzeit. Foto: Gottfried Stoppel
Hans Karl Zeisel spielt künstlerisch- kindgerecht mit der Uhrzeit. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt - Schon am Klingelschild werden Besucher von Ticki Tack begrüßt. Fröhlich lacht ihnen das bunte Wecker-Männchen entgegen. Ebenso freundlich lächelt sein Erfinder Hans Karl, wenn er die Tür öffnet und sagt: „Willkommen in der Ticki-Tack-Werkstatt.“ Betritt man dann Zeisels Haus in Korb, grinsen Wecker-Männchen von allen Seiten: als funktionstüchtige Wecker auf Regalen stehend, von Buchcovern, aus Plüsch an einer Türklinke hängend. Auf dem Tisch in der Raummitte, an dem einen Zeisel bittet Platz zu nehmen, steht ein Willkommensschild mit Namen darauf. „Das muss schon sein“, meint der perfekte Gastgeber dazu, während er Kaffee anbietet.

Genau beobachtet fühlt sich der Gast nicht nur von den unzähligen Ticki Tacks um sich herum. Auch Zeisel scheint den Besucher genau zu studieren, fast stellt sich die Frage: Wer macht sich hier von wem ein Bild, um ein Porträt zu schreiben?

Ärber über funktionsunfähige Plastikuhren

Zeisel ist ganz offensichtlich ein genauer Beobachter seiner Umwelt. Wäre er das nicht, gäbe es wohl auch Ticki Tack nicht. In den 1980er Jahren hat Zeisel ihn erfunden. „Ich habe mich geärgert, dass die Uhrenvertriebsgesellschaft, für die ich Werbung machen sollte, an Kinder, ihre künftigen Kunden, nicht funktionsfähige Plastikuhren verschenkt“, erklärt der Werbefachmann, der vor seiner Designausbildung als junger Mann eine Lehre als Schriftsetzer gemacht hat. So entstand Ticki Tack, das Uhren-Männchen, das in den vergangenen Jahrzehnten Generationen von Kindern in einem Malbuch, als leibhaftiger Wecker und seit neustem in einem Uhrzeitlernbuch Freude bereitet.

Weshalb der lustige kleinen Geselle so gut ankommt, wird klar, wenn Zeisel sein Uhrzeitlernbuch vorführt. Mit einem so genannten Ting-Stift lassen sich darin Ticki Tack und seine beiden Freunde, ein Vogel und ein Bär, zum Sprechen bringen und machen einen Tag erlebbar. Das Lernen der Uhrzeit wird dabei zu einem spielerischen Entdecken, wenn der Stift die Bilder im Buch antippt und im Dialoge der drei Freunde Fragen zur Uhrzeit beantwortet werden, die am Ziffernblatt eines großen, in das Buch integrierten Ticki Tacks eingestellt werden. Wenn Zeisel mit vor Begeisterung glänzenden Augen seine Entwicklung demonstriert, kommt in dem 68-Jährigen so richtig das Kind im Mann zum Vorschein.

Durch spielerisches Ausprobieren kommt Zeisel indes nicht nur auf immer neue Ideen für seinen Ticki Tack, die er in seiner hauseigenen „Werkstatt“ gemeinsam mit seiner Tochter Pia Zeisel umsetzt – vom ersten Gedanken über die Ausgestaltung bis zur Verkaufsförderung. Zusammen mit der Grafikerin und Designerin entwirft der gebürtige Waiblinger auch seine Kunstwerke. Deren strenge, geometrische Formen bilden in Zeisels Werkstatt einen Kontrast zu der lustig- bunten Ticki-Tack-Welt. „Wie passt das zusammen? „Sehr gut“, findet Zeisel, „die Mischung macht’s.“

Ausprobiert wird auch schon einmal mit einer Serviette

Doch selbst wenn er immer am spielerischen Ausprobieren und Basteln mit Kreis, Quadrat und Dreieck sei, wofür bei einer Einladung zum Essen beispielsweise auch einmal eine Serviette herhalten müsse, betreibe er seine besondere Kunst sehr wohl ernsthaft. „Das bin ich der Sache schuldig“, sagt Zeisel, dessen Werke sich nicht auf die Zweidimensionalität von Leinwänden beschränken sondern als Gebrauchsgegenstände auch die dreidimensionale Alltagswelt erobern und so auch die Kreativität von Otto-Normalverbraucher anregen sollen. Demnächst etwa will Zeisel eine Wanduhr auf den Markt bringen, deren Ziffernblatt man mit unterschiedlich farbigen Magnetplatten in Form eines Kreisviertels nach Gusto selbst umgestalten kann.

Während Zeisel einen fertigen Prototyp der Wanduhr präsentiert, ist schon sein nächstes Werk im Entstehen. An den Leuchten an der Raumdecke sind Papierschnitte angebracht, Entwürfe für Lampen, wie Zeisel erklärt. Schon verkaufsfertig ist indes seine Entwicklung „Hundred and more“, eine Art Skulpturenbausatz bestehend aus vier Holzklötzen gleicher Form und Größe, aber unterschiedlicher Farben nebst einem Kunst-Design-Buch. Das Arrangement soll „Kreativität erhalten, fördern und steigern“, erklärt Zeisel und lädt seine Besucher zum fröhlichen Ausprobieren seines Werks ein, das bereits von einem Museumsshop in den USA geordert worden sei.