Wir fühlen uns überrumpelt, sagte die SPD-Fraktionschefin Renate Haffner. Wir sind verärgert, sagte Andrea Küchle (FDP). Mit Blick auf die Zeitschiene von „Farce“ sprach die Vorsitzende der Freien Wähler, Marianne Neuffer. Die auch meinte, „so ein Vorgehen finden wir unmöglich“. Aus Sicht des CDU-Fraktionschefs Oliver Nauth wird der Gemeinderat zum „Objekt eines Obrigkeitshandelns verdonnert“.
Dritte Spur von der Autobahn kommend
Um die Verkehrssituation zu verbessern, soll es eine Verbindung zwischen dem Einfädelstreifen von der A81 auf die B10 Richtung Stuttgart und dem Ausfädelstreifen an der Anschlussstelle Neuwirtshaus geben. Die zusätzliche Spur ist für die, die nach Korntal und Zuffenhausen abfahren. In der Gegenrichtung von der Anschlussstelle Neuwirtshaus zur Autobahn hat es seit rund vier Jahren schon eine dritte Spur.
Für den Bau des Verflechtungsstreifens muss Wald weg: eine Fläche von 880 Quadratmetern am Rand des Seewalds. Die Stadt Korntal-Münchingen als Waldeigentümerin muss schriftlich zustimmen, dass sie mit der Inanspruchnahme der Fläche als auch den Ausgleichsmaßnahmen einverstanden ist. „Aufgrund der Dringlichkeit“, wie in der Beratungsunterlage für den Gemeinderat steht – das RP müsse die Baumaßnahme diesen Herbst ausschreiben –, hatte der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) Anfang Oktober grünes Licht gegeben. Was noch fehlte, war das Ja vom Gemeinderat.
Erinnerungen werden wach
Im Ditzinger Stadtteil Schöckingen soll der Verlust im Seewald wiedergutgemacht werden. Das ist seit vergangenem Jahr genehmigte Sache. Im Seewald ist außerdem im August ein Amphibienlaichgewässer angelegt worden – das Albrecht Gaiser (Grüne) zufolge aber zu niedrig ist. Ohnehin hätten dem Gemeinderat die Ausgleichsflächen vorgelegt werden müssen, so Gaiser. Er betonte, man hätte genug Alternativen auf der eigenen Gemarkung geliefert, wäre man früher informiert und beteiligt worden. Simon Boden, der Leiter des Fachbereichs Wald im Landratsamt Ludwigsburg, sagte, ein Ausgleich auf Fremdgebiet sei nicht unüblich. Im konkreten Fall habe das RP Schöckingen als Ort bestimmt. Dennoch, die Gemeinderäte sind sich einig: Sie wollen den Ausgleich in Korntal-Münchingen haben.
Unbedingt hätte der Gemeinderat auch detaillierte Pläne zum Bauprojekt haben wollen. Überhaupt wurden Erinnerungen wach: Marianne Neuffer (Freie Wähler) blickte zurück auf die hitzige Debatte vor rund sieben Jahren um die Verlegung des Anschlusses von Müllerheim an die B10 vor dem Hintergrund des autobahnähnlichen Ausbaus der Bundesstraße. Auch damals habe das RP die Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt. Nach zähem Ringen hatte sie – zähneknirschend – eingewilligt, den Anschluss nach Westen zu schieben. Andernfalls wollte das RP den Anschluss ersatzlos streichen. Müllerheim liegt zu nahe an der Autobahnausfahrt Zuffenhausen, zudem fehlen dem Anschluss Ein- und Ausfädelspuren.
Zeit drängt offenbar gar nicht mehr so arg
Den „Antrag auf Waldumwandlung“ vertagte der Gemeinderat schließlich vorsichtshalber. Keiner wusste, was passieren würde, würde er ihn ablehnen. Zumal ein Beschluss sechs Monate gilt, sagte der Rathauschef. Alexander Noak, der einräumte, „die Kommunikation war seitens des RP schlecht“, schlug auch vor, der Behörde den Unmut zu schildern und einen Vertreter zu bitten, die Pläne im Gemeinderat vorzustellen.
Offenbar drängt die Zeit ohnehin nicht mehr so arg: Ursprünglich wollte das RP die Extraspur dieses Jahr auch noch bauen. Jetzt passiert das „in der verkehrsärmeren Zeit im Sommer 2025“, heißt es aus Stuttgart. Die Frage nach den Kosten bleibt unbeantwortet. Dafür teilt eine Sprecherin noch mit, dass sich die Notwendigkeit ergeben habe, einige Punkte erneut abzustimmen. „Infolgedessen war das enge Zeitfenster für die Ausschreibung und den Bau im Jahr 2024 schnell nicht mehr zu realisieren.“
So geht es nun weiter
Schon vor der Anhörung habe es einen „regen Austausch“ gegeben. „Die Kommune war über die Pläne informiert“, betont die Sprecherin. Die Anhörung war Ende Juli, zurzeit wertet das RP die Stellungnahmen aus. Dabei habe Korntal-Münchingen mitgeteilt, dass eine Ausgleichsmaßnahme im Konflikt mit den Ausbauplänen für eine Abwasserleitung stehe. Unter anderem dazu seien zusätzliche Abstimmungen mit der Stadt nötig. „In dem Zuge wird das weitere Vorgehen auch bezüglich der Waldumwandlung zu besprechen sein.“