Die Aufbruchstimmung nach der Grundsatzentscheidung, die Stuttgarter Staatsoper zu sanieren, scheint schon wieder verflogen. Das liegt nicht nur an der Pandemiezeit und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die vieles andere überschatten. Offenbar ist der Stadt auch jene Stringenz abhanden gekommen, mit der der frühere OB Fritz Kuhn sich des Themas angenommen hat.
Nun kann man angesichts der Kostenerhöhung allein bei der Interimsoper trefflich darüber streiten, ob die Entscheidung des grünen Rathauschefs, das bereits als Interimsoper auserkorene Paketpostamt am Rosensteinpark wegen zu hoher Umbaukosten zu canceln, richtig war. Manche trauern dem Standort angesichts der Unwägbarkeiten bei den Wagenhallen jetzt schon nach.
Nicht Riesenräder zur Chefsache machen, sondern Riesenprojekte
Richtig ist aber auch, dass sich Kuhn höchstpersönlich intensiv um das Milliardenprojekt gekümmert hat – bevor er überraschend auf eine weitere Amtszeit verzichtete. Seinem Nachfolger Frank Nopper (CDU) blieb es vorbehalten, den Grundsatzbeschluss zur Sanierung herbeizuführen. Seither dümpelt das Milliardenprojekt vor sich hin.
Nopper hat zwar vieles zur Chefsache erklärt – etwa das Riesenrad auf dem Schlossplatz – doch beim Thema Oper verlässt er sich offenbar darauf, dass die „Arbeitsebene“ das Ding schon schaukeln wird. Dass das ein Trugschluss ist, zeigen die Irritationen bei den Projektpartnern Land und Staatstheater, die von der Verschiebung des Eröffnungstermins der Interimsoper aus der Zeitung erfahren haben.
Zu hoffen bleibt, dass die Projektpartner beim Thema Gesamtkosten weiter jene Ehrlichkeit an den Tag legen, mit der sie dereinst gestartet sind. Der Krieg und Corona werden das Projekt verteuern, da hilft kein Beschwichtigen. Die Steuerzahler haben einen Anspruch auf Transparenz.