Krankenhaus in Stuttgart Dem Olgäle-Kiosk trauern viele nach

Von Michael Schoberth 

Die Anhänger des bisherigen Olgäle-Kiosk geben nicht auf: Bei einer Online-Petition sprechen sich mehr als 5000 Unterzeichner für den bisherigen Betreiber aus. Doch für den ist am neuen Standort kein Platz mehr.

Am neuen Standort des Olgäle war für den bisherigen Kiosk-Betreiber kein Platz mehr. Foto: Michael Steinert
Am neuen Standort des Olgäle war für den bisherigen Kiosk-Betreiber kein Platz mehr. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Offenkundig hängen bei zahlreichen Patienten und Mitarbeitern viele Emotionen und Erinnerungen am alten Olgäle und seinem kleinen Kiosk. Denn genau 5118 Unterzeichner einer Online-Petition haben sich dafür ausgesprochen, dass Franko Koch, der bisherige Betreiber des Kiosks, auch am neuen Standort des Krankenhauses im Klinikum Mitte wieder den Laden betreibt. Zur Erinnerung: nach 22 Jahren musste Franko Koch seinen Kiosk im Olgäle schließen. Die Cafeteria am neuen Standort betreibt das Klinikum nun in Eigenregie.

Die Online-Petition wurde von Julian Knödler initiiert, in den kommenden zwei Wochen will er die Liste dem Krankenhaus übergeben. Drei Monate lang, bis zum 23. Juni, sammelte er dort Unterschriften und Kommentare. Die meisten stammen aus der Region, 750 aus Stuttgart. Überraschend viele Unterschreiber kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. An den Kommentaren lässt sich erkennen, dass sie oft früher in Stuttgart lebten und ihre Kinder Patienten im Olgäle waren. Knödler wohnt in Heidenheim und hatte bisher keinen Bezug zu dem Kinderkrankenhaus. Doch er hatte in der Zeitung von dem Kiosk gelesen und fand die Entscheidung des Klinikums nicht richtig. „Ich wollte öffentlich darauf hinweisen, dass die Klinik einen großen Fehler gemacht hat“, sagt er. Nach wie vor hofft er, dass Franko Koch doch noch ein Jobangebot am neuen Standort bekommt.

Der neue Kiosk läuft gut

Die Unterschriftenliste nehme die Klinik gerne an, so eine Sprecherin des Krankenhauses. Trotzdem werde sich an der Situation nichts mehr ändern. Es habe frühzeitig Gespräche mit dem ehemaligen Kiosk-Betreiber gegeben, bei denen es jedoch keine Einigung gegeben habe. Es verwundert nicht, dass so viele Leute die Petition unterschrieben haben, sagt die Sprecherin. Es gebe eine große emotionale Bindung an das Olgäle. Der neue größere Kiosk ist bereits eröffnet und laufe sehr gut. An diesem habe es bisher keine Kritik gegeben.

Franko Koch selbst nimmt sich gerade eine Auszeit, um neue Pläne zu schmieden. Innerlich habe er alles abgehakt, dennoch trauere er seiner Zeit im Olgahospital nach. „Ich hätte gerne weitergemacht. Das war nicht nur ein Job, sondern mein Leben“, sagt er. Einen würdevolleren Abschied hätte sich der frühere Kioskbetreiber schon gewünscht. Von der Klinikleitung sei niemand zu ihm gekommen, wohl aber viele der Mitarbeiter.

Bedauern vom Bürgermeister

Der Krankenhaus-Bürgermeister Werner Wölfle (Grüne) bedauert die Entwicklung sehr. Doch zu dem Zeitpunkt, als er von der Sache erfuhr, hatte der Personalrat der Klinik bereits die Entscheidung getroffen, den Kiosk zukünftig selbst zu managen. Er habe noch versucht, Gespräche zu führen, sagt Wölfle. „Aber ich konnte nichts mehr machen. Als sich Herr Koch an mich gewandt hatte, war es schon zu spät.“ Beeindruckt sei er von den vielen Leuten, die sich in dieser Angelegenheit an ihn gewandt hatten. Die neue Klinik habe einen ganz anderen Charakter als das alte Olgäle. „Den Charme, den Herr Koch hatte, seine Zuwendung und Herzlichkeit, das wäre im neuen Ambiente nicht mehr möglich“, sagt Werner Wölfle.

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