Korntal-Münchingen Mit Feinsinn gegen den Ernst des Lebens

Von Franziska Meißner 

Männlich, Korntaler, in Besitz eines Führerscheins: das sind die Gemeinsamkeiten, die Roland Baisch und Stefan Waghubinger einfallen. Die beiden Komiker treten nächste Woche mit Özcan Cosar, auf den die genannten Attribute wenigstens teilweise auch zutreffen, in der Korntaler Stadthalle auf.

Die beiden Komiker Roland Baisch und Stefan Waghubinger im Gespräch. Özcan Cosar war an dem Tag krank. Foto: factum/Bach
Die beiden Komiker Roland Baisch und Stefan Waghubinger im Gespräch. Özcan Cosar war an dem Tag krank. Foto: factum/Bach

Korntal-Müchningen - Männlich, Korntaler, in Besitz eines Führerscheins: das sind die Gemeinsamkeiten, die Roland Baisch und Stefan Waghubinger einfallen. Die beiden Komiker treten nächste Woche mit Özcan Cosar, auf den die genannten Attribute wenigstens teilweise auch zutreffen, in der Korntaler Stadthalle auf. Korntaler Heimspiel nennt sich das, denn alle drei leben in dem Ort. Wobei Cosar gerade wegzieht nach Gärtringen.

Gemeinsam ist den dreien, dass jeder schon den Kleinkunstpreis des Landes gewonnen hat. Und Baisch und Waghubinger hatten mal einen ähnlichen Job; Waghubinger war Großhandels-, Baisch Industriekaufmann. Das ist lang her. Heute ist Baisch 61 und macht seit 38 Jahren hauptberuflich Komik. Der 49-jährige Waghubinger, der aus einem Dorf in Österreich kommt, hat zwischenzeitlich Theologie studiert, wollte Missionar werden, ist vom Glauben abgerückt, hat in der Jugendhilfe Korntal gearbeitet und wurde dann vor ein paar Jahren im zweiten Anlauf Kabarettist. Özcan Cosar, mit 34 der Jüngste im Bund, hat auch schon so ziemlich alles gemacht: Er war Zahnarzthelfer, Fitnesstrainer und Zeitungsausträger. Beim Gesprächstermin ist er krank.

Auch Baisch ist nicht ganz fit, er hat nur ein paar Stunden geschlafen nach der Show in Berlin. 170 Auftritte hat Baisch im Jahr, bei Waghubinger sind es rund 100. Das könnte man stressig finden, zumal noch Rückreisetage dazu kommen. „Ich kann ganz gut aus dem Koffer leben“, sagt Waghubinger, und Baisch sagt, er versuche, das Touren zu genießen. Mit Museumsbesuchen zum Beispiel.

Während Waghubingers Lebenstraum ein Physikstudium gewesen wäre, scheinen Baisch und Cosar nicht anders zu können, als im Rampenlicht zu stehen. Eine andere Möglichkeit habe er ohnehin nicht gehabt, sagt Baisch: „Ich kann gar nichts anderes.“

Die Themen der drei Künstler sind grundverschieden. Waghubinger setzt auf unterschwelligen Humor und redet über Steuererklärungen und politisch korrekte Barbies. Cosar macht Witze über die Beziehung zwischen Deutschen und Türken, und Baisch bewegt sich irgendwo zwischen Entertainment und Feinsinn. Ihre Texte schreiben alle selbst. „Man macht ja nicht einfach irgendwas“, sagt Waghubinger, „ich rede über Dinge, die mich beschäftigen.“

Das Programm jedenfalls muss gut sein, denn die Künstler sind damit meist jahrelang auf Tour. Dass es auch anstrengend sein kann, jeden Abend dasselbe zu erzählen, geben Baisch und Waghubinger offen zu. „Vorher denke ich oft: nicht schon wieder. Auf der Bühne ist das dann weg“, sagt Baisch. Waghubinger sieht sich auf der Bühne als Schauspieler. „Die Herausforderung ist, es jeden Abend zu bringen, als sei es neu.“ Cosar sieht das anders: „Das Wort Alltag kenne ich nur aus dem Duden. Jedes Publikum reagiert anders.“

Dabei ist den Komikern klar, dass nicht jeder ihre Gags lustig finden kann. Manchmal passen Publikum und Künstler aber auch schlicht nicht zusammen. Waghubinger erzählt, er sei mal vor einer Sex and the City-Premiere aufgetreten. „Da waren 400 schick gekleidete, angetrunkene Frauen und die wollten nur, dass es endlich losgeht. Schon nach dem ersten Satz hat jemand gerufen ‚Wir wollen den Film sehen’ und dann riefen alle ‚aufhören, aufhören!’“ Heute kann Waghubinger darüber lachen, im Zug nach Hause hat er sich trotzdem gefragt, was er da eigentlich macht.

Ums Geld, das sagen sie jedenfalls, geht es keinem der drei. Man würde wohl auch einen anderen Beruf wählen, wenn das das Wichtigste wäre. Gerade am Anfang ist es für viele schwer. Wettbewerbe können dabei helfen, sich einen Namen zu machen. Baisch hält davon nichts. „Da gewinnen oft so blöde Zauberer. Da geht es ums Geld, nicht um Kultur.“ Waghubinger teilt die Ablehnung, räumt aber ein, dass das nicht immer so war. „Heute mache ich so was nicht mehr. Aber als ich den Stuttgarter Besen gewonnen habe, war da schon ein ungeheurer Druck. Ich wäre sonst raus gewesen.“ Baisch sagt, vielen Künstlern ginge es nur um den Erfolg – und beklagt, hierzulande gebe es kaum erwachsene Comedy. „Hier trägt man Pullunder oder hat einen Sprachfehler.“ Die Schuld dafür sieht er in den „eindimensionalen Medien“: „Die wollen so Leute wie Mario Barth.“

Von dessen plattem Humor ist Baisch weit entfernt, politisch korrekt geht es bei ihm aber auch nicht immer zu. „Manche finden das, was ich mache, bös. Aber es ist immer das Großbürgertum, das Angst vor bestimmten Themen hat.“ Ein solches Thema sind Menschen mit Behinderungen. Waghubinger findet Witze darüber schwierig. „Es ist aber ein Unterschied, ob man über jemanden Witze macht oder über den Umgang der Leute damit.“ So sieht es auch Baisch, er nennt das „Witze aus Liebe“ und gegen die Verklemmtheit. „Es gibt nichts Schlimmeres, als Themen zu meiden, weil sie einem unangenehm sind“, sagt Baisch. „Das ist auch Ausgrenzung.“




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