Kornhaus Kirchheim Sanierung trotz Mehrkosten
Ende Januar werden erste Bauarbeiten sichtbar: Für den seit Langem geplanten Umbau des Kirchheimer Kornhauses soll schon bald der Startschuss fallen – trotz unerwarteter Mehrkosten.
Ende Januar werden erste Bauarbeiten sichtbar: Für den seit Langem geplanten Umbau des Kirchheimer Kornhauses soll schon bald der Startschuss fallen – trotz unerwarteter Mehrkosten.
Kreis Esslingen - Die Stadt Kirchheim ist fest entschlossen, die Generalsanierung des historischen Kornhauses endlich in Angriff zu nehmen – ungeachtet schlechter Nachrichten: Die Verjüngungskur für die alternde Schönheit wird teurer, noch bevor die Bauarbeiter die Ärmel hochkrempeln, steigen die Kosten unerwartet. Die Stadträte halten dennoch an dem Vorhaben fest.
Der Anspruch ist hoch: Das neue Kornhaus samt dem darin befindlichen Städtischen Museum soll ein offenes Haus, ein Ort für die Kirchheimer Geschichte, der Kunst und Kultur, der Begegnung, des Verweilens, des Vermittelns, der Kommunikation, der Integration und Repräsentation sowie der politischen Teilhabe werden. Der finanzielle Aufwand dafür beträgt nach jetzigem Stand knapp 13 Millionen Euro.
Und der Weg zum Ziel ist holprig: Wie die Stadtverwaltung den Gemeinderat jüngst wissen ließ, fallen die Investitionszuschüsse aus verschiedenen Töpfen insgesamt deutlich geringer aus als erhofft. Statt der ursprünglich im Doppelhaushalt 2022/2023 einkalkulierten 2,1 Millionen Euro wird wohl lediglich mit 380 000 Euro pro Jahr aus der Denkmalförderung des Landes zu rechnen sein, statt der erhofften 500 000 Euro jährlich, räumte der Oberbürgermeister Pascal Bader in einer Ratsvorlage ein: „Derzeit findet die Abstimmung mit der Denkmalförderung bezüglich unseres gestellten Antrags statt“, sagte er. Vielleicht gibt es noch einen kleinen Betrag von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die ihre Entscheidung im zweiten Quartal des Jahres mitteilen will. Mit anderen Zuschüssen ist indes nicht zu rechnen: Von der Wüstenrot Stiftung, bei der 100 000 Euro beantragt wurden, kam vor wenigen Wochen die Absage, und der Antrag für Mittel aus einem Bundessanierungsprogramm wurde ebenfalls negativ beschieden. Der Wegfall der Finanzhilfen hat zur Folge, dass die Stadt 1,7 Millionen Euro mehr aus zu dem Projekt beisteuern muss.
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Damit nicht genug. Weil nun eine Erweiterung der Technikzentrale vorgesehen ist, müssen weitere 252 000 Euro in dem Doppeletat berücksichtigt werden. Die Umbaupläne wurden auf Anregung der evangelischen Kirchengemeinde überarbeitet, die mit einer Anbindung des Dekanats und der Martinskirche an die Nahwärmeversorgung der Stadtwerke liebäugelt. Nötig wird dafür ein zweites Blockheizkraftwerk. Ein solches erachtet das Rathaus durchaus als sinnvoll, selbst wenn sich die Kirchengemeinde doch noch anders entscheidet. Die Anlage wäre dann schon vorhanden, um später Reserven für weitere Verwaltungsgebäude zu haben.
Sichtbar werden die bevorstehenden Umbauarbeiten am Kornhaus voraussichtlich ab dem 24. Januar. Dann soll mit dem sogenannten Schadstoffrückbau begonnen werden, der etwa drei Monate in Anspruch nehmen wird. Dieser dient einerseits dazu, Schadstoffe wie Asbest und PCB zu entfernen, andererseits ermöglicht er, die Knotenpunkte des Holztragwerks zu begutachten; dies ist wichtig für die weitere Ausführungs- und Tragwerksplanung. Die noch im Erdgeschoss des Kornhauses befindliche Schnellteststation der Adler-Apotheke soll kommende Woche ins Gebäude der Kreissparkasse am Alleenring umziehen.
Die eigentlichen Umbauarbeiten können erst beginnen, wenn das Regierungspräsidium den Etat freigegeben hat, heißt es im Rathaus. Das Gebäude wird kernsaniert: Bis auf die tragenden Außenwände inklusive der Fenster, das Gewölbe und die Tragkonstruktion wird alles zurückgebaut. Zugleich wird an der Neuausrichtung des Städtischen Museums im Kornhaus gefeilt. Momentan werden die Inhalte und die grafische Darstellung der Media-Player zu den acht Kapiteln der Dauerausstellung ausgearbeitet. Das Landesmuseum Württemberg und das Archäologische Landesmuseum haben bereits zugesagt, einige Objekte leihweise zur Verfügung zu stellen.
Offen bleibt allerdings in die Frage, wann das neue Kornhaus eröffnen kann. Der Fertigstellungstermin ist derzeit kaum abschätzbar. Die reine Bauphase wird sich voraussichtlich über drei Jahre erstrecken.
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Das Kornhaus einst und künftig
Geschichte
Das unter Denkmalschutz stehende Kornhaus wurde 1541 als Vorratsspeicher für den Kriegsfall erbaut. Seit 1851 ist es in städtischem Besitz und diente unter anderem als städtische Fruchthalle sowie als Weinlager, als Turnhalle und Feuerwehrgerätemagazin. Zuletzt war es Domizil für das Städtische Museum und für Kulturschaffende.
Sanierungsbedarf
Laut Gutachten ist es um die Tragfähigkeit des Kornhauses schlecht bestellt, es ist „mit substanzverändernden Verformungen zu rechnen“. Völlig veraltet sind auch Haustechnik und Brandschutz. Außerdem ist das Gebäude erheblich mit Schadstoffen belastet.
Umbaupläne
Anfang 2019 wurde ein Architektur-Wettbewerb ausgelobt. Die Sieger – die Stuttgarter Büros ArGe Cheret Bozic Architekten und Weidner Händle Atelier – planen, das Kornhaus von störenden Einbauten zu befreien und den bauzeitlichen Raumeindruck des ehemaligen Lagerhauses wieder herzustellen. In einem separaten Untergeschoss zwischen Kornhaus und Max-Eyth-Haus wird für Technikräume und Nebenflächen Ersatz geschaffen. Das bestehende Blockheizkraftwerk wird verlegt, sodass der riesige Gewölbekeller künftig genutzt werden kann. Die Arkaden an der Straße werden geschlossen und stattdessen das Erdgeschoss zum Kirchplatz hin geöffnet. Im Dachgeschoss wird die Zwischendecke entfernt, sodass ein großer multifunktionaler Raum entsteht, der dem Gemeinderat als Sitzungssaal und der Stadt als Veranstaltungsort für 100 bis 150 Personen dienen wird.