Kosovo-Einsatz der Bundeswehr Gestorbener Kfor-Soldat wird nicht exhumiert

Von Andreas Förster 

Der mysteriöse Tod des Bundeswehrsoldaten André Horn, der im Kosovo eingesetzt war, wird nicht weiter aufgeklärt. Das Verteidigungsministerium schließt eine mögliche akute Vergiftung durch uranhaltige Munition aus und lehnt die geforderte Exhumierung ab.

Ende Januar 2000 ist der damals 23-jährige André Horn in Prizren gestorben. Foto: privat
Ende Januar 2000 ist der damals 23-jährige André Horn in Prizren gestorben. Foto: privat

Berlin - Mehr als 14 Jahre nach dem mysteriösen Tod eines deutschen Kfor-Soldaten im Kosovo sträubt sich das Verteidigungsministerium weiter gegen eine Exhumierung und Untersuchung des Leichnams. Die Erkrankung und der Tod des Hauptgefreiten André Horn im Feldlagerlazarett von Prizren seien nicht auf eine mögliche akute Vergiftung durch uranhaltige Munition zurückzuführen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion. „Durch eine Exhumierung und Gewebeanalyse sind deshalb keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.“

Die Stuttgarter Zeitung hatte Anfang August über den tragischen Fall des Bundeswehr-Soldaten aus Neupetershain bei Cottbus berichtet. Am 31. Januar 2000 war der damals 23-jährige André Horn nach einem extrem kurzen und heftigen Krankheitsverlauf in Prizren gestorben.

Als offizielle Todesursache gilt eine atypisch verlaufene Meningokokken-Sepsis. Allerdings sind namhafte unabhängige Wissenschaftler in Expertisen über den ungewöhnlichen Krankheitsverlauf zu dem Schluss gekommen, dass der Hauptgefreite auch an einer schweren Vergiftung durch Depleted Uranium (DU, deutsch: abgereichertes Uran) gelitten haben könnte, die er sich im Kosovo zugezogen hat. DU ist Bestandteil von Uranmunition, das im Kosovo-Krieg 1999 in einer Größenordnung von etwa zehn Tonnen durch die NATO-Truppen abgefeuert worden ist.

Bundeswehrverband sieht hohe Risiken

Die Bundesregierung schließt hingegen eine Gesundheitsgefährdung durch DU-Munitionsreste aus. Soldaten, die in Gebieten operieren, in denen zuvor DU-Munition verschossen wurde, seien nach ihrer Einschätzung nur einer „möglichen geringgradigen Risikoerhöhung“ ausgesetzt, heißt es in der Antwort auf die Anfrage.

Anders als das Verteidigungsministerium sieht jedoch der Deutsche Bundeswehrverband erhebliche Gesundheitsrisiken durch DU-Munition. „Das abgereicherte Uran in der DU-Munition ruft aufgrund seiner hochtoxischen Wirkung und Chemo- und Radioaktivität Langzeitschäden, genetische Defekte, Krebserkrankungen u.v.m. hervor“, heißt es in einem Schreiben des Verbandes an die Linken-Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz vom Mai. Der Verband beruft sich dabei auf eine 2013 vorgelegte Untersuchung der Deutschen Sektion der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“. In dem Report werden etliche Krankheitsfälle beschrieben, die im Zusammenhang mit DU-Munition stehen, darunter mehrere aus dem Kosovo.

Die Familie wird nicht erhört

Das Verteidigungsministerium hatte noch im Juli 1999 das von DU-Munition ausgehende Gesundheitsrisiko deutlich höher eingeschätzt. Im Zusammenhang mit dem Kosovo-Einsatz waren die Soldaten damals ausdrücklich vor dem Kontakt mit uranverseuchtem Erdstaub gewarnt worden. Die „Aufnahme von DU-Partikeln in den Körper (ist) wegen der radiologischen und toxischen Wirkung … zu vermeiden“, hieß es in einem Schreiben an die Bundeswehr. Horn war seinerzeit im Kosovo in einer Instandsetzungseinheit eingesetzt, die Bundeswehrfahrzeuge wartete, die zuvor durch früheres Kampfgebiet gefahren sind.

Der Nachweis einer radiologischen Vergiftung wäre noch möglich, wenn der Leichnam des Soldaten exhumiert und Gewebe daraus wissenschaftlich analysiert wird. Doch die mehrfach von der Familie des Soldaten geäußerte Bitte, eine solche finanziell aufwändige Untersuchung durchführen zu lassen, lehnt das Ministerium ab. „Offenbar hat die Bundesregierung kein Interesse an einer Untersuchung des Leichnams von André Horn, weil sie die Ergebnisse fürchtet“, sagt die verteidigungspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz. Denn diese könnten verdeutlichen, dass von der eingesetzten Uranmunition tödliche Gefahren ausgehen – auch nach Kriegsende.