Die Geburtshilfe des Krankenhauses Leonberg hat nach Jahrzehnten für immer ihre Türen geschlossen. Welche Alternativen nun für Eltern bleiben.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Elin heißt das letzte Baby, das im Leonberger Kreißsaal auf die Welt gekommen ist – am 31. März, dem Tag, an dem die Geburtshilfe im Krankenhaus für immer ihre Türen schloss. Über die Geburt informierte der Klinikverbund Südwest.

 

Demnach wiegt Elin 4405 Gramm und ist 55 Zentimeter groß. Für die Eltern sei dieser Moment – wie für alle Familien – ein ganz besonderer, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir sind sehr glücklich über die Geburt unserer Tochter hier in Leonberg. Das Team war sehr freundlich und wir haben uns hier sehr wohlgefühlt“, teilen die Eltern mit. Seit 1. April ist die Leonberger Geburtshilfe im Böblinger Krankenhaus angesiedelt.

Seit der Eröffnung kamen im Krankenhaus Leonberg 49.000 Babys zur Welt

Mit der Schließung endet laut dem Klinikverbund in Leonberg ein bedeutendes Kapitel, das über viele Jahre hinweg von engagierten Mitarbeitenden geprägt worden sei. Zahlreiche Familien aus der Region hätten hier einen wichtigen Moment ihres Lebens erlebt und seien dabei individuell begleitet worden. Insgesamt erblickten seit der Eröffnung im Jahr 1968 rund 49.000 Babys in Leonberg das Licht der Welt.

Foto: Simon Granville

Wäre es nach werdenden Eltern gegangen, wäre die Zahl der Geburten weiter gestiegen: Der im Jahr 2022 eingeführte Hebammenkreißsaal war ein gefragtes Betreuungsmodell. Viele Schwangere brauchen nun Alternativen, zumal der Zeitpunkt der Schließung überraschend kam. Ende Februar war das vorzeitige Aus verkündet worden. Als Gründe werden sinkende Geburtenzahlen und medizinische Gründe genannt. Gynäkologie samt Kreißsaal sollten eigentlich erst 2028 nach Böblingen verlagert werden.

Cornelia Kraus, die bis dato leitende Hebamme in Leonberg, würdigt die Arbeit ihres Teams. „Wir alle blicken mit großer Dankbarkeit zurück. Es war uns eine Herzensangelegenheit, Frauen und Familien rund um die Geburt begleiten zu dürfen.“ Jede einzelne Geburt sei etwas Besonderes gewesen, so Kraus. „Die intensive, individuelle und sehr persönliche Betreuung hat unsere Arbeit stets geprägt.“

Die Mitarbeitenden werden nach Aussage des Klinikverbunds ihre Erfahrung und ihr Engagement künftig an anderen Standorten im Verbund einbringen und so weiterhin für werdende Familien da sein. In welchem Ausmaß diese tatsächlich die Erfahrung und das Engagement gerade in Böblingen nutzen, bleibt abzuwarten: Kritiker vermuten, dass viele Schwangere aus dem Raum Leonberg die Kliniken in Stuttgart bevorzugen werden.