Kraftwerk an der B 10 Kohleära zu Ende: Gaisburg heizt mit Gas

Offiziell eingeweiht: das neue Kraftwerk Gaisburg Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Offiziell eingeweiht: das neue Kraftwerk Gaisburg Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Früher war dort eine Kohlehalde, nun glänzt die Fassade eines neues Gasheizkraftwerks an der B 10. Die am Freitag eingeweihte Anlage ist nicht nur ein „Zeichen der Energiewende“, sondern könnte auch Anstoß für ein neues Wohnquartier am Neckar sein.

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)
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Stuttgart - Seit fast 70 Jahren wird im Kraftwerk Gaisburg Strom und Wärme erzeugt. Die Anlage an B 10 und Neckar prägt das Stadtbild im Stuttgarter Osten. Mit der offiziellen Inbetriebnahme des neuen, mit Erdgas befeuerten Heizkraftwerks am Freitag bricht eine neue Ära an – und das in doppelter Hinsicht. Der Platz sparende Neubau schafft Raum für ein neues Wohnquartier, das mit einer B-10-Überdeckelung direkt an den Neckar rücken könnte. Doch das ist ebenso Zukunftsmusik wie die Idee einer Philharmonie an diesem Standort. Bereits Realität ist aber die Zäsur bei der Energieerzeugung: Vor einem Jahr wurde in Gaisburg der letzte mit Steinkohle beladene Zug entladen, jetzt ist auf Gas umgestellt.

Reserve für Münster und Altbach

Ein Freitag eigne sich besonders gut für die Einweihung, sagte Staatssekretär Andre Baumann vom Landesumweltministerium. Schließlich demonstrierten freitags Schüler für einen besseren Klimaschutz. Die neue Anlage, die 60 000 Tonnen weniger Kohlendioxid ausstößt als ihr Vorgänger, setze ein „sichtbares Zeichen der Energiewende“. Da sie Spitzenlasten abdecke und als Reserve für die großen Kohlekraftwerke in Stuttgart-Münster und Altbach diene, trage sie zur Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie bei – „und ohne dies geht die Akzeptanz der Energiewende verloren.“

Klimafreundlichere Energieerzeugung

„Der Umstieg von Kohle auf Gas folgt dem klaren Bekenntnis der EnBW zu einer klimafreundlicheren Energieerzeugung und ist Teil unserer strategischen Ausrichtung“, sagte EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer. Gas werde als Brückentechnologie beim Wechsel von Atom- und Kohlekraftwerken zu erneuerbaren Energien benötigt – und dazu trage auch die im Vergleich zu den Kraftwerken in Heilbronn und Altbach kleine Anlage in Gaisburg bei. Stuttgarts Umweltbürgermeister Peter Pätzold sprach von einem ersten Schritt, weil das nun verwendete Erdgas noch aus fossilen Lagerstätten stamme. Ziel müsse sein, sogenanntes grünes Gas aus erneuerbaren Energien einzusetzen. Immerhin aber würden die eingesparten 60 000 Tonnen 1,5 Prozent des gesamten Kohlendioxid-Ausstoßes in Stuttgart im Jahr 2017 entsprechen. Wie Zimmer betonte auch Pätzold die „gute Partnerschaft“ – ein Versuch, das durch Gerichtsverfahren über die Energienetze und die Kritik im Vorfeld belastete Verhältnis zu bessern.

25 000 Wohnungen versorgt

Das neue Gasheizwerk liefert mit den Standorten Altbach, Münster und Marienstraße Fernwärme an 25 000 Wohnungen, 1300 Firmen und 300 öffentliche Einrichtungen in Stuttgart, Esslingen und Orten am Neckar bis Plochingen. In einem 39 Meter hohen Zylinder kann so viel Wärme gespeichert werden wie Stuttgart in 15 Stunden verbraucht. Gleichzeitig wird in Kraft-Wärme-Kopplung Strom erzeugt. Insgesamt investierte die EnBW rund 75 Millionen Euro in die in zwei Jahren erbaute Anlage.

Kritik von Kfz-Innung

Kritik kam am Freitag von der KfZ-Innung Region Stuttgart, die einen erhöhten Stickstoffdioxid-Ausstoß anprangerte. Dabei berief sie sich auf genehmigte Maximalemissionen von 75 gegenüber bisher 45 Tonnen. Dies sei ein theoretischer Wert, wenn die Anlage ein Jahr lang 24 Stunden täglich laufen würde, sagte EnBW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth. In der Gesamtbilanz der Schadstoffe, dazu zählen auch der von der Kfz-Innung nicht erwähnte Wegfall von Feinstaub durch die Aufgabe der Kohlenhalde, habe die neue Anlage deutliche Vorteile.




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