Die Zahlen sind alarmierend: Jede Stunde wächst das Defizit der Krankenhäuser im Land um nahezu 71 000 Euro. Am Ende des Jahres wird das Minus, wenn keine Hilfe kommt, auf 620 Millionen Euro angestiegen sein. 2022 hatten die Kliniken noch mit einem hohen zweistelligen Verlust leben müssen. „Wir kommen in eine existenzbedrohende Situation“ sagt Matthias Ziegler, in Personalunion Geschäftsführer des Klinikums Esslingen und einer der Sprecher des Klinikverbunds Qumik.
Bereits vor 22 Jahren haben sich kommunale Krankenhausträger aus dem Land zusammengeschlossen, um gemeinsam an der Verbesserung ihrer Situation zu arbeiten. Mittlerweile gehören dem Qumik-Verbund 14 Träger mit 42 Klinikstandorten und 13 500 Betten an. Das entspricht nahezu einem Drittel aller Krankenhausbetten in Baden-Württemberg.
Nur noch 23 Prozent der Kliniken rechnen nicht mit Verlusten
Aktuell schrillen bei fast allen Häuser die Alarmglocken. Waren vor einem Jahr immerhin noch 37 Prozent der Häuser von einer positiven oder zumindest ausgeglichenen Gewinn- und Verlustrechnung ausgegangen, so sind nun nicht einmal mehr ein Viertel der Häuser – 23 Prozent – noch optimistisch. „Eine Krankenhausreform ist absolut notwendig“, betont Ziegler: „Die personellen und finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen sind ausgeschöpft und eine Fortsetzung der bestehenden Mangelverwaltung wird zu einer erheblichen Verschlechterung der Krankenversorgung führen.“
Trotz des ambitionierten Zeitplans von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach werde diese aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Angesichts rückläufiger Fallzahlen, bedingt durch den wachsendem Anteil an ambulanten Operationen, steigender Energiepreise und Personalkosten und der allgemeinen Preissteigerungen müsse ein Sofortprogramm zunächst sicherstellen, dass die gewaltige Finanzierungslücke geschlossen wird, die die Krankenhäuser seit Beginn der Pandemie in besonderem Maße getroffen habe.
Die Vernetzung aller Akteure spart Kosten
Um die Kostenexplosion in den Griff zu bekommen, fordert Qumik zudem vehement die Neustrukturierung der Notfallversorgung. Michael Geißler, der Medizinische Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe, sieht die Zukunft der Notfallversorgung in der Vernetzung der Akteure: Durch eine gemeinsame Leitstelle für den Notruf 112 und die Notfallnummer der Kassenärztlichen Vereinigung 116 117 könne schon beim Erstkontakt eine intelligente und kostensparende Steuerung der Patienten beginnen.
Zentrale Forderung ist der Aufbau eines Netzes von Integrierten Notfallzentren an großen Krankenhäusern, in denen neben der Krankenhaus-Notaufnahme eine Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung untergebracht sein müsse, die rund um die Uhr und an sieben Tagen pro Woche besetzt sein müsse. Geißler: „Durch die räumliche und organisatorische Zusammenführung der ambulanten und stationären Versorgung im 24/7-Betrieb erwarte ich mir, dass die Notaufnahme von minderschweren Fällen entlastet werden und die Versorgungsqualität für die Patienten steigt.“ Allerdings komme dieser Schritt viel zu spät. Jahrelang sei die Neuordnung der Notfallversorgung in der politischen Diskussion zerredet worden.