Koronarsport Der Herzsport ist ein Sorgenkind

Von Caroline Holowiecki 

Vereine, die Koronarsport anbieten wollen, brauchen zwingend Mediziner, die die Kurse begleiten. Die zu finden, ist jedoch gar nicht so leicht, wie sich in Stuttgart-Heumaden zeigt. Und das ist kein Einzelfall.

Im November haben die Herzsportler des TSV Bernhausen Alarm geschlagen. Foto: Archiv Caroline Holowiecki
Im November haben die Herzsportler des TSV Bernhausen Alarm geschlagen. Foto: Archiv Caroline Holowiecki

Filder - Landauf, landab ruht wegen der Corona-Krise aktuell der Vereinssport. Doch auch wenn diese Zeit überwunden ist und der Betrieb wieder anläuft, wird beim TSV Heumaden wohl erst mal ein Sorgenkind bleiben: der Herzsport. Dieses Angebot ist neu im Club. Im Oktober haben erstmals Koronarsportler gemeinsam Gesundheitsübungen gemacht. „Voraussetzung für die Durchführung ist nicht nur ein qualifizierter Trainer, sondern auch ein Arzt, der die Stunde überwacht“, erklärt Denise Roth, die Leiterin der Geschäftsstelle. Diese Vorgabe bringt den Verein aber unter Druck.

Der Arzt kann nicht gewährleisten, jede Woche zu kommen

Zwei Mediziner hat der TSV bislang gefunden, in beiden Fällen jedoch gibt es ein Aber. Eine Ärztin sei grundsätzlich interessiert mitzumachen, steige wegen einer langen Anfahrt aber erst ein, wenn sie zwei Gruppen hintereinander betreuen könne. Aktuell gebe es in Heumaden nur eine Handvoll Herzsportwillige, „das reicht bei Weitem nicht für eine zweite Gruppe“, sagt Denise Roth. Der zweite Mediziner wiederum könne nicht gewährleisten, dass er jede Woche zum Training erscheinen könne. „Wenn der Arzt nicht kommt, müssen wir den Kurs absagen“, betont Denise Roth – es gebe bislang keinen Ersatz. „Das ist natürlich kein Zustand“, fügt sie an.

Derartige Probleme zwicken übrigens längst nicht nur den TSV Heumaden. Schon vor zwei Jahren mahnte die Ärztekammer Berlin einen „dramatischen Ärztemangel“ im Herzsport an. Bundesweit stehen Gruppen vor dem Aus. Im November schlug auch die entsprechende Abteilung im TSV Bernhausen Alarm, dass zwei der vier Herzsport-Gruppen, in der zusammengenommen gut 100 Personen etwas für ihre Gesundheit tun, in Gefahr seien. Der Vorsitzende Jochen Köker bestätigte seinerzeit gegenüber unserer Zeitung, dass aus Alters- und beruflichen Gründen Ärzte fehlten.

Das Problem besteht bundesweit

Auch beim württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRS), mit mehr als 25 000 Mitgliedern in über 450 Vereinen einer der größten Behindertensportverbände bundesweit, ist das Thema angekommen. „Es ist seit Längeren bekannt, dass vermehrt Vereine Probleme bei der Findung von Medizinern – speziell im Herzsport – haben“, sagt Thomas Nuss, der Geschäftsführer. In zwei Bundesländern seien daher bereits Studien zu alternativen Betreuungsmöglichkeiten, etwa durch Notfallsanitäter, gemacht worden. „Hierzu werden aktuell der Abschlussbericht und die daraus resultierende Empfehlung durch eine Universität erstellt“, erklärt er. Ein Beschluss zur Änderung der Vorgaben müsse dann in der Rahmenvereinbarung hinterlegt werden. „Dies kann nur durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitationssport erfolgen“, sagt Thomas Nuss, grundsätzlich aber würde er eine Öffnung der Vorgaben begrüßen.

Auch beim TSV Heumaden würde man sich wünschen, dass sich etwas tut. Bis dahin ist der Verein weiterhin auf der Suche nach Ärzten, die nach dem Ende der Corona-Krise gegen Honorar beim Herzsport aushelfen. Es wird eine schwere Suche werden. „Es scheitert nicht am Geld, sondern an den Kapazitäten“, hat Denise Roth erfahren.

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