Kostenloses Wlan in Stuttgart Eine Stadt sucht Anschluss

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Berlin hat es, Heidenheim hat es, Pforzheim hat es: ein offenes und freies Wlan-Netz in der Innenstadt. Das soll es vielleicht auch bald in Stuttgart geben. Nur: die Planungen dafür stehen noch ganz am Anfang.

Auch in Stuttgart kann man demnächst vielleicht kostenlos im Wlan surfen. In Pforzheim gibt es das bereits. Wir haben uns dort in der Fußgängerzone umgehört. Die Umfrage gibt es in unserer Bildergalerie. Foto: dpa 7 Bilder
Auch in Stuttgart kann man demnächst vielleicht kostenlos im Wlan surfen. In Pforzheim gibt es das bereits. Wir haben uns dort in der Fußgängerzone umgehört. Die Umfrage gibt es in unserer Bildergalerie. Foto: dpa

Stuttgart - Berlin hat es, Heidenheim hat es, Pforzheim hat es: Etwas neidisch blicken Menschen, die auf Schritt und Tritt einen Laptop mitschleppen, zurzeit in jene Städte. Dort haben Internetnutzer die Möglichkeit, sich in der Innenstadt in ein offenes und freies Wlan-Netz, eine drahtlose Internetverbindung, einzuwählen. Das soll es vielleicht auch bald in Stuttgart geben. Die Wirtschaftsförderung der Stadt klärt zurzeit, wie ein solches Netz im Stadtzentrum eingerichtet werden könnte.

Die Planungen dafür stehen noch am Anfang. „Wir prüfen, ob und wie es eingerichtet werden kann“, sagt Ines Aufrecht, die Wirtschaftsförderin der Stadt. Man habe sich ­natürlich mit den Verantwortlichen in Pforzheim ausgetauscht, um zu erfahren, wie die Funkverbindung ins Internet dort installiert wurde. Zu den Möglichkeiten, die zu analysieren seien, zähle das Engagement einer privaten Initiative ebenso wie Angebote von Stadtmöblierern, die in ihre Produkte für den öffentlichen Raum die Technik einbauen könnten.

Gedanken über die Störerhaftung

Die Stadt muss sich zudem rechtlich absichern. „Wir müssen uns Gedanken über die sogenannte Störerhaftung machen“, erläutert Aufrecht. Das ist die Haftung dafür, wenn sich jemand ins Wlan einwählt und illegal Daten aus dem Netz lädt oder verbotene Inhalte nutzt. Diese Haftung müsse der Anbieter übernehmen, der das Funkinternet technisch umsetze. „Das können wir nicht als Stadt“, stellt die Wirtschaftsförderin klar.

Grundsätzlich sehe sie die Idee positiv. „Stuttgart ist eine Wissensstadt“, betont Aufrecht. „Es stünde ihr gut an, die Verfügbarkeit von Wissen zu ermöglichen. Einen Zeitplan, wie schnell diese Idee umzusetzen sei, gibt es noch nicht. Dennoch wird das freie Wlan bald Thema für die Lokalpolitik: Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hat eine Anfrage gestellt, um über den Stand der Dinge informiert zu werden.

Die City-Managerin Bettina Fuchs begrüßt die Pläne der Stadt. Sie und ihre Kollegen bei der City-Initiative Stuttgart (CIS) halten das offene Wlan „grundsätzlich für eine gute Sache“. Attraktiv sei der Netzzugang im öffentlichen Raum sicher vor allem für die vielen Geschäftsreisenden, die nach Stuttgart kommen. Es sei ein Grund, abends „raus aus dem Hotel, rein in die Stadt“ zu gehen. „Damit kann man eine neue Zielgruppe in die City bringen“, sagt Bettina Fuchs. Zudem wären sicher auch die Studenten begeistert, wenn sie auf dem Schlossplatz sitzen und mit dem Rechner arbeiten könnten.

