Kornwestheimer Darsteller Vom Pförtner zum König: „Ich habe ein knetbares Gesicht“

Vor 20 Jahren wurde aus dem Pförtner Thomas Sohsna König Friedrich I. von Württemberg. Foto: dpa/dpaweb

Thomas Sohsna aus Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) schlüpfte vor 20 Jahren in die Rolle des württembergischen Königs. Wie es dazu kam und was er vom Original hält.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Thomas Sohsna war einst König, die Massen jubelten ihm zu und er genoss die Zeit im Rampenlicht. Wer den 72-jährigen Kornwestheimer heute sieht, würde wohl als letztes auf eine blaublütige Vergangenheit tippen. Sohsna lebt einfach und hat schon vor einiger Zeit die Krone an den Nagel gehängt, nur die Perücke von damals besitzt er noch.

 

Dennoch oder gerade deswegen erzählt Sohsna gerne von der Zeit vor 20 Jahren. „Sie können ,Eure königliche Hohlheit’ sagen“, scherzt er heute, wenn er an damals zurückdenkt. Damals, das war 2006. Sohsna arbeitete als Pförtner im Stuttgarter Landesmuseum und dort bereitete man sich auf die große Ausstellung zu 200 Jahren Königreich Württemberg vor.

Für das Jubiläumsjahr suchte man einen Darsteller des ersten Königs Friedrich I. Als Pförtner bekam Sohsna Wind von dem Casting. Weil er als Fotomodell – „ich habe einen Charakterkopf“, sagt der heute 72-Jährige selbst – und Kleindarsteller Erfahrung hatte und in der Statur dem Blaublüter wohl am nächsten von allen Kandidaten kam, wurde Sohsna erwählt.

Die Perücke von seiner Zeit als König hat Thomas Sohsna aufbewahrt. Auch Erinnerungsstücke an seine anderen Jobs als Fotomodell sind ihm geblieben. Foto: Simon Granville

Fortan schlüpfte er immer wieder in die Haut König Friedrichs. Sei es im Rahmen der Ausstellung, auf dem Weihnachtsmarkt oder bei anderen Festivitäten: Sohsna war König. Ähnlichkeiten, die über die Gesichtszüge und die Statur hinausgehen, weist der Kornwestheimer aber von sich: „Der echte König war kein guter Mensch.“

Als König auf dem Pferdemarkt

Die Statur aber stimmt. Friedrich war zwei Meter groß und soll zu Bestzeiten 180 Kilogramm gewogen haben. Das schaffte Sohsna nicht ganz, dennoch füllte er die Rolle aus. Bis 2018 gab er immer wieder, zuletzt vor allem in Ludwigsburg auf dem Weihnachtsmarkt und dem Pferdemarkt, den König, aber die Gesundheit zwang ihn schließlich zum Aufhören.

Wegen der Hitze hatte ich immer eine Tüte Cocktailtomaten dabei.

Thomas Sohsna, Königsdarsteller

Schon vor zehn Jahren erlitt Sohsna einen Schlaganfall, hat seither gesundheitliche Probleme und sieht nur noch eingeschränkt. Nun könnte man meinen, Sohsna trauert der Zeit nach, aber dem ist nicht so.

Verkleidung wiegt 15 Kilo

„Das war einfach ein Job“, sagt er. Er habe sich nie für die Annehmlichkeiten als König interessiert – viele gab es für den Darsteller ohnehin nicht. 15 Kilo wog seine königliche Kleidung und das hat vor allem bei Sommerterminen wie dem Pferdemarkt zu Problemen geführt. „Ich hatte auf der Kutsche immer eine Tüte Cocktailtomaten dabei, damit ich bei der Hitze nicht umkippe“, erinnert sich der Kornwestheimer.

Der Spätaussiedler kam 1980 aus Oberschlesien nach Deutschland, pflegte lange seine Mutter und schlägt sich seit ihrem Tod durch. „Man muss sich durchboxen“, sagt der 72-Jährige. Erste Erfahrungen als Fotomodell sammelte er in den 1990er-Jahren. In Zeitschriften wie Blitz Illu oder Coupé mimte er für sensationsheischende Artikel mal einen drogensüchtigen Lehrer, mal einen Kinderschänder oder einen ekligen Fleischer. „Mir wurde gesagt, ich hätte ein knetbares Gesicht“, sagt Sohsna.

Vom König zum Rentner

Er ist auch heute noch ein wacher Geist, liest viel und hält wenig von Internet und Smartphones. Der frühere „König“ hat selbst nicht viel weltlichen Reichtum, war eine Zeitlang arbeitslos, ist nun aber „staatlich anerkannter Rentner“ und blickt zufrieden auf sein Leben.

Er lamentiert nicht, sondern erinnert sich gerne an die Begegnungen während seiner Zeit als König. Aus allen Herren Ländern seien damals Touristen gekommen und hätten ein Foto mit ihm gemacht. „Einmal kamen sogar Nordkoreaner heimlich zu mir für ein Foto“, berichtet er. Als er Herzog Carl von Württemberg einmal traf, begrüßte er ihn mit den Worten: „Sie sind der Echte.“

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