Krankenhäuser schlagen Alarm Die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich zu

Angespannte Lage auf Intensiv Foto: Eibner/Drofitsch
Angespannte Lage auf Intensiv Foto: Eibner/Drofitsch

Am Montag waren im Klinikverbund Südwest nur noch zwei von 58 Intensivbetten frei. In 13 davon liegen Covid-Patienten, 11 von ihnen sind nicht geimpft.

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Kreis Böblingen - Die vierte Corona-Welle schwappt in die Krankenhäuser im Kreis Böblingen. Insgesamt werden dort derzeit 44 Patienten stationär behandelt, die positiv auf Corona getestet wurden. Elf davon haben einen so schweren Verlauf, dass sie auf der Intensivstation liegen und beatmet werden müssen. Wenig überraschend: Unter ihnen ist nur ein Patient, der bereits geimpft ist. Die Lage auf der Intensivstation spitzt in diesen Tagen dramatisch zu.

Von den 58 Intensivbetten des Klinikverbunds Südwest, der die Krankenhäuser in den Kreisen Böblingen und Calw betreibt, sind Stand Montag nur noch zwei frei. Zum Vergleich: In der Hochphase der Dritten Welle Ende 2020 lagen im Kreis Böblingen 15 Corona-Patienten auf Intensiv und 14 von ihnen mussten beatmet werden. Auch damals waren nahezu alle Intensivkapazitäten im Verbund belegt, die Überlastung drohte. „Wir befinden uns somit inmitten der vierten Welle, Tendenz in den kommenden Tagen voraussichtlich stark ansteigend“, warnt Klinikverbund-Sprecher Ingo Matheus.

Klinik-Mitarbeiter schieben Frust

„Dementsprechend groß ist bei den Mitarbeitern angesichts der bereits jetzt angespannten Versorgungslage der Frust beziehungsweise das Unverständnis im Hinblick auf die Impfmüdigkeit.“ Hinzu käme, dass nach fast zwei Jahren Pandemie und Ausnahmebelastung speziell die Fachkräfte auf den Intensivstationen am physischen wie psychischen Limit seien, sagt Matheus.

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Selbstverständlich werden auch Nicht-Geimpfte mit der gleichen Sorgfalt und Professionalität behandelt. „Dennoch muss man bedenken, dass alle freiwillig Ungeimpften wider besseren Wissens wertvolle und knappe Ressourcen im Gesundheitswesen auf Kosten anderer Patienten, deren Operationen nun geschoben werden müssen, blockieren“, sagt der Pressesprecher. Hinzu käme die längere Verweildauer von Corona-Patienten, die durchschnittlich 9,4 Tage im Krankenhaus lägen – ein Patient mit einem Herzinfarkt im Schnitt nur 5,9.

Covid-Versorgung führt woanders zu Einschnitten

Das hat zur Folge, dass mehr und mehr Operationen aufgeschoben werden müssen, um mehr Intensivkapazitäten frei zu haben. Matheus: „Wir fahren hier bereits seit einigen Tagen auf Sicht, je nach Haus und Belegung. Ein Aufstocken der Intensivkapazitäten ohne Leistungseinschnitte in anderen Bereichen ist aufgrund der Personallage nicht möglich.“ Gerade im Herbst steige aber auch in der Belegschaft der Krankenstand, was die Situation zusätzlich verschärfe. Und der Klinikverbund bilde da bei weitem keine Ausnahme.

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin verschickte am Montag einen offenen Brief an Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Sein Inhalt klingt alarmierend. Die Ärzte schreiben: „In vielen Landkreisen ist die Akutversorgung der Bevölkerung gefährdet und die Erfüllung unseres Versorgungsauftrags vor allem bei den Non-Covid-Patienten nicht mehr gewährleistet.“ Weiterhin drohe auch ein Personalengpass in der Intensivmedizin: „Die Pflegekräfte und Ärzte, die noch da sind, steuern sehenden Auges auf eine massive Überlastungssituation zu“, heißt es in dem Brief weiter. Die Ärzte fordern rasche Gegenmaßnahmen, etwa eine 2-G-Regelung für alle Bereiche des öffentlichen Lebens.




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