Korntal-Münchingen Die Erinnerung setzt am Abend aus

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„Stellt euch nicht so an. Er schläft nur.“ Mit dieser Aufforderung sollten sich die Zöglinge von dem im zweiten Stock aufgebahrten Jungen verabschieden, das ist dem Mann bis heute in Erinnerung. Die Kinder hatten den Film „Serengeti darf nicht sterben“ angeschaut, als der Freund, der Kamerad, der Junge tot umkippte. Der Film wurde unterbrochen, der Junge in ein anderes Zimmer gebracht und aufgebahrt. Dort mussten sich die anderen, inzwischen hatten sie sich entsprechend fein kleiden müssen, dann von ihm verabschieden.

Von 1955 bis 1964 lebte der heute 66-Jährige im Hoffmannhaus. Zum Leben im Heim gehörte die Mithilfe auf dem Feld. Wer sein Pensum nicht schaffte, dem habe Essensentzug gedroht; wer ein Setzling beim Pflanzen zerstörte, bekam Prügel. Ganz anders der Hausmeister, der imponierte dem Jungen, der ohne Vater aufwuchs. „Der Mann war stark, er war tätowiert und er konnte Fußball spielen.“ Dass dieser ihn dann im Keller missbrauchte, habe er nicht als Gewalt wahrgenommen, sagt der Mann heute. Als er acht war, durfte er am Wochenende zu einem Ehepaar. Seine Mutter, die zu dieser Zeit trotzdem noch das Sorgerecht für ihn hatte, habe laut noch existierender Unterlagen ihr Einverständnis erteilt, berichtet der Mann. Die Paten erlaubten ihm, bei ihnen ins Bett zu schlüpfen. Letztlich aber habe ihn die Frau dazu aufgefordert, sie zu befriedigen. Danach setzt seine Erinnerung aus.

Ein anderes Mal sei er übers Wochenende bei einem jungen Mann in Feuerbach gewesen, der in einem von einem großen Park umgebenen Haus lebte. „Wir haben super feudal gegessen“, zu trinken habe es gar Bananenmilch gegeben. Am Abend ließ sich der Junge im Bad – „ein schönes Bad, alles war weiß“ – duschen. Anschließend cremte ihn der Mann am ganzen Körper ein. Kurz danach setzt die Erinnerung erneut aus.




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