Der Ex-Landesbanker Gerhard Gribkowsky hat sich von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone bestechen lassen. Der Fall birgt Sprengkraft – auch für den Stuttgarter Daimler-Konzern.

München - Bewährungsstrafen bei Korruptionsprozessen gegen deutsche Manager sind die Regel, wenn ihnen persönliche Schuld nachgewiesen wird. Aber nicht nur wegen des Strafmaßes von achteinhalb Jahren Haft war das Verfahren gegen den Ex-Landesbanker Gerhard Gribkowsky eine Ausnahme. So dreist wie der 54-Jährige hat sich noch kein Banker bedient.

Der ehemalige Vorstand der BayernLB sollte für seinen Arbeitgeber im Jahr 2005 Formel-1-Anteile verkaufen. Dabei ließ er sich vom Chef des Rennsportzirkus, Bernie Ecclestone, mit 35 Millionen Euro bestechen. Die Bestechungssumme hat sich das Duo von der BayernLB erschlichen. Das sieht das Landgericht München als erwiesen an. Gribkowsky hat alles zugegeben. Rechtskräftig ist das Urteil aber noch nicht, weil sich der Banker zu hart bestraft wähnt und in Revision gegangen ist. Für sein spätes Geständnis am letzten Verhandlungstag vor Urteilsverkündung hatte sich der Banker eine mildere Strafe ausgerechnet. Eine Chance darauf hatte er sich allerdings auch durch sein hartnäckiges Schweigen zuvor verbaut.

Wo ein Bestochener ist, gibt es jemanden, der geschmiert hat

Nicht allein wegen Gribkowskys Revision ist der Fall aber noch nicht ausgestanden. Denn wo ein Bestochener ist, gibt es auch jemanden, der ihn geschmiert hat. Dieser ist mit Ecclestone nicht irgendjemand, sondern eine Legende, um die sich viele Geschichten aus einer zwielichtigen Welt ranken. Gerhard Gribkowsky hat mittlerweile nicht nur vor Gericht gestanden, sondern danach auch stundenlang bei Staatsanwälten über seine Kumpanei mit dem 81-jährigen Briten ausgesagt. Gegen den läuft seit Langem ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue. Zu einer Anklage konnte sich die deutsche Justiz noch nicht durchringen. Gemunkelt wird aber, dass Bernie Ecclestone vor Kurzem nur deshalb nicht zum Formel-1-Rennen am Hockenheimring erschienen ist, weil er befürchten musste, dass ihn dort deutsche Staatsanwälte erwarten.

Die deutschen Anwälte des Briten haben bereits alles versucht, das Geständnis des Bankers als taktische Lüge zu verunglimpfen, als falsches Eingeständnis, das ihm ein noch härteres Urteil erspart hat. Sie behaupten, dass Gribkowsky ihren Mandanten erpresst hat und die Millionen damit kein Bestechungsgeld waren. Das hätte Ecclestone aber selbst erklären können bei seiner Zeugenaussage im Münchner Landgericht im Gribkowsky-Prozess. Damals hat er das Wort Erpressung ausdrücklich nicht in den Mund genommen und den Grund für die Millionenzahlung im Ungefähren gelassen. Keinesfalls habe er gezahlt, weil der Banker für einen ihm genehmen Käufer der Formel-1-Anteile gesorgt habe, beteuerte Ecclestone.

Auch Daimler beobachtet das juristische Ringen

Schon damals war Richter Peter Noll aber mehr als skeptisch, ob Bernie Ecclestone die Wahrheit sagte. Ein Geheimwissen mit Erpressungspotenzial seitens Gribkowskys konnte der in Wirtschaftsdelikten erfahrene Richter nicht erkennen. Ecclestones Anwälte versichern dagegen, dass Gerhard Gribkowsky mit Informationen an den britischen Fiskus gedroht habe, die bei Ecclestone eine milliardenschwere Steuernachforderung hätten auslösen können.

Ob dieser doch noch vor einem deutschen oder britischen Gericht angeklagt wird, ist nicht nur für ihn selbst oder die Formel 1 von Belang. Aufmerksam beobachtet wird das juristische Ringen auch vom Daimler-Konzern. Denn die strengen Antikorruptionsrichtlinien der Stuttgarter schließen Geschäfte mit Partnern aus, die Gesetze brechen – was auch Konzernchef Dieter Zetsche kürzlich nochmals bestätigt hat. Wer sich nicht an das Recht halte, müsse seitens Daimler mit Konsequenzen rechnen, meinte der Manager vage, als er auf Ecclestone angesprochen wurde. Ob dafür im Fall des Briten auch ein Haftbefehl reicht, blieb offen. Der Korruptionsfall Gribkowsky birgt Sprengkraft.