Kräuter von der Fensterbank „Basilikum in der Küche – das kann nicht funktionieren“

Selbst gezogene Kräuter bereichern die Küche. Foto: IrisArt - Fotolia

Wie findet man die passenden Kräuter für den Balkon, welche Erde ist am besten geeignet, und wie sieht es mit der Düngung aus? Gärtnermeister Burkhard Bohne gibt im Interview nützliche Tipps.

Stuttgart - Burkhard Bohne ist Technischer Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität Braunschweig. Er schreibt als Kräuterbuchautor für verschiedene Verlage. Zudem verfasst er Gartenplaner mit dem Schwerpunkt Kräuter- und Nutzgärten. Im Interview erklärt er, worauf es beim Anbau von Kräutern auf dem Balkon oder im Garten ankommt.

 
Herr Bohne, Schokoladenminze, Ysop, Aztekisches Süßkraut: Die Auswahl an toll klingenden Kräutern in den Gartenmärkten ist inzwischen riesig. Kann man einfach wahllos zuschlagen?
Leider nein. Egal, ob ich meine Kräuter auf dem Balkon pflanzen möchte oder im Garten, meist habe ich dort nur bestimmte Standortbedingungen zu bieten. Zunächst muss ich mir also überlegen: Ist es dort überwiegend sonnig oder schattig? Und wie viel Platz habe ich zur Verfügung? Dann kann ich nach Pflanzen suchen, die zu diesen Bedingungen passen, und die Pflanzgefäße mit der richtigen Erde füllen. Leider nehmen sich viele Menschen diese Zeit nicht. Und dann wundern sie sich, warum ihr Basilikum immer eingeht.
Sie meinen das klassische Basilikumtöpfchen in der Küche mit gelben, welken Blättern?
Ja, das kann einfach nicht funktionieren. Basilikum wächst ursprünglich im subtropischen Raum. Dort hat es viel Platz im Halbschatten, eine hohe Luftfeuchtigkeit, nährstoffreiche Erde. Das sind nicht unbedingt die Standortbedingungen, die in deutschen Küchen so herrschen.
Also raus damit auf den Balkon?
Wenn ich dort Halbschatten habe, ja. Basilikum verträgt weder pralle Sonne noch vollen Schatten. Und dann sollte man die einzelnen Pflänzchen des Basilikums vorsichtig teilen und sie in einen größeren Topf setzen. Die Erde sollte stets feucht sein, aber nie nass.
Kann man Kräuter im Supermarkt kaufen?
Wenn die Pflanzen gesund sind, warum nicht. Um das zu sehen, hole ich sie immer kurz aus dem Topf. Sind die Wurzeln hell, ist alles in Ordnung, bei bräunlichen Wurzeln nicht. Auch Pflanzen mit Schädlingen lässt man besser stehen. Was man bei Pflanzen aus dem Supermarkt noch bedenken sollte: Sie haben meist noch nie Sonne abbekommen. Ich kann sie draußen also nicht sofort in die Sonne stellen, sondern in den Schatten. Dort können sie sich dann die ersten Tage langsam ans Licht gewöhnen, sonst kriegen sie Sonnenbrand.
Die meisten Kräuter kann man auch als Samen kaufen. Ist das Erfolg versprechend?
Wer Zeit und Lust aufs Gärtnern hat, sollte das Aussäen auf jeden Fall mal versuchen. Auch hier ist es aber wichtig, dass man sich von Anfang an über den richtigen Standort informiert und die Erde entsprechend wählt.
Welche Erde eignet sich am besten für den Anbau von Kräutern?
Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian oder Lavendel brauchen magere Erde. Hier mischt man also am besten Sand unter normale Gartenerde. Schattenliebende Kräuter wie Bärlauch oder Waldmeister brauchen humusreiche Komposterde. Kräuter für halbschattige Standorte sind mit normaler Gartenerde zufrieden. Ganz wichtig für alle ist, dass sie genug Erde bekommen.
Das heißt?
Für mehrjährige Kräuter sollte der Topf schon einen Durchmesser von 40 Zentimetern haben, einjährige Pflanzen kommen auch mit weniger Platz klar. 20 Zentimeter sollte es aber auch hier sein.
Wie sieht es mit dem Düngen aus?
Mediterrane Kräuter wachsen in der Natur auf sehr kargen Böden, sie brauchen deshalb nicht groß gedüngt zu werden. Petersilie, Maggikraut oder Minze dagegen brauchen einmal die Woche einen organischen Flüssigdünger, zumindest während der Hauptwachstumszeit im Frühjahr, bis kurz vor der Blüte. Danach sollte man dann aber weniger düngen, etwa alle zwei Wochen, sonst bilden die Kräuter weniger Aroma aus.

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Basilikum braucht viel Wärme, aber keine pralle Mittagssonne. Die Pflanze mag es feucht, geht bei Staunässe aber ein, deshalb täglich gießen aber regengeschützt pflanzen. Basilikum hat einen hohen Nährstoffbedarf, weshalb die in Töpfchen gekauften Pflanzen umgepflanzt werden sollten – in größere Gefäße, in die auch Kompost gemischt wird. Zur Ernte nie einzelne Blätter zupfen, sondern einen ganzen Trieb mit einer scharfen Schere oder einem Messer bis zu der nächsten Blattachsel abschneiden. So können neue Triebe nachwachsen, empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung.Basilikum nutzt man am besten frisch für Salate oder zum Kochen (erst gegen Ende der Garzeit zugeben). Für den Winter lässt es sich nicht besonders gut konservieren. Einen Versuch wert ist das Einfrieren im Eiswürfelbehälter (mit wenig Wasser auffüllen). Erfolgversprechender ist die Verarbeitung zu Pesto.

Oregano und Rosmarin sind typische Mittelmeerkräuter. Sie wachsen dort auf kargen, steinigen Böden, in der prallen Sonne mit wenig Regen. Ähnliche Bedingungen sollte man ihnen im Küchengarten bieten. Von Mai bis Oktober können Blätter und Triebspitzen geerntet werden. Oregano und Rosmarin kann man frisch genauso gut verwenden wie getrocknet. Das Trocknen geht am schnellsten im Backofen – wenige Stunden bei rund 30 Grad bei leicht geöffneter Tür genügen.

Petersilie braucht recht viele Nährstoffe und wächst am liebsten an einem warmen, halbschattigen Platz. Krause Petersilie hat einen höheren Wassergehalt. Sie welkt deshalb nach der Ernte nicht so schnell und ist ideal für Salate. Glatte Petersilie gilt als aromatischer. Zur Ernte das Laub mitsamt dem Stiel abschneiden. Wer Petersilie im Garten hat, kann sie bei Bedarf auch über den Winter frisch ernten. Auch Einfrieren ist eine gute Lösung.

Zitronengras wächst natürlicherweise in den Tropen und in den warmen, gemäßigten Gebieten Asiens. Es braucht also viel Sonne, Wärme sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit. Über den Sommer sollte es kräftig gegossen werden. Auch regelmäßiges Düngen von April bis August (etwa alle drei Wochen) ist nötig. Geerntet werden die Stängel, die man direkt an der Erdoberfläche abschneidet. Die unteren weißen Enden werden flach geklopft und dann mitgekocht. Klein geschnitten können die Stängel auch getrocknet und so im Winter zum Kochen verwendet werden.

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