Vor 91 Jahren erstrahlte der erste öffentliche Gemeindelichterbaum auf dem neu gebauten Wasserturm des Rathauses über den Dächern von Kornwestheim. Da repräsentative Plätze im Ort fehlten, nutzte man als Aufstellungsort das weithin sichtbare Gebäude von herausragender Architektur, so dass der Weihnachtsbaum weit ins Land hineinstrahlte.

Vorbild für den städtischen Gemeindelichterbaum war der 1928 elektrisch beleuchtete Weihnachtsbaum auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes der Salamander AG.

 

Ernst Gottlob Sigle (1872-1960), der Bruder des Salamander-Unternehmensgründers Jakob Sigle (1861-1935), hatte diese markante Weihnachtsbaumpositionierung über den Dächern in Amerika gesehen. Ernst war zwischen 1896 und 1927 drei Mal in Amerika gewesen. In seinem Reisetagebuch beschrieb er die elektrische Beleuchtung der Freiheitsstatue. Er kannte auch das 1913 fertiggestellte Art-Deco-Hochhaus in New York, der 1879 gegründeten Kaufhauskette Woolworth. Bis 1930 galt es mit 241 Metern Höhe und seiner besonderen Beleuchtungsmöglichkeit auf dem Dach als höchstes Gebäude der Welt und als 8. Weltwunder.

Im benachbarten Ludwigsburg hatte Oberbürgermeister Dr. Gustav Hartenstein (1864-1926, amt. 1897-1926) 1926 die Idee zur Aufstellung eines öffentlichen Gemeindelichterbaums auf dem Ludwigsburger Markplatz. In Heilbronn hatte er, den öffentlichen Weihnachtsbaum, der seit 1922 auf der Freitreppe des Rathauses aufgestellt worden war, gesehen. Die elektrische Beleuchtung für den Baum hatte der dortige Ideengeber, Ölfabrikant Ludwig Hahn (1850-1945), gespendet. 1927 wurde der erste städtische Gemeindelichterbaum auf dem Marktplatz in Ludwigsburg aufgestellt. Er trug anfänglich noch Wachskerzen, die morgens und abends von Hand angezündet wurden.

Was in Ludwigsburg in den 20er Jahren eher spärlich anmutete, erhielt in Kornwestheim weitaus größere Dimensionen. 1927/28 hatte das Salamander-Gebäude in Kornwestheim entlang der Stammheimer Straße die heutige architektonisch geschlossene, einheitliche Front erhalten. Der krönende Abschluss dieser Bauaktivitäten war die Inbetriebnahme der weithin sichtbaren mächtigen elektrischen Salamander-Leuchtschrift auf dem Dach im März 1928. Ergänzt wurde sie im Dezember 1928 durch einen mächtigen elektrisch beleuchteten Lichterbaum auf dem Verwaltungsgebäude, der aufgrund der Gebäudelage weit ins Land hinein sichtbar war.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war ein Neubau für die städtische Verwaltung in Kornwestheim erforderlich geworden. Die Einwohnerzahl war 1933 auf über 10.000 gestiegen. Da die Wasserversorgung der Stadt mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten konnte, entschloss sich die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Alfred Kercher zum Bau eines neuen Rathauses mit Wasserturm. 1934 stand im März nicht nur der Richtfestbaum auf dem neu gebauten Wasserturm des neuen Rathauses an der Stuttgarter Straße, sondern zum 1. Advent der erste städtische elektrisch beleuchtete öffentliche Weihnachtsbaum. Da damals eine repräsentativen Ortsmitte in Kornwestheim fehlte, hatte die Stadtverwaltung beschlossen den ersten öffentlichen Weihnachtsbaum in exponierter Stellung auf dem neu gebauten Rathausturm aufzustellen. Heute besitzt der Kornwestheimer Weihnachtsbaum im ganzen Landkreis einen nicht mehr wegzudenkenden Alleinstellungswert.

Ruth Kappel

Abb. 1 Salamander AG, Stammheimer Str., Foto: SLG Vereinsarchiv

Abb. 2 Rathaus, Richtfest, 1934, Foto: SLG Vereinsarchiv

Abb. 3

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