Krankenhauslandschaft im Wandel „2026 wird für das Esslinger Klinikum ein Jahr der Weichenstellungen“

Die Richtung stimmt: Geschäftsführer Matthias Ziegler hat den baulichen Fortschritt im Klinikum Esslingen fest im Blick. Foto: Roberto Bulgrin

Die Kliniklandschaft ist in Bewegung – auch im Esslinger Klinikum, das grundlegend modernisiert wird. Klinik-Chef Matthias Ziegler gibt Einblick in die Zukunftspläne.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Für das Klinikum Esslingen war 2025 ein Jahr der Herausforderungen: Ein aufwendiger Masterplan für die bauliche Zukunft erfordert große Anstrengungen, der Gesetzgeber sorgt mit immer neuen Reformen nicht unbedingt für Ruhe, der bürokratische Aufwand wird nicht geringer, dem Personal wird einiges abverlangt, die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten darf darunter nicht leiden. Klinikum-Geschäftsführer Matthias Ziegler blickt zurück auf ein turbulentes Jahr, und er wagt einen Ausblick auf das, was 2026 bringen kann.

 

War 2025 für das Esslinger Klinikum auch ein gutes Jahr?

Wenn ich mir unsere Bilanz anschaue, war es ein gutes Jahr. Es gab vieles, was uns in ganz unterschiedlichen Bereichen gefordert hat, aber mein Eindruck ist, dass wir diese Herausforderungen ganz gut gemeistert haben.

Ein Masterplan weist den Weg für die Zukunft des Klinikums Esslingen. Foto: HWP Planungsgesellschaft mbH

Die baulichen Veränderungen sind augenfälliger denn je. Sind Sie zufrieden?

Der bauliche Fortschritt ist ein wichtiger Teil unseres letztjährigen Erfolgs. Wir haben alles rechtzeitig geschafft, was nötig war, um den Abriss von Haus 2 beginnen zu können. Zeitweise hatten wir bis zu 15 Baustellen gleichzeitig auf dem Gelände, die nötig waren, damit unser Klinikum voll handlungsfähig bleibt, wenn Haus 2 abgerissen wird. Die vielen Umzüge haben Unruhe gebracht, aber auch Verbesserungen für Patienten und Personal, weil wir in den Bestandsgebäuden sehr ansprechende Räumlichkeiten geschaffen haben – beispielsweise im neuen ambulanten Therapiezentrum und in der psychosomatischen Station. Insgesamt können wir stolz darauf sein, dass wir mit der Vielzahl an Vorabmaßnahmen im Zeit- und Kostenplan geblieben sind.

Wie hat sich die Personalsituation im Klinikum Esslingen entwickelt?

Dass wir hier erhebliche Fortschritte erzielen konnten, ist ein weiterer großer Erfolg in 2025. Die Pflegedirektion hat mittlerweile mehrere Konzepte wie den Springerpool entwickelt, die uns als Arbeitgeber spürbar attraktiver machen – sowohl für Pflegekräfte als auch für Auszubildende. Die Erfolge haben dazu geführt, dass wir nun auf den meisten Normalstationen eine befriedigende Personalsituation haben. Lediglich in der Kinderklinik und bei den Röntgenassistenzen tun wir uns noch schwer und sind nach wie vor auf Zeitarbeitskräfte angewiesen. Aber daran arbeiten wir.

Im Gesundheitswesen wird ständig irgendwie und irgendwo reformiert. Wie gehen Sie mit der Unsicherheit um?

Daran müssen wir uns schon länger gewöhnen. Es ist nicht einfach, einen Wirtschaftsplan vorausschauend aufzustellen, wenn man nicht weiß, wann die letzte Reform durch eine neue abgelöst wird. Besonders schwierig ist es, wenn Kernprobleme wie die Unterfinanzierung des Klinikwesens, die uns seit Jahren begleitet, nicht gelöst werden. Gelegentliche Einmalzahlungen tun uns gut, aber sie lösen unsere Probleme nicht strukturell. Was wir unserem kommunalen Träger deshalb seit Jahren an Defiziten zumuten müssen, liegt über der Schmerzgrenze. Die Hoffnung bleibt, dass die Krankenhausreform zumindest langfristig auch zu finanziellen Verbesserungen führt.

Was lässt Sie hoffen?

