Kornwestheimer Zukunftsvision Campus für innovative Handwerker?
Die FDP in Kornwestheim will Platz schaffen für ideenreiche Schreiner, Elektriker und Co. Erste Rückmeldungen von Firmen sind positiv – es gibt aber noch viele offene Fragen.
Die FDP in Kornwestheim will Platz schaffen für ideenreiche Schreiner, Elektriker und Co. Erste Rückmeldungen von Firmen sind positiv – es gibt aber noch viele offene Fragen.
Kornwestheim - Das Gebäude, so schreibt es die FDP, könnte die Form des Buchstabens „U“ haben. Als bauliche Vergleiche bemühen die Kornwestheimer Liberalen zudem die Wagenhallen und das Stuttgarter Römerkastell. „Man könnte auf mehreren Etagen Mieteinheiten schaffen, eine Werkstatt im Erdgeschoss, Büro und Konferenzräume in Obergeschossen, im Zentrum eine gemeinsame Lagerhalle.“ Die Ideen stammen aus einem Antrag der Kornwestheimer FDP, den die Partei bereits im Herbst in die städtischen Haushaltsberatungen eingebracht hatte und der von der Stadtverwaltung zur weiteren Prüfung aufgenommen wurde. Was den Liberalen vorschwebt, ist nicht weniger als eine Art Innovationszentrum für Handwerker unter städtischer Federführung, als „Handwerker-Campus“ bezeichnen sie es.
Es gehe zum einen darum, einen Ort des Austauschs zu schaffen, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Ender Engin. „Besonders innovative Handwerker könnten hier Synergieeffekte nutzen, sich unterstützen, Kompetenzen bündeln“. Zum anderen könnte der Handwerker-Campus die Probleme einiger Betriebe lösen, die klein sind oder neu starten – er könnte Flächen vorhalten, auf denen sich Firmen flexibel ansiedeln könnten, dank der gemeinsamen Nutzung von Werkzeugen und Maschinen ließen sich Kosten sparen. Engin ergänzt: „Wir haben unsere Vorschläge bewusst offen gehalten.“ Man wolle erst einmal die Meinungen und Bedarfe örtlicher Handwerker dazu erfahren, ergänzt der Liberale, der selbst den gleichnamigen Kornwestheimer Elektrobetrieb führt und deswegen die Umfelder gut kennt, um die es geht.
Eine entsprechende Umfrage unter Kornwestheimer Handwerkern zum Thema läuft derzeit. Die städtische Wirtschaftsförderung verantwortet die Fragerunde. Sie hat 73 Betriebe angeschrieben, zehn Rückmeldungen trudelten bisher im Rathaus ein. Bis Freitag haben die Firmen noch Zeit, sich dazu zu äußern, ob und wie sie sich einen Campus vorstellen können. Eine konkrete Einschätzung sei erst nach Beendigung der Umfrage möglich, heißt es von der Verwaltung. Indes: „Die bisher eingegangenen Rückmeldungen der Handwerksbetriebe sind durchaus positiv. Vielen gefällt die Idee, die Umsetzung können sie sich aber noch nicht im Detail vorstellen“, so die Stadt.
Unterstützende Worte steuert Oliver Reichert bei, Wirtschaftsförderer des Landkreises Ludwigsburg und Angestellter der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart. „Es wäre grundsätzlich interessant, ein solches Projekt aus der Taufe zu heben“, sagt Reichert. Er betont: „Das ist nur eine erste persönliche Einschätzung und zunächst einmal geht es hier auch um ein Projekt der Stadt Kornwestheim.“
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Einen Handwerker-Campus als niederschwelliges Angebot fände er aber reizvoll, sagt der Wirtschaftsexperte. „Man könnte dort Gründungsaktivitäten fördern, die Firmen könnten gemeinsame Services nutzen.“ Einen weiteren Vorteil eines Handwerker-Campus sieht Reichert in der Signalwirkung. Das Handwerk habe damit zu kämpfen, dass es zu wenige qualifizierte Kräfte gibt. „Ein Campus würde die Attraktivität von Handwerksberufen sichtbarer machen, gerade auch mit Blick auf zukunftsgewandte, moderne Arbeitsumfelder.“ Reichert weist darauf hin, dass es nur wenige derartige Projekte gibt. Innovations- und Technologiezentren – in Kornwestheim zum Beispiel das Techmoteum – sind häufiger anzutreffen. Einen analogen Handwerker-Campus gebe es seines Wissens nach im Kreis Ludwigsburg nicht, auch in der Region und in Baden-Württemberg seien es nur einzelne vergleichbare oder verwandte Einrichtungen. Zu erwähnen sei hier etwa der Firmenzusammenschluss „Hand-in-Handwerker“ in Sindelfingen. Und: Auch die Kreishandwerkerschaft Ludwigsburg habe durchaus Interesse an dem Projekt signalisiert, weiß Reichert aus Gesprächen.
Mit den Kreishandwerkern ist die Stadt Kornwestheim ebenfalls im Austausch, sie will sich auch mit der Stuttgarter Handwerkskammer kurzschließen. Danach, und wenn die Umfragerunde abgeschlossen ist, könnte Kornwestheim dann gegebenenfalls in eine Konzeption gehen. Einen möglichen Standort für den Handwerkercampus hat die FDP übrigens bereits ausgemacht: Platz wäre im Gewerbe- und Industrieumfeld im Moldengraben an der Aldinger Straße. Hier gibt es heute eine Baulücke dort, wo vor einigen Jahren noch die alten Obdachlosenstandorte standen. „Das würde passen, zumal das Areal verkehrsgünstig an der B 27 liegt“, sagt Ender Engin. „Nähe, Kooperation, das kann ein echter Gewinn sein.“