Krankenhausreform Kommunale Kliniken in Not
Krankenhäuser fordern schnelle Hilfe von Bund und Land – und erhalten Unterstützung vom Präsidenten des Landkreistages.
Krankenhäuser fordern schnelle Hilfe von Bund und Land – und erhalten Unterstützung vom Präsidenten des Landkreistages.
Im Streit um die Krankenhausfinanzierung meldet sich der Klinikverbund Qumik zu Wort. Dem 2001 gegründeten Zusammenschluss kommunaler Krankenhäuser in Baden-Württemberg gehören fünf Klinikträger mit 44 Häusern, 15 000 Betten und 47 000 Mitarbeiter an, die jährlich rund 620 000 Patienten stationär versorgen.
Doch dieses Angebot wird unter den aktuellen Voraussetzungen nicht mehr lange möglich sein. Allein den Qumik-Kliniken fehlen 2024 mehr als 400 Millionen Euro. Das Defizit aller Häuser in Baden-Württemberg – das hat gerade der Landkreistagspräsident Joachim Walter vorgerechnet – beträgt sogar rund 900 Millionen Euro.
Dabei hätten, so Walter, die Kliniken im Südwesten ihre Hausaufgaben erledigt. Die im Bundesdurchschnitt niedrigste Bettendichte spreche Bände. Doch das politische Versprechen von Bund und Land, dass durch einen beherzten Umbau der Klinikstrukturen die finanzielle Schieflage überwunden werden könne, habe sich nicht erfüllt.
Das bemängeln auch die Sprecher des Qumik-Verbunds. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warne, dass allein in diesem Jahr bis zu 80 Kliniken von Insolvenz bedroht sein könnten und dass es bereits ohne Reform Kliniken werden schließen müssen.
„Auch viele Qumik-Kliniken sind extrem von den stark steigenden Defiziten betroffen. Die Existenz vieler Häuser ist mittlerweile massiv gefährdet“, sagt der der Geschäftsführer des Klinikums Esslingen, Matthias Ziegler. Dabei, so fügt Christoph Reiß, der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostalb, hinzu, hätten auch die Kliniken in Baden-Württemberg seit Jahren bei Bettenzahlen, Fallzahlen und Krankenhauskosten enorme Anstrengungen unternommen, um die Verluste in den Griff zu bekommen.
„Die Krankenhäuser sehen durchaus die Notwendigkeit einer Reform“, betont Wolfgang Schmid, der Kaufmännische Geschäftsführer des Alb Fils Klinikums in Göppingen. Die zunehmende Ambulantisierung und der Fachkräftemangel seien wesentliche Argumente dafür. „In Zukunft steht nicht mehr genug Personal zur Verfügung, um so viele Kliniken wie bisher auf einem guten qualitativen Niveau betreiben zu können“, so Schmid: „Wir haben heute schon ein eklatantes Personalproblem, eine Entbürokratisierung ist nicht in Sicht und diese bindet wertvolle Personalressourcen.“
In der nun diskutierten Reform sieht Christoph Reiß keine Lösung: „Wir brauchen jetzt eine Krankenhausreform, die Leistungsgruppen zuordnet, dann aber auch die notwendige Vorhaltung und die notwendige Transformation finanziert.“