Kraftwerk Altbach Für den Ernstfall gerüstet

Die Betreiber des Altbacher Kraftwerks müssen den Nachbarn regelmäßig Hinweise zum Verhalten bei einem Störfall geben. Foto: /Philipp Braitinger

Auf dem Gelände des Kraftwerks Altbach/Deizisau lagern gefährliche Betriebsstoffe. In einem Faltblatt informiert der Kraftwerksbetreiber jetzt die Bevölkerung, was bei einem Unfall zu tun ist.

Altbach/Deizisau - Bisher ist zwar immer alles gut gegangen. Auch eine kleinere Explosion im Kraftwerk Altbach/Deizisau Ende Juni war glimpflich abgelaufen und hatte keine Auswirkungen auf die Nachbarschaft. Doch auf dem Gelände des Kraftwerks wird mit Stoffen hantiert, die nicht ungefährlich sind. Wenn etwa Ammoniak oder Heizöl durch ein Leck oder einen Brand austreten, können die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner Schaden nehmen. „Je nach Art des Ereignisses und der beteiligten Stoffe können dabei Belastungen der Luft, des Bodens oder des Wassers auftreten“, schreibt das Kraftwerk. In einem Faltblatt werden die Nachbarn darüber informiert, wie sie sich bei einem Unfall am besten schützen können.

 

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„Bis heute keine Ereignisse dieser Art“

Das Kraftwerk ist dazu verpflichtet, die Menschen in seiner Umgebung mindestens alle fünf Jahre darüber zu informieren, wie im Ernstfall zu handeln ist. So steht es in der Bundes-Immissionsschutz-Verordnung. Die EnBW erklärt, dass es sich dabei um eine vorbeugende Maßnahme handelt. „Bis heute hat es keine Ereignisse dieser Art im Zusammenhang mit Ammoniak, leichtem oder schwerem Heizöl in unserem Kraftwerk gegeben, die zu negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung geführt haben“, betont das Unternehmen in einem Schreiben. Gleichzeitig könne ein Unfall trotz aller Sicherheitsvorkehrungen nie ganz ausgeschlossen werden. Kürzlich wurde das Faltblatt an Haushalte in einem Umkreis von 750 Meter um das Kraftwerk herum verteilt – also an Bewohnerinnen und Bewohner von Altbach, Deizisau und Zell.

Vor allem wenn Ammoniak austritt, können Menschen im Umkreis des Kraftwerkes den Stoff riechen. Ammoniak wird im Kraftwerk als Hilfsstoff für Katalysatoren verwendet. Der Stoff wird deshalb, ebenso wie leichtes und schweres Heizöl, auf dem Kraftwerksgelände gelagert.

Ammoniak ist ein farbloses, stechend nach Salmiakgeist riechendes und giftiges Gas, das sich in Bodennähe ausbreitet. Es wirkt stark ätzend auf Haut, Augen und Schleimhäute. Leichtes und schweres Heizöl sind leicht entzündlich. Die Dämpfe des Heizöls sind ebenfalls schwerer als Luft und verbreiten sich dementsprechend in Bodennähe. Der Einsatz der Stoffe erfolge unter besonderen baulichen, technischen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen, heißt es vonseiten der Kraftwerksbetreiber. Sollte es zu einem Unfall kommen, durch den die Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, wird die Öffentlichkeit über die Medien oder Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr informiert.

Fenster und Türen schließen

Hat es einen Unfall gegeben hat, sollte man auf jeden Fall dem Kraftwerk fernbleiben und geschlossene Räume aufsuchen. Fenster und Türen sollten geschlossen werden, rät das Informationsblatt. Gegebenenfalls sollten nasse Tücher vor Mund und Nase gehalten werden. Auch wird geraten bei ungewohnten Gerüchen obere Stockwerke aufzusuchen. Da Gase meist schwerer als Luft sind, bleiben sie am Boden. Telefonate sollten nur in Notfällen geführt werden, um die Leitungen nicht zu blockieren. Kinder und hilflose Personen sollten ins Haus geholt werden. Eine Entwarnung erfolgt über eine erneute Lautsprecherdurchsage oder die Medien.

Fernwärme für 25 000 Haushalte

Leistung
 Das Heizkraftwerk 2 verbraucht – durchschnittlich gerechnet über die Jahre 2018, 2019, 2020 – pro Jahr rund 350 000 Tonnen Kohle. Damit wurden rund 1120 Gigawattstunden Strom produziert, mit dem theoretisch 280 000 Haushalte versorgt werden können. Außerdem werden mit dieser Kohlemenge 350 Gigawattstunden Fernwärme in die Mittlere Neckarschiene eingespeist. Das entspricht 0,35 Milliarden Kilowattstunden Wärme.

Fernwärme
Die Mittlere Neckarschiene ist ein 250 Kilometer langes Verteilnetz, in das neben dem Kraftwerk Altbach/Deizisau auch die Kraftwerksanlagen in Stuttgart-Münster und -Gaisburg einspeisen. Sie versorgt 25 000 Haushalte, 1300 Firmen und 300 öffentliche Einrichtungen.

Geschichte
Bereits 1899 wurde am Neckar ein Wasserkraftwerk gebaut. Bauherr war Heinrich Mayer, der das Neckar- und das Filstal mit elektrischer Energie versorgen wollte. Heutiger Betreiber ist die EnBW Kraftwerke AG. 

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