Kosmetik Der Weg durch den Schmink-Dschungel

Wie verwende ich Rouge, ohne nachher einen Balken auf der Wange zu haben? Welcher Lidschatten gehört auf welchen Teil des Auges? Drei Profis aus der Region erzählen, worauf es beim Schminken ankommt.

Christel Frank hat vor 50 Jahren bei Avon angefangen – und denkt nicht ans Aufhören. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Christel Frank hat vor 50 Jahren bei Avon angefangen – und denkt nicht ans Aufhören. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Concealer, Sculpting Powder, Serum- Foundation, Eye Primer: der Markt an Kosmetikprodukten ist so groß, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Wie verwende ich Rouge, ohne einen Balken auf der Wange zu haben? Wohin kommt die gelbe Creme, wohin die grüne? Welcher Lidschatten gehört auf welchen Teil des Auges? Und wie kriege ich das hin, ohne zwei Stunden im Bad zu stehen?

Sich vorteilhaft zu schminken ist mitunter nicht einfach. Schließlich „ist jede Frau individuell, es gibt verschiedene Gesichts- und Augenformen, Augen- und Haarfarben“, sagt Ann-Kathrin Berchtold, und all das beeinflusst, welches Make-up einer Frau steht. Berchtold ist 27, lebt in Vaihingen an der Enz und ist als selbst­ständige Make-up-Artist unterwegs. Sie schminkt Bräute, Models für Werbeaufnahmen oder auch die Schauspielerin Annette Frier für einen Auftritt bei einem Immobilienforum in Fellbach. „Man kann aus jedem Typ etwas machen, indem man die natürliche Schönheit unterstreicht“, erklärt Berchtold. „Am wichtigsten ist mir, dass die Kundin sich im Spiegel ansieht und spontan sagt: So bin ich schön, so gefalle ich mir.“

Der Umsatz der Kosmetikbranche ist groß

Schminke ist ein großes Geschäft: Rund 1,6 Milliarden Euro sind 2014 in Deutschland für dekorative Kosmetik ausgegeben worden, am meisten für Wimperntusche, Foundation und Lippenstift – in dieser Reihenfolge. Auf rund elf Milliarden Euro wird der Umsatz im Jahr 2015 geschätzt, was Kosmetik, Gesichts- und Körperpflegeprodukte insgesamt angeht.

Wie viele Fehlkäufe darunter sind, darüber informiert keine Statistik. Wer den Lippenstift der besten Freundin toll findet und ihn selbst kauft, kann Pech haben. Was einer Frau steht, sieht an einer anderen manchmal furchtbar aus. „Schon kleine Veränderungen können viel bewirken“, sagt die Visagistin Shima Shahidi. Die 30-Jährige ist Personal-Beauty-Shopperin bei Breuninger und berät dort rund 30 Kundinnen pro Woche. Viele bringen Artikel aus Modezeitschriften oder Fotos mit und möchten so geschminkt werden – oft passt das jeweilige Make-up nicht zum eigenen Typ. Shahidi rät in solchen Fällen zu anderen Nuancen in derselben Farbfamilie.

Mit genauen Fragen versucht Christel Frank herauszufinden, was ihre Kundin möchte: „Wie schminken Sie sich? Was wollen Sie verändern? Welche Farben gefallen Ihnen? Kräftige oder dezente?“ Allerdings, sagt sie, stecke auch hier der Teufel im Detail: „Jeder versteht etwas anderes unter dezent. Für manche kann das auch grüner Lidschatten sein.“ Die 65-Jährige ist Avon-Beraterin – und das schon lange: „Mit 15 habe ich angefangen, in der Nachfolge meiner Mutter“, erinnert sie sich. Zuletzt war sie Avon-Geschäftsführerin in Österreich. Auch im Ruhestand kann sie nicht ohne, darum ist sie jetzt wieder ein­fache Beraterin in Ludwigsburg: „Ich liebe es, zu meinen Kundinnen zu gehen und ihre Bedürfnisse herauszufinden“, erzählt Frank. „Und ich probiere neue Produkte auch selbst gerne aus, damit ich weiß, wem ich sie weiterempfehlen kann.“ Denn das Vertrauen der Kundin müsse man sich erst erarbeiten: „Dann wird genauer nachgefragt und um Tipps gebeten.“ Am häufigsten wird sie in Sachen Hautpflege gefragt, zur richtigen Gesichtsreinigung und zu Lippenstiftfarben.

Das Make-up darf nicht zu dunkel sein

Lippenstifte gehören hierzulande gleich nach der Wimperntusche zu den beliebtesten Kosmetikprodukten. Während der Auftrag nicht schwer ist, empfiehlt es sich, die Lippen vorher mit einem Lipliner-Stift in derselben Farbe zu umranden, damit die Farbe nicht verläuft. „Die Farbe mit dem Finger gut einklopfen“, empfiehlt Ann-Kathrin Berchtold. Dabei sollte man auf die richtige Nuance achten. „Das ist von Typ zu Typ verschieden – manchen stehen blaustichige Rottöne besser, anderen gelbstichige“, sagt Shima Shahidi. Sie rät, nichts zu kaufen, ohne es an sich getestet zu haben.

Bei Lippenstift mag das Testen noch einfach sein, aber bei Make-up schon nicht mehr: „Viele testen am Innenarm, ob sie den richtigen Farbton haben“, berichtet Shahidi. An dieser Stelle habe die Haut aber meistens einen anderen Ton als im Gesicht – besser ist es, den Farbton der Foundation am Kieferknochen zu testen, am Übergang zwischen Gesicht und Hals. „Jede Foundation dunkelt nach, darum ist es wichtig, nach dem Auftrag zu warten“, so Shima Shahidi. Und, das betonen die Profis mit Nachdruck: den aufgetragenen Farbton im Tageslicht ansehen, „im Kunstlicht sieht alles anders aus“, sagt Berchtold. Und es gibt immer noch eine Tendenz, den Founda­tionton zu dunkel zu wählen – obwohl es ja darum geht, dem eigenen Hautton so nahe wie möglich zu kommen.

Außerdem: „Bei blauen Augen nie blaue Lidschatten“, sagt Berchtold, „sondern lieber braune und graue Lidschatten. Auch sanfte Apricottöne können schön sein.“ Zu grünen Augen empfiehlt sie Flieder- und Brauntöne. „Und mit braunen Augen steht einem fast alles.“

Auch Männer, berichtet Shima Shahidi, kommen immer häufiger zu ihr. „Das sind oft Geschäftsmänner, die für Präsentationen oder Vorträge gut aussehen wollen“, erzählt sie, „sie wünschen sich Abdeckstift für ihre Augenringe oder ein bisschen Puder, damit sie im Gesicht nicht glänzen.“

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