Kornwestheimer Innenstadt Neue Fußgängerzone: Pläne überzeugen Gewerbetreibende nicht

Vor allem gebrechliche Kunden würden laut Kritikern unter den Plänen für eine neue Fußgängerzone in Kornwestheim leiden. Foto: Simon Granville

Wie soll die Güterbahnhofstraße in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) künftig aussehen? Die Stadt will eine Fußgängerzone einrichten, das missfällt Händlern. Gibt es Alternativen?

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Die Stadtverwaltung Kornwestheim würde gerne aus der Güterbahnhofstraße – aktuell eine Tempo-20-Zone – eine Fußgängerzone machen. Die Pläne hatte sie kürzlich gemeinsam mit Alternativen zur Aufwertung der Innenstadt in einer Bürgerinfoveranstaltung erstmals öffentlich präsentiert.

 

Bei den Gewerbetreibenden vor Ort stößt der Plan aber auf ein geteiltes Echo. Als „wichtiges Innenstadtsignal“ sieht Philipp von Olnhausen die Pläne. Der Inhaber von Lillich-Immobilien sieht die Chance, dass durch die Fußgängerzone die Aufenthaltsqualität in der Straße gesteigert wird. Dass Kunden „anhalten, kaufen und (Ware) schnell mitnehmen“ betreffe in der Straße abseits der Post, für die ein Alternativstandort gesucht wird, höchstens ein Geschäft. „Hier muss zum Wohl der Allgemeinheit abgewogen werden“, sagt von Olnhausen, der auch Vorsitzender des Vereins Haus & Grund in Kornwestheim ist.

Schon bei der Bürgerinfoveranstaltung hatte Reimund Jäger von Jäger Blumen & Trends gesagt, dass er eine Fußgängerzone ablehnt. Für seine Kunden sei es wichtig, bis vor das Geschäft fahren zu können, etwa um größere Gestecke abholen zu können. Auch Maria Hübner vom Sanitätshaus Gross ist gegen eine Fußgängerzone. „Unsere Kunden sind darauf angewiesen, nah ans Geschäft heranfahren zu können“, sagt die Filialleiterin. Die Pläne der Stadt seien ein Nachteil für alle Kunden, die nicht gut zu Fuß sind. Zudem befürchtet Hübner, dass eine Fußgängerzone eher keine neuen Einzelhändler anlocken werde. Sie wäre eher für eine verkehrsberuhigte Straße.

Der Zugang zum Parkhaus von der Güterbahnhofstraße soll deutlich aufgewertet werden. Foto: Simon Granville

Dafür ist auch Sylvia Kania. Die Inhaberin des Nagelstudios Nagelneu findet, dass die vorhandenen Geschäfte an der Güterbahnhofstraße eher nicht zum Flanieren einladen. Meist gehe es für Kunden darum, dort Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen. Sie sieht auch, dass täglich viele gebrechliche Menschen dort zum Ein- und Ausladen von Waren die Parkplätze nutzen.

Parkmöglichkeiten statt Fußgängerzone

Esat Gaye betreibt ein Küchenfachgeschäft an der Güterbahnhofstraße, und auch er wünscht sich statt einer Fußgängerzone einen verkehrsberuhigten Bereich mit Parkmöglichkeiten vor der Ladentür. „Aktuell stehen mehrere Geschäfte leer. Ich denke nicht, dass die Fußgängerzone die Geschäftsverhältnisse verbessern wird“, sagt Gaye. Wegen fehlender Parkmöglichkeiten ist auch Michael Combe, der in der Straße eine Massagepraxis betreibt, gegen eine Fußgängerzone: „Für Gewerbetreibende wäre es eine schlechte Lösung.“

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Auch wenn die Stadt im Vorfeld nur auf einzelne Händler in der Straße zugekommen sein soll, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Gemeinderat befasst sich im Frühling mit dem Thema und kann dann auch eine andere Alternative für die Sanierung der Güterbahnhofstraße bestimmen. Drei Alternativen wurden den Bürgern schon präsentiert. Die Stadt sucht aber weiter das Gespräch mit den Gewerbetreibenden.

Die Stadt möchte Park- oder Haltezonen an den Enden der Fußgängerzone einrichten. Zudem soll das City-Parkhaus mit Zugang zur Güterbahnhofstraße saniert werden, und der Zugang soll offener gestaltet werden. Ziel der Stadtverwaltung ist es, die Kunden zum Parken im City-Parkhaus zu animieren. Dieses ist derzeit bei weitem nicht ausgelastet.

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