Am Wochenende sollen zahlreiche Veranstaltungen Besucher nach Stuttgart locken. Damit der Ansturm gesichert ist, ist die Fahrt mit Bus und Bahn in Zone 1 wieder frei. Aber keiner weiß, ob sich die Kosten von insgesamt 750 000 Euro lohnen.

Lokales: Martin Haar (mh)

Die Stadt lockt am Wochenende wieder. Gleich mit drei Veranstaltungen: mit dem Wissenschaftsfestival, dem Kinder- und Jugend-Festival und der Langen Marktnacht. Letztere wird bei der zweiten Auflage da stattfinden, wo sie hingehört: auf dem Marktplatz. Wegen der Umbauarbeiten waren die Veranstalter, die City-Initiative Stuttgart (CIS) und die Märkte-GmbH der Stadt bei der Premiere auf den Schillerplatz ausgewichen. Jetzt also das erste Heimspiel. Nachdem die regulären Marktbeschicker am Samstag ihre Stände abgebaut haben, bauen 23 Beschicker aus dem ganzen Stadtgebiet auf, um die Besucher von 17 bis 22 Uhr mit ausgewählten Spezereien zu verwöhnen. Im Angebot ist von Austern bis Haxe fast alles.

„Durch den Umzug auf den Marktplatz wird die Stuttgarter Marktnacht noch einmal an Bedeutung gewinnen“, glaubt Thomas Lehmann von der Stuttgarter Märkte-GmbH und bekommt von Citymanager Sven Hahn absolute Zustimmung: „Auf dem Marktplatz ist noch mehr Raum für ein größeres Angebot.“ Dabei vergisst er nicht zu erwähnen, dass das kulinarische Markttreiben noch einen kleinen Satelliten im Dorotheen Quartier hat. Und je nachdem, wie sich die zweite Auflage der Marktnacht entwickelt, könnte dieses Vorbild Schule machen. „Ich kann mir schon vorstellen, dass sich die Marktnacht einmal nach dem Muster des Weindorfes bis zum Schillerplatz ausdehnt.“

Grundlage dafür ist der Erfolg der Veranstaltung. Und hier spielt der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart, kurz VVS, eine wichtige Rolle. Denn an diesem Samstag transportiert der VVS die Fahrgäste wie schon bei der Einkaufsnacht im Mai in Zone eins kostenlos. Der Gemeinderatsbeschluss, für drei Samstag insgesamt 750 000 Euro aus dem Stadtsäckel zu spendieren, ist aus Sicht des Citymanagers begrüßenswert.

Alles, was dazu beiträgt, die Stadt einfacher und günstiger zu erreichen, helfe dem Handel, der Gastronomie und den Kulturschaffenden: „Kostenloser ÖPNV ist ein hervorragendes Mittel, um die Innenstadt zu beleben. Die Anreise nach Stuttgart zu vereinfachen, ist einer der besten Wege die Anziehungskraft der Stadt zu steigern und parallel positive Entwicklungen in Sachen Mobilität zu unterstützen.“ Wie sich der kostenlose ÖPNV konkret auf die Fahrgastzahlen und damit auf die Belebung der Innenstadt auswirkt, bleibt indes ein Rätsel. Hahn kann sagen, dass die Passantenfrequenz beim ersten der vier freien Samstage um bis zu 40 Prozent zugenommen habe. Aber mit welchem Verkehrsmittel die Besucher in die Stadt gekommen sind, weiß niemand. Auch der VVS kann keine Zahlen nennen. Dabei wäre dieses Wissen aus Sicht von Hahn immens wertvoll. Nur so lässt sich mit Gewissheit sagen, ob sich der Einsatz von Steuergeld lohnt. „Es gibt ein Angebot der Fraunhofer-Gesellschaft an die Stadt, hier eine verlässliche Studie zu machen“, sagt Hahn, „allerdings besteht offenbar kein Interesse.“ Aber vielleicht, so hofft der Citymanager, böten sich am 17. September (Europäische Mobilitätswoche) und am 5. November (Lange Einkaufsnacht) noch Möglichkeiten. Denn auch dann ist die Fahrt in Bus und Bahn in der Zone eins kostenlos.