Kornwestheimer Spedition ERA „Eine Riesen-Sauerei“ – Spediteur rechnet mit Dieselpreisen ab

, aktualisiert am 16.04.2026 - 09:38 Uhr
Die Mineralölkonzerne halten die Dieselpreise unnötig hoch, kritisiert Timo Conrad, Geschäftsführer der Kornwestheimer Spedition ERA. Foto: dpa, ERA

Timo Conrad rechnet vor, wie seine Spedition die Preise der Mineralölkonzerne belasten. Die Dieselsteuer-Senkung hält er für wenig nachhaltig. Der Verband rechnet mit mehr Insolvenzen.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Seit 25 Jahren führt Timo Conrad die Geschäfte der Kornwestheimer Spedition ERA. Doch was er derzeit erlebt, macht ihn trotz aller Erfahrung wütend. „Die Mineralölkonzerne machen sich die Taschen voll“, sagt er mit Blick auf die aktuellen Dieselpreise, die trotz der 12-Uhr-Regelung noch bei bis zu 2,20 Euro pro Liter stehen – fast 50 Cent mehr als vor dem Beginn des Iran-Kriegs vor knapp sechs Wochen.

 

Dass die Tankstellen die Preise seit dem 1. April nur noch einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöhen dürfen, habe die Situation nicht verbessert. „Es wäre besser gewesen, man hätte es genau andersherum gemacht – dass die Konzerne die Preise nur einmal am Tag senken dürfen“, sagt er. So aber werde der Preis überzogen erhöht nach dem Motto: Senken könne man ihn ja jederzeit.

Aber auch die Pläne der Koalition, die Energiesteuer auf Diesel und Benzin ab Mai für zwei Monate um jeweils 17 Cent pro Liter zu senken, hält er für wenig nachhaltig – auch wenn es gut sei, dass die Politik hier „überhaupt etwas mache“, wie er sagt. Doch die Einsparung würden die Mineralölkonzerne nur zum Teil weitergeben, das habe doch der Tankrabatt vom Sommer 2022 gezeigt. Deshalb sei es „eine Riesen-Sauerei, was da seit dem Beginn des Iran-Kriegs passiert“, sagt Conrad – und meint damit die Mineralölkonzerne.

Rund 200 Mitarbeitende beschäftigt seine Spedition, die zu den ältesten Kornwestheimer Familienunternehmen zählt. Rund jeder zweite Euro wird mit dem Landverkehr erwirtschaftet, 50 bis 80 Lastwagen fahren für ERA auf der Straße. Neben einer eigenen kleinen Flotte arbeitet die Spedition branchenüblich mit Subunternehmern zusammen. Der Preis für den Diesel spielt deshalb eine entscheidende Rolle.

Timo Conrad ist Geschäftsführer des Familienunternehmens ERA. Foto: ERA

Conrad rechnet vor, dass die Erhöhung des Dieselpreises seit Beginn des Iran-Kriegs sein Unternehmen um rund 50.000 Euro im Monat belastet habe. Zudem kletterten die Preise für Gas und Strom um rund 50 Prozent nach oben – auch das mache 10.000 bis 20.000 Euro mehr im Monat aus. Blieben die Preise auf diesem Niveau, würden sich die Mehrkosten auf knapp 800.000 Euro im Jahr summieren.

Rund 30 Millionen Umsatz erwirtschaftet ERA im Jahr. Zwischen zwei und vier Prozent betrage die Umsatzrendite einer Spedition im bundesweiten Branchenschnitt, sagt Conrad. Bei seiner Spedition würde das einen beträchtlichen Teil seines Gewinnes auffressen. Zum Glück habe er wie viele Firmen der Branche einen sogenannten Dieselfloater vereinbart, bei dem steigende wie fallende Dieselpreise an die Kunden weitergegeben werden. Ab welchen Preisschwankungen und nach welcher Zeit er greift, ist dabei Verhandlungssache. In der Regel müssen die Firmen die Mehrkosten vier bis acht Wochen vorfinanzieren. „Gerade für kleinere Firmen kann das zum Problem werden.“

Das bekräftigt auch Andrea Marongiu, Hauptgeschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), der mehr als 400 Speditionen und über 60.000 Beschäftigte im Südwesten vertritt. Kleinere Firmen mit geringer Liquidität könnten ins Straucheln kommen. Eng werde es, wenn deren Kunden die Mehrkosten aus dem Dieselfloater nicht oder zu spät zahlen könnten. „Man spürt, dass die Rechnungen länger liegen bleiben“, sagt Marongiu. „Wenn kleinere Firmen nur für ein, zwei Kunden fahren, sind sie potenziell erpressbar.“

Großteils aber verliefen die Gespräche zwischen Spediteuren und ihren Kunden positiv, betont Marongiu. Generell sei die Lage beherrschbar – allerdings mit Ausnahmen: „Wenn der Kunde mit dem Rücken an der Wand steht, sind selbst Verträge obsolet. Und wer als Spediteur keinen Dieselfloater hat, hat ohnehin ein Problem.“ Er schätze, dass drei von vier Speditionen den Dieselfloater nutzen, sagt Marongiu. „Aber da schwingt auch Hoffnung mit. Die Insolvenzen werden zunehmen.“

Für Firmen in finanzieller Schieflage könnte die Steuersenkung von 17 Cent pro Liter vorübergehend helfen. „Aber was machen wir nach zwei Monaten? Und wie viel kommt in dieser Zeit bei den Speditionen an? Das ist doch nicht nachhaltig.“ Nachhaltig heißt für den Verbandschef nicht notwendigerweise der Einsatz von mehr E-Lastwagen, sondern er meint generelle Steuersenkungen. „Das Gros der europäischen Länder erhebt niedrigere Energiesteuern auf Diesel.“ Dazu seien die CO2-Abgaben viel zu hoch.

Timo Conrad von der Spedition ERA sieht sich auch nach Ende des möglichen Tankrabatts gut gerüstet. Mit mehr als tausend Kunden ist seine Spedition ungewöhnlich breit aufgestellt. Dazu zählen kleine Handwerksbetriebe, aber auch große Automobilkonzerne.

Die Aufträge aus dem Automobilbau gehen zurück

Mehr noch als die steigenden Diesel- und Energiepreise mache ihm die schwächelnde Industrie Sorgen. Vor allem die Aufträge aus dem Automobil- und Maschinenbau gingen schon vor dem Krieg im Nahen Osten zurück, betont er: „Ich sehe momentan nicht, dass die Industrie den Turnaround geschafft hat.“ Das Glück der Spedition sei, dass die Aufträge aus der Pharma- und vor allem Rüstungsindustrie gestiegen seien.

Deshalb beunruhige ihn eher die Lage mancher Kunden. „Viele kleinere Kunden von uns haben massive Probleme, die Zahlungsmoral ist schleppend“, sagt Conrad und prophezeit: „Wir werden den einen oder anderen kleineren Kunden in der Insolvenz sehen.“

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