Korruptionsskandal in Spanien Cristina soll auf die Anklagebank

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Ein Mallorquiner Untersuchungsrichter hat nach vier Jahren seine Ermittlungen in der Korruptionsaffäre Nóos abgeschlossen. Er kommt zu dem Schluss, dass neben 15 weiteren Beschuldigten auch Cristina der Prozess gemacht werden sollte.

Cristina sagt, sie wisse nicht, woher das fragliche Geld kommt. Foto: AFP
Cristina sagt, sie wisse nicht, woher das fragliche Geld kommt. Foto: AFP

Madrid - Pedro Castro ahnte nicht, was auf ihn zukommen würde. Der Richter am Untersuchungsgericht Nummer 3 in Palma de Mallorca versuchte einst herauszufinden, ob hinter der Kostenexplosion beim Bau der Veranstaltungshalle Palma Arena (die statt 48 Millionen Euro mehr als 110 Millionen Euro gekostet hatte) kriminelle Machenschaften steckten. Im Wust der Akten stieß er vor vier Jahren eher zufällig auf einen Vertrag zwischen der Regionalregierung der Balearen und einem angeblich gemeinnützigen Verein, dem Instituto Nóos, der ihm merkwürdig vorkam. Am Mittwoch nun hat er seine damals aufgenommenen Ermittlungen im Fall Nóos abgeschlossen. Er empfiehlt, 16 Beschuldigte auf die Anklagebank zu setzen. Die Berühmteste unter ihnen ist Cristina de Borbón y Grecia, die nächstältere Schwester des neuen Königs Felipe VI.

Ohne es zu wollen, hat der Richter Castro in den vergangenen Jahren Zeitgeschichte geschrieben. Der Fall Nóos machte anfangs Schlagzeilen als königliche Schwiegersohnaffäre: Iñaki Urdangarin – Cristinas Ehemann und damit Schwiegersohn des damaligen Königs Juan Carlos – war Mitbegründer des Instituto Nóos, das nach den Ermittlungen Castros keineswegs gemeinnützige Zwecke hatte, sondern den einzigen Zweck, seine Gesellschafter zu bereichern. Nóos organisierte für die Regionalregierungen der Balearen und Valencias Kongresse von zweifelhaftem Nutzen, in denen über die Vorzüge von Sportveranstaltungen für die Touristenwerbung gesprochen wurde. Dafür kassierte Nóos von den öffentlichen Auftraggebern mutmaßlich weit überhöhte Preise.

Ein Stich ins Herz der spanischen Monarchie

Der Fall Nóos war ein Messerstich ins Herz der spanischen Monarchie. Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise und heimgesucht von beinahe tägliche neuen Korruptionsmeldungen verloren die Spanier das Vertrauen in eine Institution, die nach eigenem Verständnis von ihre „Mustergültigkeit“ lebt. Dass Juan Carlos Anfang des Monats zugunsten seines Sohnes Felipe abdankte, ist ohne die Arbeit des Richters Castro am Fall Nóos nicht zu erklären. Dass Castro neben Urdangarin auch dessen Ehefrau Cristina der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche beschuldigt, kommt wenig überraschend. Schon im Februar musste sich die Infantin in dieser Sache von dem Richter in Palma vernehmen lassen. Cristina war 50-Prozent-Teilhaberin einer Vermögensverwaltungsfirma, Aizoon, auf deren Konten Urdangarin seinen Anteil aus den Gewinnen der Nóos-Geschäfte überwies. Cristina selbst verteidigt sich, sie habe von der mutmaßlichen Herkunft des Geldes nichts gewusst. Ein Argument, das auch die Staatsanwaltschaft überzeugt, die gegen den Beschluss des Richters Castro vom Mittwoch Widerspruch einlegen will. Dass die Königsschwester eines Tages wirklich auf der Anklagebank sitzen wird, ist zumindest zweifelhaft.