Der Gedanke der Reform ist richtig, hoch spezialisierte Leistungen an weniger Standorten zu konzentrieren. Aber in dieser Reform steckt auch viel Misstrauen, das sich in mehr Bürokratie ausdrückt, und die erstickt die Krankenhäuser zunehmend. Der Anteil der Krankenhäuser an den Gesundheitskosten in Deutschland ist heute geringer als vor 20 Jahren. Der Gedanke, dass man die Kosten der Kliniken reduziert bekommt, indem man alles bis ins Kleinste reguliert und nachweisen lässt, wird sich nicht als richtig erweisen. Wir müssen stattdessen das künftige System stärker am Patienten ausrichten. Dieser fühlt sich nicht gut versorgt, wenn er keinen Hausarzt findet oder lange auf einen Facharzttermin warten muss. Heute kommen immer mehr Patienten zu uns ins Krankenhaus, weil sie anderswo keine Behandlung ihrer gesundheitlichen Probleme finden. Das macht ein Kliniksystem unnötig teuer.

Die große Politik sorgt für maximale Unsicherheit. Wie wichtig ist da ein verlässlicher kommunaler Träger?

Wir sind sehr glücklich, in der Stadt Esslingen einen so verlässlichen Träger zu haben. Wir konnten in meinen ersten Jahren mit einigen Verbesserungen das Jahresdefizit auf 2,5 Millionen Euro reduzieren. Aktuell sind es mehr als 18 Millionen. Das schmerzt auch unsere Mitarbeitenden sehr, die sich jeden Tag mit riesigem Engagement für eine gute Patientenversorgung einsetzen. Dass sich OB und Gemeinderat trotz großer finanzieller Unsicherheiten zu unseren Zukunftsplänen bekannt haben, wird vom Personal sehr aufmerksam und dankbar registriert. Damit können wir in diesen turbulenten Zeiten mit einer gewissen Ruhe unseren Aufgaben in der Patientenversorgung nachkommen, was allen zugutekommt. Natürlich müssen wir aber auch unsere Wirtschaftlichkeit weiter verbessern. Dafür haben wir proaktiv und in Eigenregie etwa 30 Projekte entwickelt – über alle Bereiche verteilt von A wie Apotheke bis Z wie Zentrale Notaufnahme. Im Mittelpunkt stehen dabei eine grundlegende Optimierung unserer Arbeitsabläufe, gemeinsam mit den Bereichsverantwortlichen und unter Einbeziehung von Verbesserungsvorschlägen der Mitarbeitenden. So erreichen wir, dass die notwendigen Maßnahmen von allen mitgetragen werden.

Eine professionelle und zugewandte Patientenversorgung ist oberstes Gebot. Foto: Roberto Bulgrin

Ein Klinikum ist nicht die ureigene Aufgabe einer Stadt. Erwarten Sie, dass die alte Debatte über eine mögliche Trägerschaft des Landkreises wieder beginnt?

Ich halte es sogar für geboten, dass man über die Kliniklandschaft im Landkreis nachdenkt. Dabei denke ich zunächst vor allem an die medizinische Entwicklung und die Frage, welches Haus im Landkreis künftig welche Aufgaben übernimmt. Wir brauchen ein gemeinsames medizinisches Konzept. Das erwarten – im Kontext der Krankenhausreform – auch der Bund und das Land von uns. Eine intensive Abstimmung und Zusammenarbeit beim medizinischen Konzept wird sich mittel- und langfristig auch positiv auf die Wirtschaftlichkeit der Häuser auswirken. Wir haben uns mit den Medius Kliniken auf einen gemeinsamen Weg gemacht und stimmen uns in zentralen Fragen intensiv miteinander ab. Wo diese Zusammenarbeit endet, ist letztlich auch eine politische Frage. Mir ist wichtig: Wir dürfen uns in Zukunft nicht mehr als Konkurrenten verstehen, sondern müssen einen Weg finden, die Krankenhausversorgung für die Stadt und den Landkreis gemeinsam zu gestalten.

Was macht Sie zuversichtlich, dass Sie in zwölf Monaten eine ähnlich positive Jahresbilanz ziehen können?

Ich arbeite seit 43 Jahren in Kliniken – einen Wandel wie im Augenblick gab es in der Krankenhauslandschaft noch nie. 2026 wird für uns ein Jahr der Weichenstellungen. Wir werden am Jahresende wissen, ob wir mit unseren baulichen Projekten im Zeitplan bleiben. Wir haben viel für unsere Wirtschaftlichkeit getan und sind sehr zuversichtlich, dass unser Jahresergebnis in diesem Jahr bereits deutlich besser ausfallen wird als in 2025. Außerdem werden wir unsere Zusammenarbeit mit den Medius Kliniken weiterentwickeln und gemeinsam mit dem Land abstimmen, wie unser medizinisches Leistungsspektrum in Zukunft aussehen wird. Ich sehe uns auf all diese Herausforderungen im Jahr 2026 sehr gut vorbereitet.

Das Gespräch führte Alexander Maier.

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