Kostendebatte um Stuttgart 21 Gegner sehen sich bestätigt

Von dpa/lsw 

Die Gegner von Stuttgart 21 sehen durch einen „Spiegel“-Bericht über geschönte Kostenangaben zum Bauvorhaben ihre Befürchtungen bestätigt.

Die Entscheidungen seien auf zweifelhaften Grundlagen getroffen worden, sagt Brigitte Dahlbender, Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. Foto: dpa
Die Entscheidungen seien "auf zweifelhaften Grundlagen getroffen" worden, sagt Brigitte Dahlbender, Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. Foto: dpa

Stuttgart - Die Gegner von Stuttgart 21 sehen durch einen „Spiegel“-Bericht über geschönte Kostenangaben der Bahn zum Bauvorhaben ihre Befürchtungen bestätigt. „Das nähert sich der von uns angenommenen Summe von mehr als fünf Milliarden Euro an“, sagte die Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Brigitte Dahlbender, am Montag der dpa in Stuttgart. Aktuell gibt die Bahn die Kosten mit 4,1 Milliarden Euro an.

Es handelt sich bei den Bahn-Unterlagen offenbar um Dokumente aus den Jahren 2002 bis 2010. Die Papiere ließen den Schluss zu, dass bereits vor zwei Jahren bahnintern die Kosten für den Bahnhofsumbau mit weit über 4,5 Milliarden Euro berechnet wurden. Damit hätte das Projekt nach den Vorgaben von Bahnchef Rüdiger Grube beendet werden müssen.

Dahlbender verwies auf ein vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und den Grünen im Gemeinderat in Auftrag gegebenen Gutachten aus dem Jahr 2008, in dem die Kosten auf mehr als fünf Milliarden Euro geschätzt werden. Auf Mehrkosten von 2,8 Milliarden Euro waren die Verkehrswissenschaftler Martin Vieregg und Karlheinz Rössler gekommen, weil alte Pläne nicht an veränderte Tunnelbaulängen und die Inflation angepasst worden seien. Damals hatte die Bahn noch Kosten von 2,8 Milliarden Euro angegeben.

Dahlbender fordert Aufklärung

Dahlbender sieht nun auch die Argumentation, Stuttgart 21 sei durch etliche Gremien wie den Landtag und den Stuttgarter Gemeinderat demokratisch legitimiert, in schiefem Licht. „Denn die Entscheidungen wurden auf zweifelhaften Grundlagen getroffen.“ Sie appellierte an die Projektträger, Aufklärung von der Bahn einzufordern.

Die Landeschefin des BUND erinnerte daran, dass die Bahn noch Konzepte sowohl für den Brandschutz als auch für die Barrierefreiheit im Tiefbahnhof und Pläne für den Anschluss an die Gäubau schuldig sei; zusätzliche Kosten könnten sich aus dem noch ausstehenden Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt 1.3 - Flughafenanbindung auf den Fildern - und dem Antrag der Bahn beim Eisenbahnbundesamt auf erhöhte Wasserentnahme für den Bau des Tiefbahnhofes ergeben.

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