Die Sommer werden wärmer und es regnet seltener – immer wieder kam es in den vergangenen Jahren vor, dass die Pegel unterschiedlicher Bundeswasserstraßen so weit sanken, dass große Frachtschiffe nicht mehr verkehren konnten. Das Kraftwerk in Altbach/Deizisau ist allerdings auf eine zuverlässige Versorgung mit Kohle über das Wasser angewiesen. Wird die Kohle knapp, gefährdet dies die Stabilität des Stromnetzes.
Auf einer neuen Kohlelagerfläche auf der Gemarkung Esslingen neben dem Kraftwerk könnte Brennstoff für rund einen Monat bevorratet werden. Die ins Auge gefasste Fläche umfasst laut dem Unternehmen TransnetBW GmbH, die eine Tochter der EnBW und für das Kohlelager zuständig ist, etwas mehr als 20 000 Quadratmeter und reicht für die Lagerung von 80 000 Tonnen Steinkohle. Das entspricht dem Kohlebedarf von rund 20 Volllasttagen eines der beiden Kraftwerke am Standort Altbach/Deizisau. Auch ein Transport der Kohle von Esslingen aus zu anderen am Neckar gelegenen Netzreserve-Steinkohlekraftwerke soll möglich sein.
Dem Landratsamt liegt noch kein Antrag vor
Wann das neue Kohlelager eingerichtet wird, ist ungewiss. Einen Antrag hat das Landratsamt als emissionsschutzrechtliche Genehmigungsbehörde für das Kohlelager noch nicht erhalten. Bisher sei deshalb auch noch kein Verfahren eingeleitet worden, teilte die Sprecherin des Landratsamtes, Andrea Wangner, mit.
Spätestens vom Jahr 2027 an soll der Kohlebetrieb ein Ende haben. Von da an möchte das Kraftwerk Energie mit einer Gas- und Dampfturbinenanlage erzeugen. „Die Planungen zum Fuel Switch laufen wie gehabt weiter“, verspricht die EnBW-Sprecherin Dagmar Jordan.
Für das Fuel Switch-Vorhaben wurde im Februar der Antrag auf Erteilung eines Vorbescheids sowie einer Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz eingereicht. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werden auch die umliegenden Gemeinden sowie die Öffentlichkeit beteiligt. Sobald das Gas die Kohle ersetz hat, soll das Kohlelager wieder zurückgebaut werden. Ab dem Jahr 2035 möchten die Kraftwerksbetreiber das Werk mit Wasserstoff betreiben. Die Ausschreibung für neue Gasturbinen, die auch mit Wasserstoff betrieben werden können, läuft bereits. Die neuen Turbinen sollen Ende 2026 in Betrieb gehen. Ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag soll dafür investiert werden.
Das Ende von Kohle als Energieträger ist auch in Altbach absehbar
Das Ende der Energiegewinnung aus Kohle ist in Altbach/Deizisau also bereits eingeleitet. Nichtsdestotrotz ist der fossile Brennstoff in diesen Tagen wichtiger für die Energieversorgung in Deutschland denn je. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine versucht sich Deutschland durch den Ausbau erneuerbarer Energie unabhängiger von Exporten zu machen. Vor allem russisches Gas war bis zum Februar 2022 ein zuverlässiger Energieträger. Der Verzicht auf das russische Gas bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Atomenergie ist eine Herausforderung. Die Energieversorgung mit Kohle und importiertem Atomstrom aus dem Ausland sichert die Versorgung.
Insgesamt wurde im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt rund ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms aus Kohle gewonnen, ein Plus von 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Kohle bleibt damit vorerst der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung in Deutschland. Der Anteil der konventionellen Energieträger (Kohle, Kernenergie, Erdgas und sonstige) ging im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 54 Prozent zurück. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger ist auf mehr als 46 Prozent gestiegen. Insgesamt werden in Deutschland jährlich mehr als 500 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und eingespeist.
Fakten zum Kraftwerk
Energie
Zurzeit werden die zwei Kohleblöcke noch genutzt. Darüber hinaus gibt es im Kraftwerk Altbach/Deizisau drei Gasturbinenanlagen, die mit Öl und Erdgas gefeuert werden.
Mitarbeiter
Zurzeit arbeiten rund 200 Menschen im Kraftwerk Altbach/Deizisau. Diese Zahl wird sich aber voraussichtlich in den kommenden Jahren verringern. Für den Betrieb der Gasturbine sind weniger Mitarbeiter nötig als für den Betrieb des Steinkohlekraftwerks.
Zukunft
Bis 2025 möchte die EnBW rund vier Milliarden Euro in den Ausbau der Solar- und Windenenergie investieren. Bis zum Jahr 2035 möchte das Unternehmen klimaneutral sein.