Korntal-Münchingen Neues Domizil für 300 Porsche

Von Daniel Völpel 

Eingelagerte Fahrzeuge des Porsche-Museums werden jetzt in einer Halle in Korntal-Münchingen untergebracht.

Die Langzeitstudie FLA von 1973 rollt aus dem Spezialtransporter. Foto: FACTUM-WEISE
Die Langzeitstudie FLA von 1973 rollt aus dem Spezialtransporter. Foto: FACTUM-WEISE

Korntal-Münchingen - Eine Ziellinie gibt es im Korntal-Münchinger Ortsteil Kallenberg direkt an der Bundesstraße 10 zwar nicht. Aber wenn in den nächsten Wochen Dutzende Porsche-Fahrzeuge dort unbeschadet eintreffen, werden die Mitarbeiter des Porschemuseums jedes Mal innerlich aufatmen: Sie ziehen den kompletten eingelagerten Bestand in ein neues Lager um, das jetzt offiziell vorgestellt wurde.

Als einen „wichtigen Meilenstein für das Porschemuseum“ bezeichnete dessen Leiter Achim Stejskal die Aktion: „Wir ziehen mit unserer Fahrzeugsammlung ein.“ Um seine Exponate besser herrichten und unter günstigen Bedingungen lagern zu können, hatte das Porschemuseum Ende 2011 die frühere Halle eines Küchenherstellers aus den 60er-Jahren gemietet. Dafür gibt es seine zwei kleineren Lager in Möglingen und Kornwestheim auf.

Wie in der Garage eines reichen Sammlers

Seit wenigen Tagen sieht es im Innern der Halle aus wie im Parkhaus eines besonders wohlhabenden Porschesammlers: Auf Themeninseln stehen die Wagen aufgereiht, zum Beispiel alle RS- und GT-Typen der verschiedenen Baureihen, bis hin zum RS 4.0 – ein Rennwagen, der mit Handbremse und Licht nachgerüstet „das schnellste für den Straßenverkehr zugelassene Auto ist“, wie Alexander Klein, der Leiter des Fahrzeugmanagements, erklärte. Dazu kommen Vorkriegsfahrzeuge, Studien und Unikate wie ein gepanzerter Porsche – insgesamt mehr als 300 Stück.

Einsam findet sich im künftigen Werkstatt-Bereich ein Mercedes-Benz E 500. Denn von der 326 PS starken Reiselimousine fertigte Porsche zwischen 1990 und 1996 mehr als 10 000 Stück in Zuffenhausen.

Die alten Porsche fahren noch bei Rallyes

40 Fahrzeuge, die eine Straßenzulassung haben, werden in den Kallenberg gefahren. Für die übrigen 300 der Baujahre 1900 bis 2012 sind 50 Fahrten mit einem weißen Spezialtransporter nötig. Die ersten begannen vergangene Woche. Auch 208 Motoren wurden bereits angeliefert.

Doch selbst wenn die Verlegung abgeschlossen ist, wird im Lager ein ständiges Ein- und Ausladen herrschen: 351 Einsätze hatten die Ausstellungsstücke im vergangenen Jahr weltweit bei historischen Rallyes und Schauen. Im Kallenberg werden die Autos herausgeputzt für die Einlagerung oder den nächsten Einsatz. Deshalb sollte die Halle so nah wie möglich am zwei Kilometer entfernten Museum liegen. Sie muss größtmögliche Sicherheit gewährleisten und die Autos in trockener Luft konservieren. Dazu wurde die Küchenfabrik umgebaut. Sie erhielt eine Sprinkleranlage und einen Einbruchschutz. Die Fensterfront blieb erhalten, wurde aber abgeklebt, so dass man von außen nichts sieht.

Nur Staatsgäste dürfen mal vorbeischauen

„Wir wollen uns nicht verstecken, aber wir wollen auch keinen Tourismus“, sagte der Museumsleiter Stejskal. Nur für besondere Gäste wie Staatsbesuche werde man das Domizil gelegentlich öffnen. Was sich das Museum sein neues Lager kosten ließ, dazu wollte Stejskal sich nicht äußern.

Seit den 60er-Jahren lagert Porsche seine Wagen ein, zuerst in einer Halle in Eberdingen-Hochdorf. 1970 kam die Sammlung in das Gebäude einer ehemaligen Großwäscherei in Korntal. Von 1972 an gab es dort ein erstes Museum, das vier Jahre später ins Werk Zuffenhausen zog. Durch Porsches Engagement im Rennsport wuchs die Sammlung rasant an. „Viele Fahrzeuge sind in dem Originalzustand, wie sie die Ziellinie überquert haben“, sagte Klein. Im neuen Lager will das Museum diese „sleeping beauties“ nun aktivieren.

Exakt 506 Autos hat das Museum in seinem Bestand. Pro Jahr kommen 15 hinzu: Erlkönige, Prototypen, Serienfahrzeuge. Ziel des Firmenmuseums ist es, von jedem Porsche ein Exemplar vorzuhalten. 111 verschiedene Typen sind es bis jetzt. Selbst die neue Ausstellung kann die nicht alle fassen. Wenn noch der hintere Teil des Lagers ausgebaut ist, werden daher 350 Autos auf 11 500 Quadratmetern Platz finden, auch in Regalen. Einige werden aber auch weiterhin über die Ziellinien der Welt flitzen.

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