Nach der Veröffentlichung des Gutachtens über die NS-Vergangenheit Ernst Sigles haben die Bürger in Kornwestheim am Montag Gelegenheit Fragen zu stellen.
Das Gutachten zur NS-Vergangenheit des einstigen Salamander-Lenkers Ernst Sigle hat für Aufsehen in und um Kornwestheim gesorgt. Das öffentliche Bild des Ehrenbürgers muss nach den Erkenntnissen der Historikerin Anne Sudrow dringend überholt werden.
Am Montag, 18. Mai, haben alle Menschen, die sich näher mit dem Gutachten und der Causa Sigle auseinandersetzen wollen, ab 18 Uhr die Gelegenheit dazu. Die Stadt, die das Gutachten bereits zum Download auf ihrer Homepage anbietet, lädt zu einem Informationsabend in den Festsaal des Kultur- und Kongresszentrums „Das K“ ein.
Nach den Begrüßungsworten von Oberbürgermeister Nico Lauxmann wird Sudrow die Ergebnisse ihres Gutachtens vorstellen. Anschließend wird sie gemeinsam mit der Verwaltung für Rückfragen aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen.
Starke NS-Belastungen
Sudrow kommt in dem 122-seitigen Schriftstück zu der Empfehlung, dass das Ernst-Sigle-Gymnasium umbenannt werden sollte: „Die Ehrung der Schulbenennung 1961 beruhte auf einem seit 1945 sehr beschönigten Bild des Unternehmers, dem keine realistische Einschätzung der tatsächlich sehr starken NS-Belastungen Ernst Sigles zugrunde lag.“ Er und die Schuhfabrik Salamander seien aktiv in NS-Verbrechen eingebunden gewesen.
Hinsichtlich der Ehrenbürgerwürde, die Sigle bereits 1927 erhielt, äußert sich Sudrow im Gutachten zurückhaltender und verweist auf seine großen wirtschaftlichen Verdienste. Im Gemeinderat solle laut Sudrow abgewogen werden, ob die frühen Verdienste vor 1933 so groß sind, dass sie die späteren Verfehlungen der Person in den Schatten stellen.
Persönlich sieht sie wohl eher Anlass für einen Entzug der Ehrenbürgerwürde und dem folgen nach ersten Stellungnahmen auch die Sprecher der Fraktionen im Gemeinderat Kornwestheims. Wie es nun genau weitergeht mit Entscheidungen zum Namen der Schule und zur Ehrenbürgerwürde, obliegt aber dem Gemeinderat.