Vorreiter Pforzheim

Ein klein wenig Kritik äußert Bettina Fuchs bei aller Begeisterung für die Pläne jedoch auch: „Es ist schade, dass Stuttgart die Planung erst jetzt in Angriff nimmt. Wir präsentieren uns als Denkfabrik und sind Landeshauptstadt. Da wäre es schön gewesen, wenn wir die Vorreiterrolle eingenommen hätten“, sagt Fuchs. Neben Pforzheim haben in Baden-Württemberg zum Beispiel schon kleinere Städte wie Heidenheim, Aalen und Heubach freies Wlan. Die Größe der Landeshauptstadt sei kein Problem, das die Einrichtung des Netzes verzögern werde, sagt Aufrecht.

In Pforzheim war es nicht die Stadtverwaltung allein, die den Funknetzbetrieb vorangebracht hat. In erster Linie geht die Einrichtung auf eine private Initiative zurück, die sich mit einigen Unternehmern zusammengetan hat. Die Resonanz sei überwältigend, sagt Erwin Geisler, der Vorsitzende des Vereins PF-W-Lan.

Der Erfolg des Angebots begeistert die Initiatoren nach wie vor. „Vier Wochen nach dem Start Anfang September hatten wir rund 10 000 Leute, die sich registriert hatten“, sag Geisler. Wie viele Studenten nun mit dem Beginn des Wintersemesters hinzukommen, stehe noch nicht fest. Das Angebot der Pforzheimer ist auf einen Abruf von 300 Megabyte im Monat begrenzt. Zugriffe gebe es so gut wie immer: „Selbst nachts um eins wird gesurft“, sagt der Vereinsvorsitzende Geisler. Das Pforzheimer Wlan-Angebot basiert auf einem Sponsorenmodell. „Wir können es ja nicht aus der öffentlichen Hand finanziert bekommen“, erläutert Erwin Geisler. Geplant sei, dass Mitarbeiter der Sponsorenfirmen höhere Abrufraten pro Monat bekommen sollen.

Zwar kann man in Pforzheim in Kneipen und Café sitzen und surfen. „An der Privatwohnung aber sind Fenster und Mauern natürliche Grenzen“, sagt Geisler. Das öffentliche Netz sei also keine Konkurrenz für die Telekommunikationsunternehmen, die Anschlüsse in Privathaushalte legen.

„Als moderne Stadt wahrgenommen“

Das Angebot in Pforzheim ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt, 55 000 Euro bezahlt die Stadt, sagt der Wirtschaftsförderer Reiner Müller. Den Rest der rund 300 000 Euro tragen die Firmen in der Stadt. „Es ist für uns ein wichtiges Signal, dass die Wirtschaft mit im Boot ist“, lobt Reiner Müller das Konstrukt. Das Wlan habe schon jetzt im wahren Wortsinne die Ausstrahlung Pforzheims verbessert: „Wir werden als moderne Stadt wahrgenommen. Das kann natürlich dann Fachkräfte an den Standort locken, vor allem aus dem IT-Bereich.“

Nicht nur die Wirtschaft, auch die Lokale in der Innenstadt würden in Stuttgart profitieren, davon ist Daniel Ohl, der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg (Dehoga) überzeugt. Der Verband hat keine Erhebung darüber, wie viele Gaststätten in der Stadt bislang schon ein offenes Wlan für ihre Besucher haben. „Es sind vor allem die, die auf ein jüngeres Publikum zielen.“ Ob das Netz von einem zentralen Anbieter komme oder im einzelnen Betrieb eingerichtet werde, macht für Ohl keinen Unterschied. „Wenn das Netz verfügbar ist, zieht das die jungen Leute an. Das erhöht die Verweildauer in den Betrieben“, ist Ohl sich sicher. In Pforzheim wird in den Café schon eifrig gesurft, haben die Mitglieder von PF-W-Land beobachtet.

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