Korruption im Verteidigungsministerium Hartes Durchgreifen in Kiew sieht anders aus

Verteidigungsminister Resnikow muss gehen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

In der Ukraine muss nicht nur der Verteidigungsminister wegen Korruption gehen. Doch dieser Kampf wird nicht mit aller Macht geführt, kommentiert Christian Gottschalk.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Der Krieg, den die Ukraine derzeit zu erleiden hat, ist sicher der größte Hemmschuh des Landes auf einem Weg in die Europäische Union. An zweiter Stelle steht die Korruption. So gesehen ist es nur konsequent, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj nun seinen Verteidigungsminister aus dem Amt bugsierte. Gerüchte über massive Unregelmäßigkeiten im Ministerium hielten sich seit langem.

 

Und es ist nicht der erste Schritt in dieser Richtung. Anfang August entließ Selenski die regionalen Verantwortlichen für die Rekrutierung von Soldaten. Zuvor war bekannt geworden, dass sich Wehrpflichtige mit Schmiergeldzahlungen dem Dienst entziehen konnten. Seit dem Wochenende sitzt zudem der Oligarch Ihor Kolomojskyj in Untersuchungshaft. Der Mann war einst mächtigster Unterstützer und Förderer des aktuellen Präsidenten.

Nur die Spitze eines Eisberges

Das klingt nach hartem Durchgreifen. Aber ist dem wirklich so? Die Vorwürfe gegen Kolomojskyj erfassen nur den Gipfel eines Eisberges. Seit Jahren wird gegen den Geschäftsmann in den USA und England vor Gericht verhandelt. Dabei geht es um Milliarden von Dollar. In der Ukraine geht es nur um wenige Millionen. Und der gefeuerte Verteidigungsminister ist hinter den Kulissen schon für neue Aufgaben im Gespräch. Ob der Ukraine mit ihrem Antikorruptionskampf im Krieg gelingt, was schon zu Friedenszeiten nicht funktioniert hat, daran dürfen auch weiter Zweifel bestehen.

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