Krankenhaus Leonberg Vom schweren Kampf um die Zukunft einer Klinik
Die CDU schlägt vor, die Stadt Leonberg solle das Gebäude vom Kreis übernehmen. Einen Fall für die künftige Stadtspitze, meint unser Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski
Die CDU schlägt vor, die Stadt Leonberg solle das Gebäude vom Kreis übernehmen. Einen Fall für die künftige Stadtspitze, meint unser Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski
Mit dem Ende der Sommerferien geht der Kampf um das höchste Amt bei der Stadt Leonberg in die entscheidende Phase. Schon am Montag, 15. September, 19 Uhr, diskutieren die drei aussichtsreichen Bewerber auf Einladung unserer Zeitung in der Stadthalle über die Themen Verkehr, Stadtentwicklung, Führungskultur und Krankenhaus.
Bei letzterem Stichwort geht es nicht nur um die Zukunft der Leonberger Klinik, die in den Planungen des Klinikverbundes und auch der politischen Spitze des Landkreises Böblingen allenfalls noch eine Nebenrolle spielt. Die Augen des Landrats Roland Bernhard und des Geschäftsführers Alexander Schmidtke sind auf die künftige Flugfeldklinik gerichtet, die unbedingt ein Erfolgsmodell werden muss, koste es, was es wolle. Die Latte von 750 Millionen Euro ist längst gerissen, die Milliarde rückt bedrohlich näher: Es ist das teuerste Krankenhausprojekt in Baden-Württemberg, und das in unmittelbarer Nachbarschaft mehrerer Top-Kliniken.
Losgelöst von diesen schwindelerregenden Dimensionen sorgen sich die Menschen nicht nur um ihr nahes Krankenhaus. Denn auch die Zahl der Fachärzte und der Allgemeinmediziner wird immer geringer. Die 50 000-Einwohner-Stadt Leonberg hat im kommenden Jahr womöglich keinen Kinderarzt mehr. In den vorhandenen Praxen ist das oft monatelange Warten auf einem Termin eher die Regel denn die Ausnahme.
All diese Themen müssen die künftige Frau oder den künftigen Mann an der Stadtspitze umtreiben. Denn ohne politische Unterstützung sieht es sowohl für die Zukunft des Krankenhauses als auch für das Angebot der niedergelassenen Ärzte schlecht aus. In Herrenberg hat die Kommunalpolitik vom Oberbürgermeister bis zum Gemeinderat auf die absehbare Abbaustrategie viel zu spät reagiert. Jetzt sind die Herrenberger ihr Krankenhaus los. Die stattdessen geplante Tagesambulanz ist mehr Trostpflaster als eine wirkliche Alternative.
Damit es in Leonberg nicht so weit kommt, wartet die CDU mit einem nur auf dem ersten Blick ungewöhnlichen Vorschlag auf: Die Stadt möge das Gebäude übernehmen. Sollte irgendwann der Klinikverbund als Betreiber aussteigen, könne sich die Stadt Leonberg nach einem anderen umschauen. Denn es ist ja nicht so, dass ein Klinikbetrieb zwangsläufig an den Klinikverbund gekoppelt ist. Der frühere Oberbürgermeister Bernhard Schuler hatte schon vor mehr als zehn Jahren Gespräche mit dem Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus über eine mögliche Übernahme geführt. Damals wollte der Landkreis Böblingen die Leonberger Klinik dann doch nicht freigeben.
Auch jetzt hat der Landrat ein Bekenntnis für den Medizinstandort Leonberg abgelegt, das aber auf seine Amtszeit begrenzt, die Ende 2029 endet. Auch die Eröffnung der Flugfeldklinik lässt auf sich warten, sodass der Betrieb in Leonberg in den nächsten drei Jahren nicht gefährdet erscheint. Fatal allerdings könnte sich ein schleichender Abbau medizinischer Kompetenzen auswirken, der nach dem plötzlichen Abgang der Darmspezialistin Barbara John konkret in der Inneren Klinik zu befürchten ist. Deren Patienten, an denen der Klinikverbund gut verdient hat, orientieren sich nun um.
Die Versicherung des Managements, mit einem Zentrum für Altersmedizin bekomme Leonberg einen Schwerpunkt mit Zukunft, mag zutreffen. Wenn aber die Kernkompetenz eines Krankenhauses sich vor allem auf Geriatrie bezieht, dürften sich Patienten mit anderen Anliegen eher abwenden. Insofern ist der Vorstoß der Leonberger CDU, dass die Stadt die Handlungsfähigkeit über die Klinik erhalten soll, durchaus wert, sich näher damit zu befassen. Mal schauen, wie sich die OB-Kandidaten hierzu positionieren.