Korntal-Münchingen Die jugendliche Neugier benutzt

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„Mit Zwölf brauchte ich keine Aufklärung mehr“, sagt Alfred Wieland heute. Zunächst war er in einem Internat fernab, sein Vater holte ihn in die Heimat. „Heute würde man wohl sagen, ich wäre ein ADS-Kind“, sagt Wieland, also mit Aufmerksamkeitsdefizitstörung. 1960, als Neunjähriger, kam er ins Hoffmannhaus, bis 1965 war er dort. Er ging in Korntal zur Schule, verbrachte dort die Nachmittage, abends ging er nach Hause. Es habe „sehr nette Lehrer“ gegeben. Und dann war da ein Ehepaar – sie arbeitete in der Wäscherei, er war Schweizer – „das waren goldige Leute“. Er fühlte sich behütet. Dazu kam irgendwann die jugendliche Neugier, die aufkeimende Lust.

Die übergriffige Aufmerksamkeit, die der Hausmeister ihm zuteil werden ließ, tat ihm gut. „Ob im Lehrerbad, im Heizungs- oder Fahrradkeller: der Hausmeister hatte ja für alles einen Schlüssel.“ Brutal war es auch, dennoch sagt Wieland: „Ich habe den Missbrauch nicht als solchen empfunden. Woher sollte ich wissen, ob es Unrecht oder Recht ist?“ Der Missbrauch sei ihm „in die Seele eingepflanzt“ worden, der sich entwickelt habe zu einer „unermesslichen fleischfressenden Pflanze, über die man immer wieder hinweggehen muss.“